Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

06.01.2014

15:14 Uhr

Furcht vor Gerichtsverfahren

JP Morgan zahlt Milliardenstrafe für Madoff-Skandal

JP Morgan bekommt offenbar kalte Füße: Um einem Gerichtsverfahren zu entgehen, zahlt die Hausbank des Milliardenbetrügers Bernard Madoff zwei Milliarden Dollar. Dieser hatte Anleger jahrelang abgezockt.

JP Morgan Chase: Madoff hatte über Jahre hinweg mit Hilfe eines komplexen Systems tausende Anleger um geschätzt bis zu 65 Milliarden Dollar geprellt. Reuters

JP Morgan Chase: Madoff hatte über Jahre hinweg mit Hilfe eines komplexen Systems tausende Anleger um geschätzt bis zu 65 Milliarden Dollar geprellt.

New YorkDer US-Großbank JPMorgan Chase steht die nächste Milliardenstrafe ins Haus. Das Institut werde für seine Rolle im Skandal um die Betrügereien des Börsenmaklers Bernhard Madoff mit etwa 2 Milliarden Dollar (1,5 Mrd Euro) zur Kasse gebeten, berichteten das „Wall Street Journal“ und die „New York Times“ in ihren Montagausgaben. Noch in dieser Woche könne ein entsprechender Vergleich mit der New Yorker Staatsanwaltschaft und Aufsichtsbehörden verkündet werden, hieß es unter Berufung auf eingeweihte Personen. Die Beteiligten selbst äußerten sich nicht.

JPMorgan hatte zuletzt mit 13 Milliarden Dollar für fragwürdige Hypothekengeschäfte gebüßt. Bankchef Jamie Dimon hatte angedeutet, dass auch im Fall Madoff eine Einigung bevorstehe. JPMorgan Chase war die Hausbank von Madoffs Investmentfirma; über die Konten liefen ein Großteil der Geschäfte. Die Ermittler werfen dem Institut vor, bei dem Schneeballsystem weggeschaut und gegen Geldwäschegesetze verstoßen zu haben. Ein Gericht hatte Madoff im Juni 2009 zu 150 Jahren Haft verurteilt. Es war der größte Fall von Anlegerbetrug an der Wall Street.

Madoff hatte über Jahrzehnte vermeintliche Traumgewinne von Investoren mit dem frischen Geld neuer Anleger bezahlt. In der Spitze wiesen die Madoff-Konten auf dem Papier einen Wert von 60 Milliarden Dollar aus. Als der Schwindel mitten in der Finanzkrise aufflog, verloren viele Anleger ihre kompletten Ersparnisse. Allerdings hat der Treuhänder der Madoff-Opfer durch Klagen gegen Geschäftspartner einen guten Teil der Verluste wieder hereingeholt. Auch die JPMorgan-Milliarden soll in erster Linie den Opfern zugute kommen, wie die Zeitungen schrieben.

Hohe Geldbußen für Banken

Einleitung

Für manipulierte Zinsen, fragwürdige Beratung bei Krediten oder für zwielichtige Hypotheken-Geschäfte haben schon viele Banken mit hohen Summen büßen müssen. Einige Beispiele für Strafen im Zusammenhang mit Fehlverhalten von Finanzriesen.

Juli 2010

Die US-Investmentbank Goldman Sachs wendet eine Betrugsklage der US-Börsenaufsicht mit Zahlung einer Strafe von 550 Millionen US-Dollar ab. Die Börsenaufsicht SEC beschuldigte Goldman Sachs, Investoren bei einem komplexen Finanzgeschäft unzureichend informiert zu haben, darunter auch die Düsseldorfer Mittelstandsbank IKB.

Mai 2012

Die Deutsche Bank steht für zwielichtige Hypotheken-Geschäfte einer Tochtergesellschaft in den USA gerade. Um eine Klage aus der Welt zu schaffen, zahlen die Frankfurter 202 Millionen US-Dollar. Der Bank drohte eine Strafzahlung und Wiedergutmachung von mehr als eine Milliarde Dollar. Die US-Justiz hatte der Tochter MortgageIT Betrug beim Geschäft mit Hypothekenfinanzierungen vorgeworfen.

Dezember 2012

Die Schweizer Großbank UBS zahlt wegen ihrer Rolle bei der Manipulation des weltweit wichtigsten Referenzzinssatzes Libor Bußen in Höhe von 1,5 Milliarden US-Dollar. Wie die Bank mitteilt, leistete sie entsprechende freiwillige Strafzahlungen an US-, britische und Schweizer Behörden.

Januar 2013

Die Bank of America überweist insgesamt mehr als zehn Milliarden Dollar an den staatlich gestützten Hausfinanzierer Fannie Mae, um Streitigkeiten bei Hypotheken-Deals aus der Welt zu schaffen. In einem anderen Fall müssen das Geldhaus und neun andere Finanzfirmen wie JPMorgan Chase oder die Citigroup mit zusammen 8,5 Milliarden Dollar für fehlerhafte Hauspfändungen geradestehen.

August 2013

Britische Banken müssen wegen falscher Beratung von Kunden erneut Entschädigungen in Milliardenhöhe zahlen. Die Aufsichtsbehörde FCA verdonnerte 13 Institute und Kreditkartenaussteller zu Kompensationsleistungen von insgesamt 1,3 Milliarden Pfund (1,5 Mrd Euro). Zu den bestraften Unternehmen zählen Barclays, HSBC und die Royal Bank of Scotland (RBS).

September 2013

Das Debakel um einen 6,2 Milliarden US-Dollar hohen Spekulationsverlust hat für die größte US-Bank JP Morgan Chase ein teures juristisches Nachspiel. Mehrere Aufsichtsbehörden in den USA und Großbritannien haben nach Angaben der US-Notenbank Fed Strafen über insgesamt rund 920 Millionen Dollar gegen das Institut verhängt.

Oktober 2013

Der Libor-Skandal kostet die niederländische Rabobank 774 Millionen Euro. Es ist die höchste Strafe in der Geschichte der Genossenschaftsbank. Die Bank hatte mit britischen, amerikanischen und niederländischen Behörden einen außergerichtlichen Vergleich getroffen. Drei Viertel der Summe fließen in die USA an das Justizministerium und die Finanzaufsicht CFTC.

November 2013

JP Morgan Chase büßt mit 13 Milliarden Dollar (9,6 Milliarden Euro) für fragwürdige Hypotheken-Geschäfte. Die führende US-Bank hatte sich nach wochenlangem Tauziehen mit dem US-Justizministerium und anderen staatlichen Stellen auf diese Summe geeinigt. Es ist der bisher größte Vergleich mit einem einzelnen Unternehmen in der amerikanischen Geschichte.

Dezember 2013

Im Skandal um Zinsmanipulationen hat die Deutsche Bank von der EU-Kommission die branchenweit höchste Strafe aufgebrummt bekommen. EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia verhängte gegen sechs internationale Großbanken Rekord-Geldbußen von zusammen 1,71 Milliarden Euro. Allein der deutsche Branchenprimus muss im Rahmen des Vergleichs 725 Millionen Euro zahlen.

Dimon will laut „Wall Street Journal“ bis zur Vorlage der 2013er-Bilanz am 14. Januar die Madoff-Sache vom Tisch haben. Der Vergleich wäre der vorerst letzte in einer Reihe von beigelegten Rechtsstreitigkeiten der größten US-Bank. Der Bankchef drückte bei den Aufräumarbeiten zuletzt aufs Tempo. Neben Hypotheken-Deals aus Zeiten der Finanzkrise musste JPMorgan auch für mangelnde interne Kontrollen bei einem Spekulationsdesaster der Londoner Filiale büßen. Insgesamt blätterte die Bank im vergangenen Jahr fast 20 Milliarden Dollar hin, um staatliche Ermittlungen abzuschließen.

Aber selbst diese immense Summe bringt die Bank nicht ins Wanken. Analysten schätzen, dass das Institut im vergangenen Jahr insgesamt noch annähernd 18 Milliarden Dollar verdient hat. Die JPMorgan-Aktie entwickelte sich 2013 besser als der US-Leitindex Dow Jones. In den vergangenen Tagen kletterte der Kurs auf den höchsten Stand seit dem Jahr 2000. Seit Ende 2012 stieg der Börsenwert um rund ein Drittel auf zuletzt rund 240 Milliarden Dollar. JPMorgan ist damit rund fünfmal so teuer wie die Deutsche Bank, die zurzeit ebenfalls versucht, die juristischen Folgen früherer Geschäfte aufzuarbeiten.

Von

dpa

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×