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13.09.2013

15:32 Uhr

Fünf Jahre Lehman-Pleite (Teil 5)

„Machen Sie es nicht wie ich“

VonSebastian Ertinger

Lehman-Boss Fuld oder HRE-Lenker Funke hatten ihre Häuser mit Finanzspekulationen in den Untergang getrieben. Heute verdingen sich die Protagonisten der Krise als Makler, Fitnesstrainer – oder Giftmüll-Entsorger.

Fünf Jahre ist es her, dass die Bank Lehman Brothers eine weltweite Finanzkrise auslöste. AFP

Fünf Jahre ist es her, dass die Bank Lehman Brothers eine weltweite Finanzkrise auslöste.

DüsseldorfFür einige Wochen zählte Erin Callan zu den erfolgreichsten Frauen der Wall Street. Noch im März 2008 überzeugte sie Analysten und Investoren in einer Telefonkonferenz, dass es doch nicht so schlecht um die Bilanzkennzahlen von Lehman Brothers steht. Callan war erst im September 2007 zur Finanzchefin der Investmentbank ernannt worden. Vorstandschef Fuld hatte die damals 41-Jährige als erste Frau in der 160-jährigen Geschichte des Instituts in das Führungsgremium geholt – eine im Unternehmen äußerst umstrittene Entscheidung.

Doch Callans Karriere währt nur kurz. Schon im Sommer 2008 platzt die Spekulationsblase am US-Immobilienmarkt und die Bilanz von Lehman kollabiert. Callan gelingt es nicht mehr, die immer weiter aufklaffenden Kapitallücken zu übertünchen. Die Bank rutscht in die Pleite und Callan verliert ihren Job, so wie wenige Tage nach der Pleite rund 25.000 weitere Lehman-Mitarbeiter.

Nicht nur Callan musste sich nach dem Desaster, das die ganze Finanzwelt in einen Krise stürzte, eine neuen Beschäftigung suchen. Am Ende saß auch der wegen seiner Ausbrüche „Gorilla“ genannte Lehman-Chef Richard Fuld still da. Ihm hatte der Chef der Regulierungsbehörde SEC, Christopher Cox, gerade per Telefon mitgeteilt, dass sämtliche Rettungsversuche für die Investmentbank fehlgeschlagen seien. Die SEC und die Notenbank seien sich einig, dass Lehman Konkurs anmelden solle. Statt in einen seiner Wutausbrüche zu verfallen, sackte der Bankchef in sich zusammen und vergrub den Kopf in seinen Händen.

Doch anders als so manche einfache Arbeiter oder Angestellte, die in der Immobilienkrise Haus und Hof verloren, landeten die Manager, die zu den Köpfen der Krise wurden, nicht auf der Straße. Viele fielen weich, manche wagten den Neuanfang, andere zogen sich völlig zurück.

Callan heuerte zunächst bei der Credit Suisse an, verließ die New Yorker Niederlassung der Schweizer Bank aber schon 2010 wieder. Die ehemalige Bankerin zog sich aus der Finanzwelt und auch aus der Millionenmetropole zurück. Medienberichten zufolge flüchtete sie in das 160 Kilometer vom globalen Finanzzentrum entfernte East Hampton. Dort lebt sie in einem Ferienhaus am Meer, das sie 2005 für fast vier Millionen Dollar gekauft haben soll.

Erin Callan in einem Fernsehinterview 2008: Lehmans ehemalige Finanzchefin hat sich aus der Öffentlichkeit fast völlig zurückgezogen. BLOOMBERG NEWS

Erin Callan in einem Fernsehinterview 2008: Lehmans ehemalige Finanzchefin hat sich aus der Öffentlichkeit fast völlig zurückgezogen.

In der Öffentlichkeit trat Callan nicht mehr auf, mied Interviews mit den Medien. Dem Magazin „Fortune“ zufolge fand sie Halt bei einem New Yorker Feuerwehrmann, den sie aus Schulzeiten kannte.

Erst im März 2013 trat Callan wieder in die Öffentlichkeit. In einem Interview mit dem Fernsehsender NBC News riet die Managerin jungen Frauen, für die berufliche Karriere das Privatleben nicht zu vernachlässigen. Ihr Leben habe sich immer mehr nur um die Arbeit gedreht, sagte Callan. Dabei habe sie Zeit mit Freunden und ihrem damaligen Mann zunehmend an den Rand gedrängt. „Machen Sie es nicht wie ich“, warnt Callan heute junge Frauen.

Der Lehman-Chef mit der falkenartigen Nase und den schattenumrandeten Augenhöhlen wurde rasch zur Zielscheibe von Kritik, Wut und Enttäuschung der Menschen. Hass schlug ihm entgegen. Der ruppige Banker diente als Sinnbild der rücksichtslosen Raffgier und abgehobenen Arroganz der Wall Street. Seine Uneinsichtigkeit festigte das Bild noch.

Kommentare (2)

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Der_ewige_Spekulant

13.09.2013, 16:46 Uhr

"In der Öffentlichkeit trat Callan nicht mehr auf, mied Interviews mit den Medien. Dem Magazin „Fortune“ zufolge fand sie Halt bei einem New Yorker Feuerwehrmann, den sie aus Schulzeiten kannte."

Aus einem Mistkäfer wurde während der US-Immobilienblase die höchste Stufe der Evolution. Und nach dem Platzen der US-Immobilienblase wurde es dann wieder ein Mistkäfer.

Sobald das aufgeblähte US-Militär kollabiert, wird den Amis vor Augen geführt werden, welch ein Ausnahmevolk/Herrnvolk sie tatsächlich sind - hoffentlich gibt es dann noch genügend Brücken, so dass für alle Betroffenen Platz ist.

Der_ewige_Spekulant

13.09.2013, 16:54 Uhr

"Auch als Chef der Hype Real Estate (HRE), einst die drittgrößte Bank Deutschlands, war er kein Netzwerker."

Es ist immer noch die Hypo Real Estate - auch wenn die HRE damals in den Medien enorm "gehyped" wurde.

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