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31.01.2009

13:18 Uhr

Fünf Fragen an: Christoph Schalast

„Aus Jägern könnten Gejagte werden“

VonHans G. Nagl

Konservativere Finanzierungsstrukturen und ein rückläufiger Verschuldungsgrad bei Übernahmen: Christoph Schalast, Professor an der Frankfurt School of Finance & Management, spricht im Handelsblatt-Interview über die Herausforderungen für die Private-Equity-Branche und die Chancen des Geschäftsmodells.

Bankenexperte Christoph Schalast hält den Niedergang von vereinzelten Finanzinvestoren für möglich. Foto: Frankfurt School of Finance Quelle: Pressebild

Bankenexperte Christoph Schalast hält den Niedergang von vereinzelten Finanzinvestoren für möglich. Foto: Frankfurt School of Finance

Herr Schalast, die Finanzkrise tobt nun seit gut anderthalb Jahren. Was sind die Herausforderungen für die Private-Equity-Branche?

Viele Fonds werden 2009 damit beschäftigt sein, ihre bereits gekauften Unternehmen zu restrukturieren. Hier gibt es eine Menge Arbeit in den Portfolios. Zum Teil werden sich die Private-Equity-Fonds sogar gegen Investoren wehren müssen, die Fremdkapital an ihren Firmen erworben haben und dies in Anteile wandeln wollen. Mitunter werden so aus den Jägern die Gejagten.

Ist das die Rache der häufig extremen Verschuldung bei den Übernahmen der Jahre 2005 bis 2007?

In der Tat. Und die Rezession hat gerade erst begonnen. Man kann mit Sicherheit davon ausgehen, dass auch Unternehmen im Besitz von Private-Equity-Fonds in Insolvenz gehen werden.

Stehen nicht auch die Finanzinvestoren selbst auf der Kippe?

Das ist derzeit schwer zu beurteilen. Aber es ist gut denkbar, dass der ein oder andere Fonds so eine schlechte Entwicklung ausweisen muss, dass das Management keine Chance mehr bekommt, nochmals ausreichend Kapital einzusammeln.

Hat das Geschäftsmodell Private Equity überhaupt noch eine Zukunft?

Ich bin mir sehr sicher, dass die Branche eine Zukunft hat. Und wir werden auch 2009 Deals sehen. Aber es wird alles kleiner. Die Transaktionen, aber auch die Gelder, die neu eingeworben werden. Zugleich sind die Finanzierungsstrukturen weitaus konservativer, der Verschuldungsgrad bei Übernahmen ist schon heute drastisch gesunken.

Also düstere Zeiten?

Keineswegs. Wer jetzt kauft, kauft meist zu günstigen Preisen ein und kann in einigen Jahren vermutlich hohe Gewinne realisieren. Nehmen Sie etwa das Segment, das man als Distressed Assets bezeichnet – also notleidende Kredite oder Unternehmen. Wenn man davon etwas versteht, ist das eine sehr interessante Sache für einen Investor. Die zentrale Frage ist allerdings: Ist das Kapital da, um die Gelegenheiten zu nutzen?

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