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09.01.2012

09:33 Uhr

Fusionsgespräche

Genossenschaftsbanken wollen IT zusammenlegen

ExklusivFusionsgespräche zwischen den beiden IT-Dienstleistern der deutschen Volks- und Raiffeisenbanken waren im September gescheitert. Doch der Druck der Eigentümer zeigt Wirkung - jetzt unternehmen sie einen neuen Anlauf.

Die DZ Bank, eines der genossenschaftlichen Spitzeninstitute: Die IT-Dienstleister der Volks- und Raiffeisenbanken wollen fusionieren. dpa

Die DZ Bank, eines der genossenschaftlichen Spitzeninstitute: Die IT-Dienstleister der Volks- und Raiffeisenbanken wollen fusionieren.

FrankfurtDiesmal währte die Eiszeit nur kurz: Die Rechenzentralen der Volks- und Raiffeisenbanken, Fiducia und GAD, verhandeln wieder über eine Fusion. Das erfuhr das Handelsblatt aus Verhandlungskreisen. Dabei hatten beide Seiten die Gespräche erst im September für gescheitert erklärt. Nun die Rolle rückwärts: „Wir sind zuversichtlich, dass die Verhandlungen auf der heutigen Basis zu einem zügigen und erfolgreichen Abschluss gebracht werden können“, schrieb die Fiducia am 23. Dezember in einer Vertriebsinformation an ihre Kunden.

Geschuldet ist die Kehrtwende dem immensen Druck der Eigentümer beider Gesellschaften, also der über 1100 Volks- und Raiffeisenbanken. Deren Unmut bekamen Fiducia-Chef Michael Krings und GAD-Chef Anno Lederer im November zu hören, als sie vor den Verbandsrat zitiert wurden, einem der wichtigsten Gremien des Finanzverbunds. Die explizite Botschaft lautete: „Redet weiter! Scheitern verboten.“ Die implizite Drohung: Andernfalls rollen Köpfe. „Sie haben den heißen Atem der Organisation gespürt“, sagte DZ-Bank-Chef Wolfgang Kirsch der „Börsen-Zeitung“. „Man kann ein Unternehmen nicht auf Dauer gegen die Gesellschafter führen. Das haben die Verantwortlichen erkannt“, erklärte ein Verbandsrat dem Handelsblatt.

Neidisch auf die Sparkassen

Denn die Volksbanken wollen ihre IT-Kosten senken. Eine Fusion könnte die jährlichen IT-Kosten um 125 Millionen Euro drücken. Im genossenschaftlichen Finanzverbund kursieren Studien, wonach die Sparkassen, die seit 2011 ein einheitliches System nutzen, ihre IT-Dienstleistungen viel billiger beziehen. „Auf vergleichbarer Basis liegen die IT-Kosten etwa um 40 Prozent niedriger – und diese Schere öffnet sich jedes Jahr weiter“, so ein Vorstand.

Nun wird also mit Hochdruck dort weiterverhandelt, wo die Gespräche im September endeten. Denn bereits im Juni sollen die Eigentümer auf ihren Haupt- und Vertreterversammlungen über die Fusion abstimmen können. In vielen Punkten herrscht längst Einigkeit. So soll die Basis für das gemeinsame IT-System das Bankensystem „agree“ der Fiducia sein. Man wird es aber um zentrale Funktionen des GAD-Systems „Bank21“ anreichern, die die Fiducia bisher nicht hatte.

Die Entscheidung für die Fiducia-Plattform fiel vor allem, weil immerhin etwa 700 Genossenschaftsbanken sie nutzen, während es bei der GAD nur etwa 400 Institute sind. Als leistungsfähig gelten beide Systeme. Für das gemeinsame IT-System soll es dann auch einen neuen Namen geben. Für die Umstellungskosten, die damit auf die GAD-Banken zurollen, soll es in irgendeiner Form einen Lastenausgleich geben.

Kommentare (6)

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geno_realo

10.01.2012, 08:57 Uhr

DZ Bankchef Kirsch sollte sich lieber seines Kommentares zu den Fusionbemühungen enthalten. Bietet er selbst doch ein schlechtes Beispiel, wenn man das Gezeter selbst in Fachkreisen um die Fusion der WGZ Bank mit seiner DZ Bank betrachtet. Kirsch hat mit seinen Milliardenverlusten seiner DZ Bank in der Vergangenheit genug Unruhe bei den Genossenschaftsbanken gestiftet die "seine" DZ Bank bereits mehrfach vor der Pleite gerettet haben. Kirsch ist daher ein schlechter Ratgeber und kann mit seinen denkbar klugen Kommentaren zur IT Fusion wenig beitragen. Er möge doch lieber vor seiner eigenen Haustür den Dreck kehren, den er mit den millionenschweren Bereicherungsmodellen um die Pleite der DG Fonds angerichtet hat. Die betroffenen Kunden/Mitglieder von Volksbanken und Raiffeisenbanken verlangen seit Jahren Entschädigung für die über ca. 500 Millionen Euro Anlegergelder, die in genossenschaftlichen Kanälen so "einfach verschwunden" sind.

Bankgenosse

10.01.2012, 10:12 Uhr

Bei den Genossenschaftlichen Banken ist nicht mehr viel zu retten. Zu viele Fehler wurden in den letzten 2 Jahrzehnten gemacht. Diese Fehler rächen sich jetzt. Und da helfen Fusionen so wenig wie der Rat des Herrn Kirsch. Er hat kaum einen Kollegen, der sich mit seinen Pronosen so oft geirrt hat und so viele Fehlgriffe getätigt hat wie er. Wer auf ihn hört, dürfte daher eher schlecht beraten sein.

auchBankgenosse

10.01.2012, 11:26 Uhr

125 Mio einsparen? Ich will nicht wissen, wieviel Geld sinnlos und spurlos in dieser Fusion versenkt wird. Wenn diese 125 Mio jemals erreicht werden, dann verteilen die sich bestimmt zu 40% auf die Cheffetagen und 60% auf ALLE Genossenschaften... rechne jeder selber aus, wie lange er da sparen will um den BEP zu erreichen.

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