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10.09.2013

14:31 Uhr

Fünf Jahre Lehman-Pleite (Teil 2)

Lehman-Pleite, Libor-Skandal – und was kommt noch?

VonSebastian Ertinger

Skandale, Fehlspekulationen sowie Millionen-Boni und Prozesse: Fünf Jahre nach der Lehman-Pleite scheint ein Wandel der Finanzwelt weit entfernt. Experten meinen: Die Ansätze zur Zähmung der Branche greifen zu kurz.

Die Zentrale der Investmentbank Lehman Brothers am 15. September 2008: Die Pleite der Wall-Street-Größe wirkt immer noch nach. dapd

Die Zentrale der Investmentbank Lehman Brothers am 15. September 2008: Die Pleite der Wall-Street-Größe wirkt immer noch nach.

Düsseldorf80 Millionen Euro für einen einzelnen Händler: Nur ein Jahr nach der Pleite der US-Bank Lehman Brothers segnete die Führung der Deutschen Bank dem Händler Christian Bittar diesen üppigen Bonus ab. Das besonders Pikante daran: Bittar steht mittlerweile im Verdacht, in die Manipulation von Leitzinssätzen wie dem Libor verwickelt zu sein.

Der Fall Bittar, Manipulationen am US-Energiemarkt oder der weltweite Skandal um Geldhäuser, die ihre Kunden tatkräftig bei der Flucht in Steuerparadiese unterstützen, drängen den Eindruck auf: Seit dem Beinahe-Kollaps der Finanzwelt nach Lehman hat in den Banktürmen kein Umdenken eingesetzt.

Das Bild des gierigen Bankers hält sich weiterhin - immer den satten Bonus im Blick, skrupellos Kunden ausnehmen oder bedenkenlos mit Rohstoffen spekulieren. Die Bemühungen von Politikern und Aufsehern, die Finanzbranche zu zügeln, ziehen sich in die Länge und scheitern allzu oft an widerstrebenden Interessen.

Dabei versucht die Branche, sich als geläutert darzustellen und ihr Image aufzupolieren. Die Deutsche Bank etwa gab sich einen Wertekodex. Die Doppelspitze Jürgen Fitschen und Anshu Jain propagiert zusammen mit Chefkontrolleur Paul Achleitner den „Kulturwandel“.

Die üppigen Boni werden gekappt, die Auszahlung wird gestreckt und an die Erfüllung verschiedener Kriterien geknüpft. Wer bei dem verordneten Wandel nicht mitzieht, „der ist bei der Deutschen Bank am falschen Ort“, hatte Fitschen schon früh klar gemacht. Dennoch räumt auch er ein: „Ein tiefgreifender kultureller Wandel braucht Jahre, nicht Monate.“

Die Regulierer wiederum drängen die Banken dazu, ihre Geschäft mit mehr Eigenkapital zu hinterlegen, damit die Institute Krisen besser widerstehen können. Mit Stresstests prüfen die Aufseher, wie anfällig die Banken für Schocks sind.

Wie die Finanzkrise aufflammt

Juni 2007

Alarmglocken an der Wall Street: Zwei Hedge-Fonds der New Yorker Investmentbank Bear Stearns straucheln, weil sie in großem Stil in mit Immobilien besicherten Papieren engagiert sind.

Juli und August 2007

In Deutschland geraten Banken wegen Fehlspekulationen am US-Immobilienmarkt in die Krise – etwa die Mittelstandsbank IKB, die Sachsen LB, die WestLB und die BayernLB.

September 2007

Besorgte Kunden stürmen die Schalter der britischen Bank Northern Rock. Die Regierung und die Bank von England garantieren die Einlagen, Northern Rock wird vom Staat übernommen.

Oktober 2007

Ein großes Finanzhaus nach dem anderen meldet Milliardenabschreibungen und hohe Verluste.

Februar 2008

Der US-Kongress billigt ein Konjunkturprogramm im Umfang von 150 Milliarden Dollar.

März 2008

Das Investmenthaus Bear Stearns wird auf Druck der US-Notenbank kurz vor dem Zusammenbruch an die Großbank JP Morgan Chase verkauft. Die US-Regierung springt mit Garantien ein.

6. September

Die US-Regierung übernimmt die Kontrolle bei den US-Hypothekengiganten Fannie Mae und Freddie Mac.

In den USA mussten die großen Geldhäuser sogar „Testamente“ vorlegen, in denen sie detaillierte Pläne für den Fall des eigenen Untergangs und eine geregelte Abwicklung austüftelten. Auch die deutsche Regierung arbeitet an einem ähnlichen Gesetz.

Experten beurteilen dieses Flickwerk skeptisch: „Deutschland hat auf die Finanzkrise mit einer merkwürdigen Mischung aus Aktivismus und Passivität reagiert“, meint Martin Hellweg, Volkswirt und Direktor am Max-Planck-Institut in Bonn. Strengere Regeln für Hedgefonds, Verbot von Leerverkäufen, Regeln für Nachhaltigkeit von Bonussystemen und für die Begrenzung von Managergehältern, Finanztransaktionssteuer – bei diesen Themen sei die Bundesregierung sehr aktiv gewesen und habe einiges auf den Weg gebracht.

Kommentare (3)

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Account gelöscht!

10.09.2013, 16:48 Uhr

Ist ja auch ein bisschen viel verlangt.
Wenn man Bankräubern die Bekämpfung von Bankraub überlässt, kann man was erwarten?!
Ja, das war eine rhetorische Frage und auch noch provokativ dazu, geschenkt.

Unsere Politclowns hatten den unmöglichen Auftrag den üblen Dreck von der erwischten Banksterbranche zu waschen, ohne dabei aber Wasser und Bürste zu benutzen. Nun, sie bemühen sich ungemein und verrenken sich geradezu dabei, aber es nützt nichts der Dreck will nur oberflächlich weichen. Da hilft nur noch eines, klebt den Zuschauern die Augen zu, dann sind die Bankster wieder rein, wenigstens in ihrer Phantasie und das herzhafte Zocken und Abzocken kann weiter gehen!

Angela-Wendehals

10.09.2013, 17:21 Uhr

Nur Herr wulff hat es gewagt, dem Volk auf zu zeigen, dass die Bankster die Politiker an Nasenring durch die Magege führen, aber Angela Wendehals hat den letzten deutschen Helden für den Abschuss durch den ge-BILD-eten Bürger frei gegeben.

Pfui Angela

Und nun verrät sie uns auch noch an die Amis / NSA

VorsorgepowerFalger

12.09.2013, 11:12 Uhr

Raubrittertum wo man hinschaut, genau hinschaut!: Banken, Immobilien, Politik, Versicherungen, Verwaltungen in Gemeinden und Ländern, vor allem aber beim Bund!

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