Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

04.01.2010

07:00 Uhr

Fusion

Brüderle entfacht neue Debatte über Landesbanken

VonFrank Matthias Drost

Der Minister fordert, die sieben selbstständigen Landesbanken zu fusionieren. Doch auf Länderebene ist hierzu bislang immer noch kein Wille erkennbar. Mehrere Landesbanken wie die HSH Nordbank, die WestLB oder die BayernLB haben in der Finanzmarktkrise hohe Verluste geschrieben und sind noch stark mit der Vergangenheitsbewältigung beschäftigt.

Wirtschaftsminister Rainer Brüderle drängt auf ein Zusammenrücken der sieben Landesbanken. ap

Wirtschaftsminister Rainer Brüderle drängt auf ein Zusammenrücken der sieben Landesbanken.

Berlin. Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) hat die Debatte über die Zukunft der Landesbanken neu entfacht. In einem Gespräch mit dem "Tagesspiegel" fordert der liberale Minister radikale Schritte für eine Neuordnung. "Aus meiner Sicht würde eine Landesbank völlig ausreichen", sagte Brüderle der Zeitung.

Damit nimmt Brüderle den Ball des ehemaligen Bundesfinanzministers Peer Steinbrück (SPD) auf, der in der abgelaufenen Legislaturperiode vergeblich für ein Zusammenrücken der noch sieben selbstständigen Landesbanken trommelte. Auch jetzt stehen die Zeichen nicht günstig, zumal mehrere Landesbanken wie die HSH Nordbank, die WestLB, die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) und die BayernLB in der Finanzmarktkrise hohe Verluste geschrieben haben und noch stark mit der Vergangenheitsbewältigung beschäftigt sind.

So geht die Staatsanwaltschaft München dem Vorwurf nach, dass die BayernLB für die österreichische Hypo Group Alpe Adria (HGAA) einen überhöhten Kaufpreis entrichtet hat. Der Kärntner Landtagsabgeordnete Rolf Holub (Grüne) hat indes Strafanzeige wegen des Verdachts der Untreue, des Amtsmissbrauchs und des Betrugs beim Obersten Gerichtshof in Wien erstattet, berichteten Medien. Kärntner Politiker könnten sich womöglich persönlich am Kauf der HGAA-Mehrheit bereichert haben, hieß es. Andere Berichte verwiesen darauf, dass vermögende Familien aus Deutschland und Österreich von dem Erwerb der HGAA durch die BayernLB profitiert haben könnten. Sie seien bei der HGAA kurzfristig eingestiegen und hätten ihre Anteile dann mit hohem Gewinn an die BayernLB verkauft. Auch wird dem Vorwurf nachgegangen, dass Parteispenden von Deutschland nach Kärnten geflossen sein sollen.

Bei der BayernLB selbst hat das Engagement tiefe Spuren hinterlassen. Die Landesbank unter der damaligen Ägide von Werner Schmidt erwarb das Institut vor zweieinhalb Jahren für 1,7 Mrd. Euro. Die Belastungen belaufen sich nach der Verstaatlichung der HGAA auf 3,75 Mrd. Euro.

Lehrgeld hat auch die NordLB mit ihrem Joint Venture DnB Nord gezahlt. Die anteiligen Verluste des im Baltikum aktiven Gemeinschaftsunternehmens haben mittlerweile einen dreistelligen Millionenbetrag erreicht. Der norwegische Joint-Venture-Partner DnB Nor will jetzt eine Evaluierung der gemeinsamen Tochter vornehmen. An deren Ende könnte die vollständige Übernahme durch die DnB Nor stehen, die derzeit 51 Prozent der Anteile hält. Die Frist endet im Juli. "Die NordLB ist nach wie vor bereit, das Joint Venture gemeinsam mit der DnB Nor durch die wirtschaftlich schwierige Zeit im Baltikum zu begleiten und sich auch an der Stärkung der Kapitalausstattung der DnB Nord zu beteiligen - allerdings nicht zu allen Bedingungen", erklärt NordLB-Chef Gunter Dunkel.

Die NordLB ist bislang ähnlich wie die Landesbank Hessen-Thüringen und die Landesbank Berlin relativ glimpflich durch die Krise gekommen. Aus Sicht Dunkels würden Fusionen unter Landesbanken keinen Sinn ergeben. Das sieht das Sparkassenlager zwar anders. Doch die Sparkassen als Anteilseigner der Landesbanken können sich gegen die Länderinteressen nicht durchsetzen. Gegen eine Landesbankenkonsolidierung spricht auch der desolate Zustand mehrerer Institute. Eine Bewertung würde zu inakzeptablen Verkaufspreisen führen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×