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14.09.2013

12:11 Uhr

Fünf Jahre Lehman-Pleite (Teil 6)

Die Kunst der Bankenkrise

VonChristine Mattauch

Mit der Lehman-Pleite wurde nicht nur die Finanzwelt, sondern auch die Kultur erschüttert. Für etliche Autoren, Regisseure und Maler war der Beginn der Bankenkrise eine wahre Inspirationsquelle.

Die Pleite der Investmentbank Lehman Brothers und die Finanzkrise wurden in der Literatur, im Theater oder der Malerei aufgegriffen. dpa

Die Pleite der Investmentbank Lehman Brothers und die Finanzkrise wurden in der Literatur, im Theater oder der Malerei aufgegriffen.

New YorkGeoffrey Raymond war 52 Jahre alt, als er beschloss, sein Leben zu ändern. Am 4. Juli 2006, dem amerikanischen Unabhängigkeitstag, schloss der New Yorker seine kleine Agentur, die Werbung für Pharmaprodukte machte, und begann zu malen. Seine ersten Porträts bot er Passanten auf dem Gehsteig von Chelsea an. Das Thermometer stand auf 33 Grad, er wurde von Tauben zugeschissen. Es war, alles in allem, ein bescheidener Start.

Dann kamen die Finanzkrise und der Tag, an dem Lehman unterging.

Raymond würdigte die Vorgänge auf seine Weise. Er malte ein überlebensgroßes Porträt von Lehman-Chef Richard Fuld und setzte sich damit vor die Bank. Wenn Lehman-Mitarbeiter und Schaulustige vorbeikamen, drückte er ihnen Stifte in die Hand und bat um Anmerkungen auf der Leinwand. „Blutsauger“ kritzelte einer, „Was für ein Tag, was für ein Jahr“ ein anderer. Es war das Motiv für Fernsehkameras. Raymond und sein kommentierter Fuld wurden berühmt. „Das Bild traf einen Nerv“, erklärt sich der Künstler den Erfolg heute, fünf Jahre nach dem Fall von Lehman. „Es spiegelte den Moment, an dem die Welt ins Wanken geriet.“ Ein Banker kaufte das Graffiti-Gemälde vom Fleck weg, für 10.000 Dollar.

Der Schock des 15. September 2008 prägte nicht nur die Wirtschaft, sondern auch die Kultur – und bereicherte sie um Analytisches, Denkwürdiges und Skurriles. Künstler und Zeitzeugen haben das historische Ereignis aufgearbeitet und dabei, Ironie der Geschichte, nicht selten ein kleines Vermögen gemacht. Lehman und die Folgen: Das wurde Thema von Romanen und Sachbüchern, Filmen und Videos, Theaterstücken und Musicals. Der Streit über den richtigen Umgang mit der Krise brachte sogar eine 16minütige „Austeritäts-Oper“ hervor, die diesen April in der estnischen Hauptstadt Tallinn uraufgeführt wurde und dem bis dato weithin unbekannten Komponisten Eugene Birman zu einiger Prominenz verhalf.

Das wohl bekannteste Lehman-inspirierte Werk ist der Film „Wall Street: Geld schläft nicht“ von Oliver Stone. Der linke Starregisseur wollte mit der Aufarbeitung der Finanzkrise an seinen legendären Kinohit von 1987 anknüpfen, in dem die Machenschaften des gewissenlosen Bankers Gordon Gekko – Wahlspruch: Gier ist gut – im Zentrum stehen. Kommerziell gelang ihm das – Wall Street 2 spielte an den Kinokassen rund 135 Millionen Dollar ein. Inhaltlich hatte der Plot allerdings wenig Biss, die Finanzkrise diente eher als Kulisse für eine rührselige Familiengeschichte. Andere Filme gingen härter mit den Profiteuren der Spekulationsblase ins Gericht, etwa „Der große Crash“ (Originaltitel: Margin Call) von Regisseur J.C. Chandor, oder die Dokumentation „Inside Job“ von Charles Ferguson, die 2011 einen Oscar gewann.

Blockbuster zur Finanzkrise

lZu groß, um pleite zu gehen

„Too Big to fail“ oder „Die Unfehlbaren“ heißt die akribisch recherchierte Story vom Platzen der Spekulationsblase, die 2009 erschienen ist. Das viel zitierte Werk stammt aus der Feder des New-York-Times-Reporters Andrew Ross Sorkin. Der Verlag Viking zahlte für das Manuskript dem Vernehmen nach 700 000 Dollar.

Abrissbirne

2012 nahm Bruce Springsteen das Album Wrecking Balloder Abrissbirne auf. Es ist eine musikalische Aufarbeitung von Banker-Gier und Rezession und verkaufte sich innerhalb der ersten Woche rund 200.000 Mal. Einige Lieder setzte US-Präsident Barack Obama sogar im Wahlkampf ein.

 

Der kommentierte Mr. Fuld

Der New Yorker Künstler Geoffrey Raymond porträtierte 2008 den Lehman-Chef Richard Fuld und ließ das Werk „The Annotated Fuld“ von Passanten kommentieren. Das machte ihn auf einen Schlag bekannt. Seine Bilder kosten heute bis zu 225 000 Dollar

 

Giftige Banker

2012 wurde das Musical „Toxic Bankers" in London uraufgeführt. Mit ihrer Musikkomödie um eine vorgeblich ethische Investmentbank heimsten Andrew Taylor (Regie und Drehbuch) und Desmond O’Connor (Songs) gute Kritiken ein.

3. Reality Show

Die mit Schauspielern nachgestellte Reality Show von dem Wochenende, an dem Lehman unterging, bescherte der BBC 2009 mehr als eine Million Zuschauer. Unter dem Namen „The Last Days of Lehman Brothers“ wurden die Senderechte wurden später von der amerikanischen CNBC gekauft.

Wall Street II

Der Film zur Finanzkrise, Wall Street II, mit Michael Douglas und Shia LaBoeuf in den Hauptrollen war kommerziell ein großer Erfolg.  Er spielte weltweit 135 Millionen Dollar ein. Die Produktionskosten lagen bei 70 Millionen Dollar

Auch Bruce Springsteens Erfolg mit Wrecking Ball (Abrissbirne) wäre ohne Finanzkrise nicht denkbar gewesen. Der Rockmusiker gestaltete sein jüngstes Album als bittere Anklage gegen die „fat cats“, die fetten Bonzen. „Gambling man rolls the dice, workingman pays the bill/ It’s still fat and easy up on banker’s hill”, heißt es in dem Lied “Shacked and Drawn”: Der Spieler rollt die Würfel, der Arbeiter zahlt den Preis/im Bankenviertel ist’s immer noch locker und feist. Dabei ist der Boss, wie seine Fans ihn nennen, selbst nicht gerade ein armer Mann: Webseiten wie Celebrity Networth schätzen sein Vermögen auf 200 Millionen Dollar. Freilich hat sich Springsteen sein Geld redlich ersungen. Wrecking Ball schoss umgehend an die Spitze der amerikanischen Charts; die begleitenden Welttournee war ein Mega-Event mit 3,5 Millionen Karten. US-Präsident Barack Obama setzte Springsteens Musik gar im Wahlkampf ein.

Kommentare (2)

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Peter_G

14.09.2013, 15:13 Uhr

"Für etliche Autoren, Regisseure und Maler war der Beginn der Bankenkrise eine wahre Inspirationsquelle."

Man muss hinzufügen: In den USA.
In Deutschland gelten ja Finanzkrisen nicht als kulturwürdig (außer vielleicht für ein marxistisches Theaterstück), sie sind einfach zu real. Vielleicht wollen oder können deutsche Autoren auch nicht die Mühe der Recherche auf sich nehmen, zumal in einem Milieu, das ihnen vermutlich fremd ist und das sie vermutlich verachten; vielleicht sind sie sich auch zu schade dafür.

Gut, dass es Übersetzungen gibt.

Account gelöscht!

15.09.2013, 02:17 Uhr

Bankenkrise? Dummenkrise!
Deutsche kaufen Lebensversicherungen, Bausparverträge und sonstige dumme Produkte an die sie sich lebenslang binden ohne Mitspracherecht. So dumm so deutsch.

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