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24.03.2017

10:40 Uhr

Fusion vor dem Aus

Deutsche Börse tritt auf Kostenbremse

Das erwartete Scheitern der Fusion mit der London Stock Exchange zwingt die Deutsche Börse zum Sparen. Es werde Kürzungen in zweistelliger Millionenhöhe und ein Einstellungsstopp geben, heißt es aus Finanzkreisen.

Der Chef der Deutschen Börse wird seinen Mitarbeitern unangenehme Nachrichten überbringen müssen: Kosteneinsparungen und ein Einstellungsstopp sollen auf die gescheiterte LSE-Fusion folgen. dpa

Carsten Kengeter

Der Chef der Deutschen Börse wird seinen Mitarbeitern unangenehme Nachrichten überbringen müssen: Kosteneinsparungen und ein Einstellungsstopp sollen auf die gescheiterte LSE-Fusion folgen.

Frankfurt/MainDie Deutsche Börse tritt wegen des erwarteten Scheiterns ihrer Fusion mit der Londoner LSE und sinkender Umsätze auf die Kostenbremse. In Finanzkreisen wurden am Freitag Informationen der „Süddeutschen Zeitung“ in der Freitagsausgabe bestätigt, wonach der Konzern kurzfristig Einsparungen „in mindestens zweistelliger Millionenhöhe“ plant. Zudem gelte zunächst ein Einstellungsstopp für fast alle Bereiche. Der angestrebte Zusammenschluss mit der London Stock Exchange (LSE) gilt als gescheitert, seit London sich weigert, weitere Auflagen der Brüsseler Wettbewerbshüter zu erfüllen.

Diese Fusionspläne der Deutschen Börse sind gescheitert

17. Juli 2000

Die Deutsche Börse präsentiert einen Plan für die Gründung de iX international exchange zusammen mit der Londoner LSE. Die beiden Partner hoffen, mit der paneuropäischen Handelsplattform weitere Börsenbetreiber mit ins Boot zu holen. Das Projekt scheitert allerdings an mangelnder Unterstützung.

Sommer 2003

Der damalige Chef der Deutschen Börse, Werner Seifert, trifft sich mit Euronext-Chef Francois Theodore. Die Gespräche über eine Fusion werden allerdings beendet, nachdem sich beide Seiten nicht über die Bewertung ihrer Häuser einig werden.

Frühling 2004

Seifert und Theodore nehmen ein weiteres Mal Kontakt auf. Ein Zwist über die Besetzung der Führungspositionen lässt sie abermals ergebnislos auseinandergehen.

August 2004

Die Schweizer Börse SWX lehnt Pläne der Deutschen Börse für eine Fusion, faktisch eine Übernahme, ab.

13. Dezember 2004

Die Deutsche Börse veröffentlicht ein Übernahmeangebot für die LSE über knapp zwei Milliarden Euro, das 2005 am Widerstand des Hedgefonds und Deutsche-Börse-Aktionärs TCI scheitert.

21. Februar 2006

Der neue Börsenchef Reto Francioni legt ein vorläufiges Fusionsangebot für die Pariser Euronext vor und facht damit ein Konsolidierungsfieber in der Branche an.

19. Mai 2006

Die Deutsche Börse dient Euronext-Chef Theodore die Führung eines vereinten Unternehmens an, besteht allerdings auf Frankfurt als Hauptsitz. Auch der Großteil des Managements sollte am Main angesiedelt sein.

Juni 2006

Die Deutsche Börse unterbreitet der Euronext einen überarbeiteten Fusionsvorschlag. Die Frankfurter geben in der Hauptquartiersfrage nach, doch der Vorstoß kommt zu spät: Die Euronext schließt sich mit der NYSE zusammen.

Dezember 2008

Deutsche Börse und NYSE Euronext loten eine Fusion aus. Die Pläne werden vorzeitig bekannt und scheitern.

April 2011

Die Börse wagt einen weiteren Versuch, mit der Nyse Euronext als Partner eine neue Größenordnung zu erreichen. Die US-Börsen Nasdaq OMX und ICE wollen die Fusion mit einer Gegenofferte für die Nyse torpedieren.

Februar 2012

Der Traum Francionis platzt erneut. Die EU-Kommission untersagt die Milliardenfusion mit der Nyse Euronext aus schwerwiegenden wettbewerbsrechtlichen Bedenken. Die EU fürchtet vor allem ein weltweites Monopol im Handel mit europäischen Finanzderivaten.

Februar 2016

Die Deutsche Börse und die Londoner Börse machen nach Marktgerüchten Pläne für einen Zusammenschluss öffentlich.

März 2016

Die Deutsche Börse und die London Stock Exchange (LSE) sind handelseinig und streben eine Fusion auf Augenhöhe an.

März 2017

Die EU-Kommission untersagt den milliardenschweren Deal, weil er auf dem Markt zur Abwicklung festverzinslicher Finanzinstrumente „ein De-Facto-Monopol“ geschaffen hätte.

Insidern zufolge wird der geplante Zusammenschluss der beiden Börsenbetreibern in den nächsten Tagen endgültig abgeblasen. Die EU-Kommission will die gut 25 Milliarden Euro schwere Fusion in Kürze untersagen, wie vier mit dem Vorgang vertraute Personen am Mittwoch der Nachrichtenagentur Reuters sagten. Die Verkündung der Entscheidung sei nur noch eine Frage von Tagen.

LSE und Deutsche Börse: EU-Kommission unmittelbar vor Verbot von Börsenfusion

LSE und Deutsche Börse

EU-Kommission unmittelbar vor Verbot von Börsenfusion

Zum wiederholten Male droht eine geplante Fusion zwischen Deutscher Börse und der London Stock Exchange (LSE) zu scheitern. Die EU-Kommission steht einem Bericht zufolge kurz davor, ein Verbot zu verkünden.

Deutsche-Börse-Chef Carsten Kengeter hatte sich zuvor wenig hoffnungsvoll gezeigt. „Wir müssen schon sehen, dass mit den letzten Entwicklungen diese Transaktion in ein sehr schweres Fahrwasser geraten ist“, sagte er am Dienstag auf einer Konferenz in Frankfurt. Er sei zwar nach wie vor davon überzeugt, dass der Zusammenschluss sinnvoll sei. Denn nur mit einer bestimmten Größe könne die Deutsche Börse auf den komplexen Märkten ihre Position dauerhaft behaupten. Aber, so fuhr Kengeter fort: „Wir müssen der Realität ins Auge sehen.“

Von

dpa

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

24.03.2017, 10:54 Uhr

Soso...wenn die Fusion also mit der Londoner Stock Exchange zustande gekommen wäre, dann hätte die Deutsche Börse also nicht auf die Kostenbremse treten müssen und auf Kosten der Londoner Börse ihr kostenexpoldiertes Leben weitergeführt....?
Da hatte die Londoner Börse nochmal glück gehabt, das der Brexit dazwischen gekommen ist.

Herr Hans Klahrin

24.03.2017, 12:34 Uhr

Und wer leidet letztlich unter diesem Politikum LSE und Frankfurter Börse? Die x Angestellten, die ihren Job verlieren müssen, damit die Gewinne trotzdem weiter steigen können.
Oder übt sich der Vorstand beim Scheitern auch in Bescheidenheit und Gehaltszurückhaltung?

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