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03.10.2016

15:10 Uhr

Gabriel kritisiert Deutsche Bank

„Die Bank, die Spekulantentum zum Geschäftsmodell machte“

VonKlaus Stratmann, Dietmar Neuerer, Michael Maisch

Deutschlands größtes Geldhaus kommt nicht zur Ruhe. Forderungen aus den USA, Probleme mit der Technik, ein fallender Aktienkurs und politischer Gegenwind. Wenigstens in der Union hat die Bank noch Freunde, die ihr helfen.

Die Verhandlungen über eine US-Strafe sind für die Bank extrem wichtig. AP

Deutsche Bank in Frankfurt

Die Verhandlungen über eine US-Strafe sind für die Bank extrem wichtig.

Teheran, FrankfurtBundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel hat die angeschlagene Deutsche Bank kritisiert. „Ich wusste nicht, ob ich lachen oder wütend sein soll, dass die Bank, die das Spekulantentum zum Geschäftsmodell gemacht hat, sich jetzt zum Opfer von Spekulanten erklärt“, sagte der SPD-Chef und Vizekanzler am Sonntag während seiner Reise in den Iran. „Ich mache mir Sorgen um die Menschen, die bei der Deutschen Bank beschäftigt sind.“

Hintergrund sind Äußerungen von Deutsche-Bank-Chef John Cryan, der Spekulanten für den Absturz des Börsenkurses verantwortlich gemacht hat, die das Vertrauen in das Institut schwächen wollten.

Der Obmann der Unions-Fraktion im Finanzausschuss des Bundestages, Hans Michelbach (CSU), hat die Kritik von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) an der Deutschen Bank als "ziemlich kontraproduktiv" zurückgewiesen.

"Als deutscher Wirtschaftsminister hat man die Aufgabe den deutschen Wirtschaftsstandort zu fördern und nicht einzelne Marktteilnehmer schlecht zu reden", sagte Michelbach dem Handelsblatt. Deutschland brauche die Deutsche Bank, um als Exportnation seiner wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit gerecht zu werden. "Deshalb ist es unverständlich, dass sich Herr Gabriel zu solchen Äußerungen hinreißen lässt."

Auch der wirtschaftspolitischer Sprecher der Unions-Bundestagsfraktion, Joachim Pfeiffer (CDU), kritisierte Gabriels Aussage als "wenig hilfreich". Gabriel sei nicht nur SPD-Vorsitzender, sondern vor allem auch Wirtschaftsminister, sagte Pfeiffer dem Handelsblatt.

In dieser Funktion erwarte er, dass Gabriel die Bedeutung der Deutschen Bank für die deutsche Wirtschaft im Blick behalte. "Deutschland benötigt das Institut, besser sogar zwei, zur Begleitung und Entwicklung bei und für Auslandsengagements der deutschen Wirtschaft", betonte der CDU-Politiker. Er mache sich daher nicht nur wie Gabriel Sorgen um die Mitarbeiter der Deutschen Bank, sondern auch um die deutsche Wirtschaft.

Die Folgen der Niedrigzinsen und die immer strengeren Regeln der Aufsichtsbehörden lasten schwer auf den Geschäften der Großbank. Auslöser für die große Nervosität der vergangenen Tage ist die Drohung der US-Justiz, der Bank für Vergehen mit Hypothekenpapieren eine Strafe von 14 Milliarden US-Dollar aufzubrummen. Die Bank hat für Rechtsstreitigkeiten aber nur rund 5,5 Milliarden Euro zurückgestellt.

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