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01.01.2005

07:41 Uhr

Fusionen und Übernahmen sowie Börsengänge sollen anspringen

Investmentbanker setzen ihre Hoffnungen auf 2005

VonA. Cünnen (R. Landgraf, M. Maisch, Handelsblatt)

Im neuen Jahr soll alles besser werden: Nachdem die Bereiche Fusionen und Übernahmen (M&A) sowie Börsengänge zuletzt in Deutschland enttäuschten, zeigen die Investmentbanker wieder Optimismus.

HB FRANKFURT. Deutsche Unternehmen gingen aktiver und mutiger an diese Themen heran als in der Vergangenheit, urteilt Hendrik Hilgert von der Citigroup. Allerdings werde der Markt für Übernahmen nicht „explodieren“. Eine Kombination aus hoher Liquidität, niedrigen Finanzierungskosten und einem günstigen Dollar solle die „Expansionsphantasie deutscher Unternehmen wieder anregen“, sagt Matthias Mosler von Merrill Lynch. Dividendenausschüttungen könnten für die jetzige Lage das passende Instrument sein; dauerhaft würden sie die Aktionäre nicht zufrieden stellen, lautet seine Begründung.

Stephan Leithner von der Deutschen Bank verweist darauf, dass gerade die großen deutschen Unternehmen in den vergangenen Monaten ihre Verschuldung deutlich abgebaut haben. Ein Teil des entstandenen Spielraums werde für Übernahmen genutzt, vor allem auf europäischer Ebene. Leithner rechnet hauptsächlich mit kleinen und mittleren Zukäufen, die mit Barmitteln bezahlt werden, weniger mit Megadeals auf der Basis von Aktientransaktionen. Darüber hinaus erwartet er, dass auch der gehobene Mittelstand das Instrument M&A stärker für sich entdecken wird. Außerdem seien deutsche Unternehmen noch immer damit beschäftigt, ihre Portfolios zu bereinigen. Als Käufer für abgespaltene Firmenteile kommen für Hermann Prelle von UBS auch weiterhin vor allem Finanzinvestoren in Frage, die bereits 2004 sehr aktiv waren.

Bereits im ersten Quartal erwarten Investmentbanker einige größere Deals im Volumen von bis zu fünf Milliarden Euro. Dazu gehören die geplanten Verkäufe der Immobilientochter Viterra durch den Energieriesen Eon, des Reisevertriebssystems Amadeus, an dem unter anderem Lufthansa beteiligt ist und des Kunststoffunternehmens Basell durch BASF und Shell.

Bei deutschen Börsengängen (IPOs) scheiden sich hingegen die Geister. Während UBS durchaus 20 bis 30 Emissionen für möglich hält, ist beispielsweise Goldman Sachs mit der Prognose von rund einem Dutzend vorsichtiger. Zu den großen Kandidaten zählen der Springer Fachverlag, MTU, Premiere, Talanx, Cognis und Arcor. „Zwar befinden sich in den Portfolios der großen Beteiligungsgesellschaften eine ganze Reihe börsenreifer Kandidaten, doch 2004 hat gezeigt, dass der Verkauf dieser Beteiligungen oft attraktiver ist als der Gang an die Börse“, sagt Hilgert von der Citigroup.

Für Anleihen nicht euphorisch

Das liegt nach Ansicht von Mosler von Merrill Lynch vor allem an den Kandidaten: „Dass die Preisvorstellungen der Käufer so hartnäckig ignoriert werden, ist der wesentliche Grund dafür, dass viele IPOs ausbleiben.“ In Deutschland würden große Vermögensverwalter oft als böse Buben oder Spekulanten angesehen, dabei nähmen sie nur die Interessen der Kleinanleger wahr. In den USA und Großbritannien genössen Großanleger traditionell ein besseres Ansehen. Deshalb laufe dort auch das Emissionsgeschäft besser.

Für Anleihen stimmt der Ausblick die Investmentbanker nicht euphorisch. Sie schätzen, dass insgesamt ähnlich viele Bonds wie im abgelaufenen Jahr an den Markt kommen werden. 2004 platzierten Staaten, supranationale Institutionen, Finanzhäuser und Unternehmen in Europa Anleihen über etwa 1,9 Billionen Dollar und damit etwas mehr als im Vorjahr. Bei neuen Unternehmensanleihen, die auf Grund höherer Gebühren für die Investmentbanker attraktiv sind, herrschte dagegen eine relative Flaute.

Die meisten Banker erwarten, dass sich die Firmen auch 2005 zurückhalten werden. „Aufsehen erregende Mega-Emissionen sind nur vereinzelt zu erwarten, es sei denn, die Aktivitäten bei Fusionen und Übernahmen springen deutlich an“, sagt Chris Tuffey von Credit Suisse First Boston. Einen größeren Deal erwartet er zum Beispiel von der Deutschen Telekom, die 2004 nichts emittierte. Der Konzern will aber im nächsten Jahr einen Teil der auslaufenden Bonds über rund neun Milliarden Euro am Anleihemarkt refinanzieren.

Insgesamt würden Unternehmen aber wohl eher opportunistisch attraktive Emissionschancen nutzen, erwartet Tuffey. Bei Banken rechnet er mit etwas weniger Emissionen. Große Aktivität sieht er dagegen bei staatlichen Institutionen und Staaten. So hat die KfW-Bankengruppe für 2005 einen Refinanzierungsbedarf von bis zu 55 Milliarden Euro angekündigt. Mit Spannung werden die möglichen ersten an Dollar und die Inflationsrate gekoppelten Anleihen aus Deutschland erwartet. Das Volumen dürfte bei je zehn bis zwölf Milliarden Euro liegen. Anders als herkömmliche Bundesanleihen werden die neuen Bonds nach Aussagen der für die Refinanzierung des Bundes zuständigen Finanzagentur über Bankenkonsortien platziert.

Lesen Sie Ausblicke auf das Jahr 2005 in der großen Handelsblatt.com-Jahreschronik: >>> weiter...

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