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18.01.2011

13:12 Uhr

Garantiezins-Senkung

Verbraucherschützer gegen Versicherer

VonThomas Schmitt

Im Streit mit den Lebensversicherern um den neuen Garantiezins findet das Finanzministerium neue Helfer. Sie befürworten den Vorschlag, den Garantiezins für neue Verträge zu senken. Bei dem Konflikt geht es jedoch auch um grundsätzliche Fragen.

Der Garantiezins spielt eine wichtige Rolle. Quelle: gms

Der Garantiezins spielt eine wichtige Rolle.

FRANKFURT. Der Verbraucherzentrale Bundesverband, der Bund der Versicherten und der in der Branche bekannte Mathematiker Axel Kleinlein befürworten den Vorschlag, den Garantiezins für neue Verträge zu senken: von derzeit 2,25 auf 1,75 Prozent. Der Branchenverband GDV, die Vereinigung der Versicherungsmathematiker (Aktuare) und die Arbeitsgemeinschaft für betriebliche Altersversorgung lehnen dies dagegen ab.

In dem Streit geht es nicht nur um eine winzig erscheinende Differenz von 0,25 Prozentpunkten, sondern auch um grundsätzliche Fragen: Wie reagieren die Lebensversicherer mit ihren Produkten auf die Krise? Wie gehen sie mit den vermutlich steigenden Kapitalanforderungen ab 2013 um? Wie groß sind die Gefahren einer langen Niedrigzinsphase oder eines starken Anstiegs der Inflation?

Für eine deutlichere Absenkung des Garantiezinses sind in dieser Debatte eher Organisationen, die das Interesse der Kunden höher halten, während die Gegner den Unternehmen näher sind. Am deutlichsten wehrt sich der Branchenverband GDV gegen den Vorschlag des Finanzministeriums.

Es sollten "keine überbordenden Schlussfolgerungen" gezogen werden, schreibt der GDV in seiner Stellungnahme. Angesichts der aktuellen Zinsentwicklung sei allenfalls ein Garantiezins von zwei Prozent "angemessen". Diesen aber gleich von 2,25 auf 1,75 Prozent zu senken, sei "übervorsichtig", weil dies nach den bisher geltenden Berechnungsmethoden erst 2018 nötig werde.

Die Verbraucherzentrale Bundesverband erklärt dagegen: "Die Absenkung auf 1,75 Prozent ist rechnerisch nachvollziehbar und verschafft den Versicherungsunternehmen in der Niedrigzinsphase den notwendigen Puffer." Der Bund der Versicherten nennt dies die "bessere Lösung", weil die Versicherer sich sonst womöglich bei der Kalkulation der Tarife überforderten. Zwar könnten die Versicherer einen niedrigeren Garantiezins anbieten, doch passiere dies oft aus Wettbewerbsgründen nicht.

Kommentare (5)

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Cui bono

18.01.2011, 17:24 Uhr

Da kann man sich noch so heftig an der Politik reiben - es wird nicht helfen - die KapitalLV ist ein auslaufendes Modell in Deutschland.

Teuer, intransparent und unflexibel - da hilft auch nicht dass man dem zukünftigen brötchengeber Versicherungswirtschaft ständig Steuervorteile angedeihen lässt.

Es ist und bleibt ein legalisiertes Schneeballsystem !

Jürgen Gerdes

19.01.2011, 09:43 Uhr

Je höher der Rechnungszins, desto höher die Versicherungs-
summe, desto höher der Verdienst des Vertriebes. Ein Schelm der sich böses dabei denkt.

Jürgen Gerdes, bad Camberg

Bernd Golm

20.01.2011, 19:49 Uhr

Hallo Herr Schmitt,

2,25 % minus 1,75 % sind bei mir 0,50 Prozentpunkte.
Lässt das auf die Qualität des ganzen Artikels schlissen?

Mit freundlichen Grüßen
bernd Golm

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