Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

21.09.2011

21:02 Uhr

Fremdwährungen

Ungarns Banken klagen gegen Zwangsumtausch

VonStefan Menzel

ExklusivUngarische Banken wehren sich gegen gegen den Regierungsbeschluss, Fremdwährungen zu günstigen Bedingungen umzutauschen zu müssen. Sie ziehen vors ungarische Verfassungsgericht und hoffen auf die EU.

Die Donau in Budapest. Ungarns Banken wehren sich gegen Zwangsumtausch. gms

Die Donau in Budapest. Ungarns Banken wehren sich gegen Zwangsumtausch.

WienUngarns Banken wehren sich gegen die von der Regierung beschlossene Zwangskonvertierung von Fremdwährungskrediten. Die Bankenvereinigung des Landes kündigte am Mittwoch eine Klage vor dem ungarischen Verfassungsgericht an. „Das neue Gesetz verstößt gegen die Verfassung“, sagte ein Sprecher der Vereinigung in Budapest. Außerdem wollen die ungarischen Institute die EU und den Europäischen Gerichtshof einschalten. Ein Sprecher von EU-Wirtschafts- und Währungskommissar Olli Rehn bestätigte, dass die neuen ungarischen Regeln bereits geprüft würden.

Am Dienstag hatte das Parlament in Budapest die Zwangskonvertierung von Fremdwährungskrediten beschlossen. Ungarische Schuldner können demnach ihre Franken- oder Euro-Kredite zu wesentlich günstigeren Konditionen als zu den aktuellen Marktbedingungen in Forint-Darlehen tauschen. Die Differenz zu den aktuellen Wechselkursen liegt bei etwa 20 Prozent. Die ungarische Regierung will, dass die Banken die Verluste tragen. Würden alle Schuldner tauschen, würden Milliardenkosten auf die Banken zukommen. In Ungarn sind österreichische Geldhäuser stark vertreten, die BayernLB ist über ihre Tochterbank MKB betroffen.

Fremdwährungskredite waren vor zehn Jahren in Ungarn wegen des hohen Zinsgefälles extrem beliebt. Besonders Franken-Hypotheken hatten es den Ungarn zum Kauf einer Wohnung oder eines Hauses angetan. Nach der Finanzkrise hat der ungarische Forint gegenüber dem Schweizer Franken jedoch massiv an Wert verloren. Als Folge daraus können viele ihre Kredite nicht mehr bedienen. Die ungarische Regierung sieht in der Zwangskonvertierung eine Hilfe für die Bevölkerung, die dadurch die Last der Fremdwährungskredite verlieren würde.

Das am Dienstag beschlossene Gesetz ist für die Banken hingegen eine Enteignung. Außerdem litten in Ungarn durch solch verfassungswidrige Gesetze Rechts- und Investitionssicherheit. Unicredit-Osteuropa-Chef Gianni Papa kündigte am Mittwoch in einem Interview an, dass weitere Investitionen in Ungarn zunächst gestoppt worden seien. „Das Gesetz in Ungarn wird Schockwellen auslösen“, sagte der Unicredit-Manager. Ursprüngliche wollte der italienische Bankkonzern 120 neue Filialen in Ungarn eröffnen.

Unterstützung bekommen die Geschäftsbanken auch von der ungarischen Nationalbank. Notenbank-Chef Andras Simor bezeichnete die Zwangskonvertierung als einen falschen Weg. Die Banken müssten wahrscheinlich ihre Kreditvergabe einschränken, was für Ungarn wiederum ein geringeres Wirtschaftswachstum nach sich ziehen würde. Das kleine Land mit zehn Millionen Einwohnern leidet schon jetzt unter seinem geringen Wachstum und seiner hohen Arbeitslosigkeit.

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

parvus

21.09.2011, 21:55 Uhr

Fremwährungskredite waren in Ungarn mitnichten nicht nur bei den Kunden "beliebt" - im Gegenteil haben die Banken gezielt und ohne jedwede fundierte Beratung die Kunden in solche Kredite gelockt und getrieben (Beispiele für dergleichen Werbung findet sich bei youtube.com zuhauf)! Wenn diese Banken jetzt Ihren Beitrag zur Konsolidierung leisten, ist das recht und billig! Zugleich ist das Geschrei der Banken durchaus bigot ... müßten sie doch einen großen Teil der gegebenen Kredite eigentlich ohnehin abschreiben - zumal die "Sicherheiten" für solche Kredite (v.a. Immobilien) in der Regel immer überbewertet waren und heute de facto unverkäuflich sind!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×