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10.10.2013

14:16 Uhr

Friedensstudie

Deutsche Banken finanzieren Atomwaffen-Bauer

Weltweit werden 235 Milliarden Euro in Atomwaffen investiert – und die Deutsche Bank ist für 3,6 Milliarden verantwortlich. Das ergibt eine Studie der IKV Pax Christi. Demnach sind mehrere Institute im Atom-Geschäft.

Versteckte Investitionen: Die Deutsche Bank steckt Geld in umstrittene Waffengeschäfte. Reuters

Versteckte Investitionen: Die Deutsche Bank steckt Geld in umstrittene Waffengeschäfte.

BerlinAcht deutsche Finanzinstitute sind einer Untersuchung zufolge an der Finanzierung von Atomwaffen beteiligt. Unter anderem die Deutsche Bank, die Commerzbank und die Allianz gewährten Kredite und investierten in Aktien und Anleihen von Unternehmen, die Atomsprengköpfe und Trägersysteme wie Raketen oder U-Boote herstellen, teilte die Internationale Kampagne für die Abschaffung von Atomwaffen (ICAN) am Donnerstag mit.

Laut der Studie der Friedensgruppe IKV Pax Christi unterhielten zwischen 2010 und 2012 weltweit 298 Finanzdienstleister aus 30 Ländern Geschäftsbeziehungen zu Atomwaffen-Herstellern - in einer Größenordnung von insgesamt 235 Milliarden Euro. In Deutschland steckten demnach acht Finanzinstitute insgesamt 7,6 Milliarden Euro in die Atomwaffen-Industrie. Im internationalen Vergleich nimmt Deutschland damit nach den USA, Großbritannien und Frankreich Platz vier ein.

Die größten Risiken und Probleme der Deutschen Bank

Viele Herausforderungen

Trotz aller Veränderungen in ihrem ersten Amtsjahr: Auf die Deutsche-Bank-Doppelspitze Jürgen Fitschen und Anshu Jain warten noch zahlreiche Herausforderungen. Ein Überblick.

Libor-Skandal

Über Jahre versuchten internationale Großbanken den Referenzzins zu manipulieren, um höhere Gewinne zu erzielen. Daran waren auch Beschäftigte des Dax-Konzerns beteiligt. Mehrere Investmentbanker der Deutschen Bank mussten gehen. Das Institut schließt nach internen Untersuchungen aber aus, dass das höhere Management an Manipulationen beteiligt war. In die Kritik geraten war auch Jain, der seit Jahren das Investment-Banking verantwortet. Die drei Konkurrenten Barclays, Royal Bank of Scotland und UBS mussten bereits hohe Strafen zahlen. Das droht auch der Deutschen Bank.

Kirch-Prozess

Im Dauerclinch um die Pleite des Medienimperiums des inzwischen gestorbenen Leo Kirch wurde die Bank vom Münchner Oberlandesgericht grundsätzlich zu Schadensersatz verurteilt. Die Höhe steht noch nicht fest. Die Bank wehrt sich vor dem Bundesgerichtshof (BGH) gegen den Schuldspruch, bildete in diesem Fall aber auch erstmals Rückstellungen. Die Kirch-Seite macht die Bank für die Pleite der Medienunternehmens 2002 verantwortlich und fordert gut zwei Milliarden Euro Schadensersatz. Einen Vergleich lehnte die Deutsche Bank bislang ab. Im April sah sich das Institut zu einer außerordentlichen Hauptversammlung gezwungen, weil Kläger aus dem Kirch-Lager erfolgreich Beschlüsse des letzten regulären Aktionärstreffens im Mai 2012 angefochten hatten.

USA

Das Land ist einer der wichtigsten Märkte für die Deutsche Bank. Die Politik dort will nun die Kapitalregeln für Auslandsbanken verschärfen. Das würde die Deutsche Bank besonders zu spüren bekommen. Zudem kämpft das Institut wegen Geschäften aus den Zeiten vor der Finanzkrise 2007/08 mit zahlreichen Klagen. Oft geht es um Hypothekengeschäfte.

Abbausparte

Der Bereich wird auch als „Bad Bank“ der Deutschen Bank bezeichnet. In der Sparte hat sie alle Geschäfte und Anlagen geparkt, von denen sie sich trennen möchte. Dazu gehören auch einige verlustreiche Ladenhüter wie das einst von der Bank finanzierte Kasino Cosmopolitan in Las Vegas und der US-Hafenbetreiber Maher, die schon seit Jahren auf einen Verkauf warten. Der eigentlich schon vereinbarte Verkauf der Frankfurter BHF-Bank an die Finanzgruppe RHJ stockt seit Monaten, weil die Finanzaufsicht kein grünes Licht gab.

Vermögensverwaltung

Gern hätte das Institut im vergangenen Jahr einen Großteil dieses Geschäfts verkauft. Die Verhandlungen verliefen aber im Sande, da die Gebote zu niedrig waren. Nun will die Bank die Sparte selbst weiterentwickeln. Doch die Konkurrenz wird größer. Immer mehr Institute buhlen um reiche Kunden in aller Welt, da dieses Geschäft als vergleichsweise stabil gilt. Die Deutsche Bank findet sich international in der Vermögensverwaltung bislang nur auf einem der hinteren Plätze.

Nummer eins in Deutschland ist dem Bericht zufolge die Deutsche Bank: Sie unterhalte Geschäftsbeziehungen zu Atomwaffen-Herstellern in einer Größenordnung von rund 3,6 Milliarden Euro, heißt es in der Studie. Auf Platz zwei landet die Commerzbank mit 1,8 Milliarden Euro, gefolgt von der Allianz mit 1,1 Milliarden Euro. Die stärksten finanziellen Verflechtungen der deutschen Finanzinstitute bestehen dem Bericht zufolge zum deutschen Konzern ThyssenKrupp, zum US-Unternehmen Northrop Grumman und zum europäischen Rüstungskonzern EADS, an dem auch der deutsche Staat beteiligt ist.

Von

afp

Kommentare (4)

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Account gelöscht!

10.10.2013, 18:00 Uhr

Das ist nichts Neues, absolut nichts Neues.
Die deutsche Bank hat überall ihre Finger drin, Produkt egal. Und die Commerzbank kassiert dafür noch Steuerkohle.
Die können sich mit ihrer Werbung überschlagen, da mache ich kein Konto auf.

BraunesSchwarzgeld

10.10.2013, 18:30 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Account gelöscht!

11.10.2013, 08:54 Uhr

Ich bin sicher kein Verehrer von Deutscher Bank und Co, aber dieser Artikel ist mal wieder ein Beweis dafür, dass das Handelsblatt sich namentlich besser in Handels-Bild umbenennen sollte. Dieser Bericht ist wieder purer Populismus.

"Die stärksten finanziellen Verflechtungen der deutschen Finanzinstitute bestehen dem Bericht zufolge zum deutschen Konzern ThyssenKrupp, zum US-Unternehmen Northrop Grumman und zum europäischen Rüstungskonzern EADS"

Sind EADS nicht die Hersteller von Airbus-Flugzeugen? Northrop Grumman ist ebenfalls sehr stark in der zivilen Luftfahrt tätig und ThyssenKrupp bietet vom Stahlblech bis zum Windrad so ziemlich alles an.

Leider sind diese Firmen auch in der Rüstungssparte aktiv, das ist korrekt. Aber in dem Artikel zu suggerieren, dass eine Bank deshalb keine Geschäftsbeziehung zu diesen Firmen unterhalten darf und sie damit suggestiv in die "Verbrecher"-Ecke zu schreiben, finde ich geschmacklos.

Oder wird der Handelsblattredakteur, der diesen Mistartikel verzapft hat, zukünftig mit meinen beiden Vorrednern zukünftig weder Auto, Bus noch Bahn fahren und im Urlaub auch kein Flugzeug mehr besteigen, da sie damit ja direkt oder indirekt Firmen unterstützen, die leider auch an der Herstellung von Massenvernichtungswaffen beteiligt sein könnten. Und Strom werden sie natürlich auch keinen mehr aus der Steckdose abrufen, denn er könnte ja mit einem ThyssenKrupp-Windrad erzeugt worden sein.

Wohl kaum :-)

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