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14.03.2012

16:23 Uhr

Führungsetage

Fitschen und die Frauen

VonCarina Kontio

Ernüchterung nach der Enthüllung: Beim Großumbau in der Führungsetage der Deutschen Bank rückt keine einzige Frau in den Vorstand auf. Doch beim Frauenkongress des Instituts macht der designierte Chef ein Versprechen.

Der designierte Co-Chef der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen, hatte die Lacher auf einem Frauenkongress des Instituts auf seiner Seite. Reuters

Der designierte Co-Chef der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen, hatte die Lacher auf einem Frauenkongress des Instituts auf seiner Seite.

Frankfurt„Sehr geehrte Herren und Damen“ – mit diesen Worten eröffnet die EU-Justizkommissarin Viviane Reding am Mittwoch in Frankfurt einen Frauenkongress der Deutschen Bank und erntet Applaus. Weil es als Anspielung auf den Umbau des Top-Managements von Deutschlands größtem Geldhaus verstanden wird.

Denn jetzt, wo die Katze aus dem Sack ist, ist klar: Unter all den Namen, die für das oberste Führungsgremium des Instituts gehandelt werden und das direkt unterhalb davon angesiedelte Group Executive Committee, ist keine einzige Frau. Kurz gesagt ist das peinlich. Peinlich, weil es die Deutsche Bank offenbar nicht geschafft hat, beim gesellschaftspolitischen Dauerbrenner Frauenquote ein Signal zu setzen.

Während andere Dax-Konzerne wie die Deutsche Telekom, Daimler oder BMW scheinbar geradezu miteinander wetteifern, wer die femininste Führungsspitze hat, sieht die Realität bei der Deutschen Bank ernüchternd aus: Der Frauenanteil im achtköpfigen Vorstand stagniert seit Jahren – bei null Prozent! Das erhitzt die Gemüter. Ein Sprecher der Bank räumt ein: „Da gibt es sicherlich Nachholbedarf.“ Er bemüht sich darum, den schlechten Eindruck zu mildern. Dass eine Frau in den Vorstand gehievt werde, sei „sicher keine Frage von Jahrzehnten mehr“. Frauenförderung sei der Bank ein wichtiges Anliegen. Tatsächlich gibt es innerhalb des Instituts etliche Programme zur Qualifizierung von Frauen – Fördern bedeutet aber noch lange nicht Befördern.

Frauen in Führungspositionen bei der Deutschen Bank

Drei Vorzeigefrauen

Viele Frauen sind im Top-Management der Deutschen Bank nicht zu finden. Aber es gibt Ausnahmen.

Charlotte Jones

Die Finanzexpertin Charlotte Jones berichtet direkt an den Finanzchef der Deutschen Bank und ist Mitglied im sogenannten Group Finance Executive Committee des Geldhauses. Bevor sie im Sommer 2011 auf diese Position wechselte, war sie Finanzchefin für die Regionen Europa, Naher Osten und Afrika.

Gerlinde Siebert

Gerlinde Siebert ist mit 25 Jahren Betriebszugehörigkeit ein Urgestein der Deutschen Bank. Seit Juni 2009 verantwortet sie als Global Head of Business Products Einnahmen in Höhe von rund einer halben Milliarde Euro sowie Kredite im Volumen von 15 Milliarden Euro an kleine und mittelgroße Unternehmen in Europa und Asien.

Brigitte Bomm

Wie Charlotte Jones gehört Brigitte Bomm den Group Finance Executive Committee an. Als Global Head of Tax führt sie die globale Steuerabteilung des Instituts und ist die Chefin von mehr als 200 Mitarbeitern.

Und ausgerechnet an diesem Mittwoch veranstaltet die Deutsche Bank zum 13. Mal die „Women in European Business (WEB) Conference“, ein exklusiver Kongress für Frauen in Führungspositionen. Im Konzertsaal des Hermann-Josef-Abs-Gebäudes soll es aber nicht um Frauenquoten sondern um knallharte Wirtschaftsthemen gehen. „A New Deal – Balancing Corporate and Public Needs“, lautet ganz international das diesjährige Thema, über das 250 Unternehmerinnen mit namhaften Experten aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft diskutieren.

Kommentare (4)

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Account gelöscht!

14.03.2012, 16:32 Uhr

Könnte die mangelnde Frauen"quote" in D auch daran liegen, dass sich hierzulande weniger Frauen für die Spitzenpositionen interessieren als anderswo?
Zugegeben - es erscheint unwahrscheinlich. Aber solange es keine Nachweise dafür gibt, dass es an anderen Dingen liegt, bleibt als entscheidende Frage, woran es denn nun tatsächlich liegt.

Apropros "Quote". Mit der Erfüllung einer "gesellschaftspolitisch korrekten Quote" allein ist es auch nicht getan. Machen sollte den Job stets die qualifizierteste Person. Bleibt zu hoffen, dass das Geschlecht bei dieser Beurteilung nicht wirklich den Ausschlag gibt.

azaziel

14.03.2012, 22:52 Uhr

Jeden tag ueberflueten unzaehlige schwache Artikel ueber die Frauenquote die Medien. Dieser hier ist eine besondere Zumutung. Zitat: „...denn gemischte Teams treffen bessere Entscheidungen und die Unternehmen sind langfristig erfolgreicher …” Jeden Tag dieselbe sterotype, duemmliche Phraseologie! Taeglich werden hunderte von Antraegen gestellt, Studien zur Frauenfrage zu finanzieren. Und immer wieder wird eine fragwuerdige Themenwahl mit fragwuerdigen Methoden zu fragwuerdigen Ergebnissen kommen. Und fortlaufend werden die Online Medien zugemuellt. An wen richtet sich eigentlich die Anklage? Gegen die Maenner im Allgemeinen? Gegen die Maenner in Vorstaneden? Gegen die Politiker, die nicht genug dagegen tun? Es ist bezeichnend, dass in dem Artikel nicht ein einziges mal die Frage aufgeworfen wird, wieviel potentielle Bewerberinnen es bei der Deutschen Bank eigentlich gegeben hat. Und warum soll es eigentlich fuer die maennlichen Vorstandsmitglieder peinlich sein, dass kein Frau im Vorstand ist? Und wozu soll die Frauenquote ueberhaupt gut sein? Wie kann diese Forderung ethisch oder moralisch begruendet werden? Wenn wir glauben, dass eine Gesellschaft gerechter ist, wenn sie bei der Bestzung von Positionen den Aufbau der Gesellschaft wiederspiegelt, warum beschraenken wir das auf die Frauen? Warum geht es nur um die paar Hundert Schluesselpositionen? Freuen sich vielleicht Millionen von Verkaueferinnen oder Krankenschwestern, wenn eine Frau es in den Vorstand geschafft hat?

Account gelöscht!

15.03.2012, 10:36 Uhr

Frauen interessieren sich sehr für eine Position im oberen Mangement. Sie sind gut ausgebildet, kompetent und in der Regel kommen im Top Management auch an. Ab da wird es dann schwierig. Der Grund warum es so wenige Frauen in Führungspositionen in Großkonzernen bleiben liegt daran, dass es Männer primär um Macht und Einfluß geht und zu zeigen wer das größte Alphatier ist. Frauen hingegen wollen aufgrund Ihrer Sozialisierung die anstehenden Aufgaben und die Arbeit erledigen und das gerne unter Einbindung der fähigsten Mitarbeiter um dann im Konsens zur Tat zu schreiten, anstatt sich in stundenlangen Meetings profilieren zu müssen. Frauen haben einfach keine Lust auf diese Machtspielchen und wollen die Arbeit erledigen. Männer haben supergute Fähigkeiten zum netzwerken und setzen sich an der richtigen Stelle in Szene. Sie scharen in einer neuen Führungsposition als erstes Ihre Anhänger um sich, um Ihre Position zu festigen und mehr Einfluss zu bekommen. Wenn sich nur eine einzige Frau im Vorstand neben männlichen Kollegen behaupten muß hat sie nahezu keine Chance sich mit ihrer Art die Dinge anzugehen durchzusetzen, weil sie ganz allein mit Ihrer Einstellung zum Thema Führung dasteht. Irgendwann gibt man zwangsläufig auf und fügt sich dem bestehenden System, sonst wird man krank oder man schmeißt hin, weil mann keinen Bock mehr auf diese Art und Weise der Unternehmensführung hat. Erst wenn es auch den Frauen gelingt, Frauen in den Schlüsselpositionen im Unternehmen zu positionieren, dann wird sich etwas ändern und die Frauen bleiben dann auch, weil sie sich wohlfühlen.

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