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01.10.2017

16:36 Uhr

Frustrierter Bankkunde

Wie ein Fremdwährungskredit zum teuren Streitfall wurde

VonMark Fehr
Quelle:WirtschaftsWoche Online

Jahrelang stritt der Kunde Bernhard Costa mit seiner Bank um einen Fremdwährungskredit. Die Geschichte zeigt: Anleger sollten sich bei diesem riskanten Finanzprodukt zurückhalten.

Fremdwährungskredite sind ebenso lukrativ wie riskant. Auf diese Erfahrung hätte Bernhard Costa rückblickend gerne verzichtet. Imago

Fremdwährungskredite

Fremdwährungskredite sind ebenso lukrativ wie riskant. Auf diese Erfahrung hätte Bernhard Costa rückblickend gerne verzichtet.

Berhard Costa hat frisch geheiratet, zur Hochzeitsreise geht es nach Griechenland. Im Privatleben tut der 43-jährige Österreicher alles, um den zermürbenden Streit mit seiner Bank hinter sich zu lassen. Doch so richtig loslassen kann er von dem Thema nicht. Nach einer Reihe von verlorenen Prozessen setzt er seine wohl letzte Hoffnung nun in eine Schmerzensgeldklage gegen die aus seiner Sicht Verantwortlichen bei dem Geldinstitut. Die Geschichte begann vor 16 Jahren, das juristische Nachspiel zog sich lange hin.

Bernhard Costa weiß, was er tut, als er im August 2001 einen Fremdwährungskredit bei seiner langjährigen Hausbank aufnimmt. Fremdwährungskredite sind sehr riskant, da nicht nur die Entwicklung des Kurses im Vergleich zur Heimatwährung unberechenbar ist. Auch unterscheidet sich der Sollzins auf die Schuld je nach Währung stark. Costa ist selbständiger Finanzberater. Deshalb geht er das Risiko wegen der Aussicht auf Währungsgewinne ganz bewusst ein. Auch einigen seiner Kunden empfiehlt er, es ihm gleich zu tun. Doch das Investment soll kein gutes Ende nehmen.

Costa hat viel Akribie und Beharrlichkeit bei der Aufarbeitung seines Falls an den Tag gelegt. Das hat wohl auch damit zu tun, dass es ihm dabei nicht nur ums Geld geht, sondern auch um sein Ansehen bei den von ihm beratenen Kunden. Wie so oft, wenn Bankkunden mit ihrer Bank streiten, geht es also auch hier nicht nur ums Geld, sondern um die Ehre. Costas Bank betont gegenüber der WirtschaftsWoche, dass alle von ihren Kunden angestrengten Prozesse gegen sie bis in die letzte Instanz zu ihren Gunsten entschieden wurden.

Wie lief das Investment ab?

Zunächst läuft alles bestens. Erst wählt Costa den japanischen Yen als Währung und wechselt dann in den Schweizer Franken. Weil die Kurse sich zu seinen Gunsten bewegen, stockt er den Kredit zwischenzeitlich zweimal auf. Da der Franken gegenüber dem Euro damals an Wert gewinnt, sinkt seine Schuld bei der Bank. Alles läuft bestens, zumindest glaubt Costa das, erzielt er doch über die Jahre hinweg einen hübschen Währungsgewinn.

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Seine Rechnung sieht so aus: Insgesamt hat Costa 133.769 Euro aufgenommen. Zum Stichtag 9. Dezember 2008 steckt das Geld komplett in Schweizer Währung: 187.677 Franken, um genau zu sein. Costa hat den Kontoauszug aufgehoben. Der Kurs des Schweizer Franken beträgt an diesem Tag 1,5569 Euro. In heimischer Währung schuldet Costa der Bank also nur 120.699 Euro. Das sind 13.224 Euro oder rund zehn Prozent weniger, als er ursprünglich an Kredit aufgenommen hat. Der Bankkunde wäre also deutlich im Plus. Diese Rechnung findet Costa so einfach, dass selbst ein Kind sie nachvollziehen könne.

Doch zu seiner Überraschung rechnet die Bank ganz anders.

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