Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

19.07.2017

18:03 Uhr

Funke-Prozess

Englische Wortklauberei

VonChristian Schnell

Im Prozess gegen die beiden ehemaligen HRE-Vorstände Georg Funke und Markus Fell sagte am Mittwoch einer der verantwortlichen Wirtschaftsprüfer von KPMG aus. Am Ende lief es mal wieder für die beiden Angeklagten.

Der ehemalige Chef der Hypo Real Estate AG, Georg Funke (l.), mit seinem Anwalt Wolfgang Kreuzer im Gerichtssaal. AP

Georg Funke

Der ehemalige Chef der Hypo Real Estate AG, Georg Funke (l.), mit seinem Anwalt Wolfgang Kreuzer im Gerichtssaal.

MünchenDas mediale Interesse liegt am Mittwoch eindeutig woanders. Dutzende von Journalisten und Fernsehteams drängen sich im Justizgebäude in Münchens Nymphenburger Straße, geht doch der Prozesse gegen die Rechtsextremistin Beate Zschäpe wohl in die entscheidende Phase. Von Georg Funke und Markus Fell, den beiden ehemaligen Vorständen der vom Staat geretteten Hypo Real Estate (HRE), nimmt an diesem Tag bei Gang durch die Menge kaum jemand Notiz. Der 13. Prozesstag in der Aufarbeitung der Vorgänge bei einst größten europäischen Immobilienfinanzierer soll besonders viel Licht in die Vorgänge vor knapp einem Jahrzehnt bringen.

Knapp zehn Milliarden Euro kostete den Steuerzahler am Ende die Rettung durch den Bund. Seit März wird verhandelt, inzwischen nähert man sich in der Beweisaufnahme auch dem harten Kern der Anklage. Unrichtige Darstellung der Finanzlage in den Geschäftsberichten für 2007 und für das Halbjahr 2008 lauten die beiden Vorwürfe, die aus einer einstigen Vielzahl bis zum Prozessbeginn übrig geblieben waren. Finanzvorstand Markus Fell muss sich zudem gegen den Vorwurf der falschen Darstellung bei einer Investorenkonferenz im Herbst 2008 verantworten.

Dazu hat das Gericht für den Mittwoch einen der einst hauptverantwortlichen Wirtschaftsprüfer der Hypo Real Estate geladen. Weit über fünf Stunden steht Holger Techet von KPMG den drei Richterinnen Rede und Antwort. Hatte die Prüfungsgesellschaft, die zu dieser Zeit mit rund hundert Mitarbeitern beim damaligen Dax-Konzern Hypo Real Estate im Einsatz war und dafür ein Jahreshonorar im mittleren einstelligen Millionenbereich kassierte, tatsächlich die spätere Schieflage schon frühzeitig erkannt und vehement darauf hingewiesen, soll geklärt werden. Akribisch werden die Protokolle aus den Treffen der Prüfer mit Vorstand und Aufsichtsrat in den Wochen im März und im August 2008 durchgekaut.

Wie eine Zeitreise wirken die Ausführungen des Prüfers auf die Zuhörer dazu. Die Kreditportfolios und die Risiken daraus waren einer der Schwerpunkte im Geschäftsbericht für 2007, erklärt Holger Techet. Zudem die Rolle der strukturierten Produkte sowie die Integration des irischen Staatsfinanzierers Depfa. Wurde der mit seiner Bilanzsumme von rund 240 Milliarden Euro kurz vorher erst von der HRE übernommen. Die brachte es lediglich auf 160 Milliarden Euro.

Viel wurde gesprochen damals über die Liquiditätslage, erinnert sich der Prüfer, mussten doch zwischen 50 und 80 Milliarden Euro pro Monat am Markt refinanziert werden. Dass das zunehmend schwieriger werden könnte angesichts der aus den USA in den Rest der Welt ziehenden Subprime-Krise, war eines der Kernthemen zu der Zeit. Zumal prominente europäische Bankenvertreter ab Februar 2008 mit Aussagen in die Öffentlichkeit gingen, dass Probleme auch hier durchaus möglich sein könnten.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×