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28.01.2005

08:16 Uhr

Fusionsdruck in Baden-Württemberg lässt nach

Sparkassen kämpfen um Kunden im Mittelstand

Die öffentlich-rechtlichen Sparkassen und die Landesbanken spüren die Rückbesinnung der privaten Großbanken auf Mittelständler. „Bei ausgewählten Adressen findet ein Margenkampf statt, dort wird mit Kampfpreisen in den Markt gegangen“, sagte gestern der baden-württembergische Sparkassenpräsident Heinrich Haasis in Stuttgart. Die privaten Banken hätten sich vor Jahren aus dem breiten Mittelstandsgeschäft verabschiedet und versuchten jetzt, die Rosinen zu picken. Die Sparkassen blieben aber auch in Zukunft der mit Abstand stärkste Finanzierer der kleinen und mittelgroßen Firmen.

pk STUTTGART. Der Präsident der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), Jochen Sanio, hatte erst vor kurzem auf den „desaströsen“ Konditionenwettbewerb im Kreditgeschäft hingewiesen. Die deutschen Banken sammelten Kredite ein, die „wenig nahrhaft“ seien und die ihnen am Ende nicht bekommen könnten.

Trotz des harten Wettbewerbs und der nach wie vor flauen Konjunktur konnten die Sparkassen in Baden-Württemberg im vergangenen Jahr die Kreditvergabe an Unternehmen leicht um 0,3 Prozent auf einen Bestand von 37,5 Mrd. Euro ausweiten.

Haasis wandte sich gegen die Forderung von Politikern aus der CDU und FDP, die Sparkassen für privates Kapital zu öffnen, um so ihre Eigenkapitalausstattung nach dem Wegfall der staatlichen Ausfallgarantien im Juli dieses Jahres zu stärken. „Die Politik liegt hier falsch. Wir haben keinen Eigenkapitalbedarf“, erklärte Haasis. Es werde nur ein Vorwand gesucht, um den öffentlich-rechtlichen Finanzverbund aufzubrechen. Im Südwesten der Republik hätten die Sparkassen im vergangenen Jahr die Kernkapitalquote aus eigener Kraft von 6,9 auf 7,3 Prozent gesteigert, die aufsichtsrechtliche Mindestanforderung beträgt vier Prozent.

Der schleswig-holsteinische FDP-Spitzenkandidat für die Landtagswahl am 20. Februar, Wolfgang Kubicki, hat sich für eine Öffnung der Sparkassen und eine Umwandlung in Aktiengesellschaften stark gemacht. Auch die dortige CDU plädiert für eine Änderung des Sparkassengesetzes in Schleswig-Holstein.

Der Fusionsdruck unter den Sparkassen hat laut Haasis nachgelassen, in diesem Jahr werde es keinen Zusammenschluss unter den verbliebenen 56 Instituten geben. Ende 2000 hatte es noch 73 Sparkassen in Baden-Württemberg gegeben. Die Ertragslage habe sich verbessert, mit 1,09 Prozent der Durchschnittsbilanzsumme oder 1,6 Mrd. Euro habe man das beste Betriebsergebnis vor Bewertung seit sechs Jahren erreicht. Bedarf für einen regionalen Sicherungsfonds – wie er etwa in Hessen-Thüringen existiert – sieht Haasis derzeit nicht. Die bundesweite Absicherung sei mit 4,2 Mrd. Euro ausreichend, das Thema regionaler Zusatzfonds werde man unter Rating-Aspekten aber weiter beobachten.

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