Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

17.07.2015

13:48 Uhr

Für einen Euro

Eurobank will Rivalen Alpha Filialen abkaufen

Für lediglich einen Euro übernimmt die griechische Eurobank Insidern zufolge das bulgarische Filialgeschäft seines Konkurrenten Alpha Bank. Eurobank machte in Bulgarien zuletzt gute Geschäfte.

Die griechische Eurobank übernimmt einem Insider zufolge das bulgarische Filialgeschäft von Konkurrent Alpha Bank. dpa

Ein Euro, bitte

Die griechische Eurobank übernimmt einem Insider zufolge das bulgarische Filialgeschäft von Konkurrent Alpha Bank.

AthenIn Griechenland kommt Bewegung in die angeschlagene Finanzbranche. Die Eurobank wird Insidern zufolge dem Rivalen Alpha Bank dessen defizitäres Filialgeschäft in Bulgarien abkaufen. Wie zwei mit der Situation vertraute Personen am Freitag der Nachrichtenagentur Reuters sagten, wird der Transaktion ein Wert von nur einem Euro zugrundegelegt. Der Deal sollte demnach von den Vorständen beider Banken noch am Freitag abgesegnet werden.

Seit fast drei Wochen haben die griechischen Banken bereits geschlossen, wegen der drohenden Staatspleite wurden zudem Kapitalkontrollen eingeführt. Ohne neue Hilfen dürften die Geldhäuser des Landes kollabieren. Insidern zufolge drohen ihn aber auch nach der von Griechenlands Geldgebern geplanten Kapitalzufuhr Schließungen, Fusionen und der Verkauf von Auslandstöchtern.

Griechenlands Bankenlandschaft

Die wichtigsten Banken

In Griechenland gibt es vier große Geldhäuser - die National Bank of Greece, die Piraeus Bank, die Eurobank und die Alpha Bank. Sie stehen für rund 95 Prozent des Marktes. Ihr Börsenwert liegt zusammengefasst bei 8,6 Milliarden Euro. Das entspricht 21 Prozent der gesamten Marktkapitalisierung an der griechischen Börse. Bank-Aktien haben in Athen seit Jahresbeginn wegen des sich verschärfenden Schuldenstreits mit den internationalen Geldgebern rund die Hälfte ihres Wertes eingebüßt.

Einlagen

Die Einlagen von privaten Haushalten und Unternehmen bei griechischen Banken betrugen Ende Februar 140,5 Milliarden Euro - 12,5 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Allein von Dezember bis Februar wurden Guthaben im Volumen von 25,4 Milliarden Euro abgezogen. Wegen der Abflüsse waren die Geldhäuser gezwungen, verstärkt Notfall-Hilfen (ELA) ihrer heimischen Notenbank und direkte Liquiditätsspritzen der EZB in Anspruch zu nehmen.

Finanzierung durch das Eurosystem

Die Finanzierung griechischer Banken durch die EZB, bei der Sicherheiten verlangt werden, hatte Ende März ein Volumen von 38,67 Milliarden Euro. Die ELA-Hilfen durch die Athener Notenbank summierten sich zudem auf 68,6 Milliarden Euro. Hellas-Banken nutzen diesen Weg verstärkt, seitdem die EZB sie ab Mitte Februar von der direkten Finanzierung ausgeschlossen hat. Die EZB hatte damals eine Sonderregel gekippt, die griechischen Banken bis dahin erlaubte, auch bonitätsschwache Staatsanleihen des Landes als Pfand für frisches Zentralbankgeld zu hinterlegen.

Die Versorgung über ELA-Hilfen der Athener Notenbank ist für Banken teurer als die direkte Finanzierung durch die EZB. Zuletzt hatte die EZB eine Aufstockung des ELA-Rahmens um 1,5 Milliarden auf 75,5 Milliarden Euro genehmigt.

Sicherheiten

Griechische Banken setzen bei der Liquiditätsversorgung als Sicherheiten unter anderem Staatsanleihen, kurzfristige Geldmarktpapiere (sogenannte T-Bills), von der Regierung garantierte Bank-Anleihen und Kredite ein. Die Banken besaßen im Februar solche Pfänder im Umfang von zusammen rund 50 Milliarden Euro. Inzwischen ist dieser Puffer auf rund 40 Milliarden Euro gesunken.

Griechische Staatsanleihen

Hellas-Banken haben rund fünf Milliarden Euro in griechische Staatsanleihen investiert. Das entspricht nur 1,4 Prozent ihrer Bilanzsumme. Darüber hinaus besitzen sie kurzfristige T-Bills im Volumen von rund 3,5 Milliarden Euro. Aktuell wird für bonitätsschwache griechische Papiere, welche die Banken als Pfänder für ELA-Hilfen einsetzen, nach Angaben von Bankern und Analysten aus Sicherheitsgründen ein Wertabschlag (Haircut) von 32 bis 35 Prozent vorgenommen.

In Bulgarien kontrollieren griechische Banken mehr als ein Fünftel des Marktes. Die Eurobank ist dort profitabel und mit der Tochter Postbank aktiv.

Von

rtr

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×