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07.01.2009

13:59 Uhr

Fünf Fragen an: Peter Havlik

„Der Abschwung dauert nur ein Jahr“

VonStefan Menzel

Auch Osteuropa wird durch die Finanzkrise erschüttert. Im Interview mit dem Handelsblatt schlägt Peter Havlik, Vize-Chef des Wiener Instituts für internationale Wirtschaftsvergleiche, optimistische Töne an. Die Krise könnte sich sogar positiv für Osteuropa auswirken.

Peter Havlik blickt auch in der Krise optimistisch gen Osten. Foto: Havlik Pressebild

Peter Havlik blickt auch in der Krise optimistisch gen Osten. Foto: Havlik

Handelsblatt: Nach Ihrer Prognose werden die neuen EU-Mitgliedsländer im Osten im nächsten Jahr gerade noch mit 2,7 Prozent wachsen. Warum?

Havlik: Wir erleben eine dramatische Veränderung der weltweiten Konjunkturbedingungen. Das hat zu dieser größten Prognose-Korrektur geführt, die wir jemals gemacht haben. Allerdings kann man nicht ausschließen, dass auch diese Zahl noch etwas zu positiv ist und noch das eine oder andere osteuropäische Land in eine Rezession abrutscht. Bei der Mehrheit der Länder erwarten wir aber immer noch leichtes Wachstum.

Wie lange werden die Schwierigkeiten anhalten?

Dieses Mal sind die Unsicherheiten der Prognose natürlich besonders groß. Trotzdem glauben wir, dass der Abschwung nicht länger als ein Jahr dauern wird. In der Folge wird das im Osten zu einem leichten Anstieg der Arbeitslosigkeit führen. Da die Finanzierungsbedingungen schwieriger geworden sind, wird es natürlich zu einem Rückgang der Investitionen kommen.

Gibt es auch etwas Positives?

Bei den milliardenschweren Hilfs-programmen überall in Europa sollte auch etwas für den Osten übrig bleiben. Der aktuelle Rückgang der Rohstoffpreise hilft natürlich auch. Wir erwarten allerdings, dass diese Entwicklung nur vorübergehend ist und die Preise Mitte 2009 wieder anziehen werden.

Was passiert in der Bankenlandschaft?

Die Banken sind in Osteuropa mehrheitlich in westlichem Besitz, besonders stark sind die österreichischen Institute dort vertreten. Bis zum dritten Quartal haben sie dort sehr viel und gut verdient. Jetzt ist es schwer, eine konkrete Aussage zu machen. Aber es kann nicht so weitergehen wie bisher.

Wie sieht die längerfristige Perspektive für den Osten aus?

Aufgrund der aktuellen Krise entstehen in Osteuropa gegenüber dem Westen neue Lohnkostenvorteile. Das könnte dazu führen, dass die Unternehmen aus dem Westen mittelfristig wieder mehr Produktion nach Osteuropa verlagern werden.

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