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08.02.2012

10:38 Uhr

Gastbeitrag

Liebesentzug am Bankschalter

VonOliver Mihm

Geldhäuser sind keine Telefonzellen: Trotz kostengünstiger Direktbanken ist vielen Kunden eine Filiale in der Nähe nach wie vor sehr wichtig. Und doch erleben Genossenschaftsbanken und Sparkassen eine Zeitenwende. Ein Gastbeitrag von Oliver Mihm, Vorstandsvorsitzender von Investors Marketing Management Consulting.

Ein Kundenberater der Sparkasse und ein Kunde geben sich nach einem Vertragabschluss die Hand. dpa

Ein Kundenberater der Sparkasse und ein Kunde geben sich nach einem Vertragabschluss die Hand.

FrankfurtEine Sparkasse ohne Filiale? Das ist kaum vorstellbar und wird derzeit auch nicht ernsthaft diskutiert. Dennoch stehen viele Institute vor der Frage, wie sie ihr Filialgeschäft auf Dauer profitabel betreiben und die Präsenz in der Fläche erhalten können, ohne Marktanteile zu verlieren. Die Herausforderung der optimalen Flächenstruktur ist für den stark filialzentrierten Geschäftsansatz der Sparkassen von besonderer Bedeutung, denn mit über 13.000 Filialen sind sie führend im Markt.

Betrachtet man die Entwicklung über alle Bankengruppen hinweg, so sind von rund 57.000 Filialen im Jahr 2000 heute nur noch 38.000 übrig. Rund 40 Prozent der Filialschließungen entfielen auf Sparkassen und Genossenschaften und gingen einher mit einer rückläufigen Zahl der Institute in den beiden Verbünden. Aber auch die Postbank hat die Zahl der Filialen um rund 8000 reduziert.

Berücksichtigt man, dass viele Filialen aus strukturellen Gründen – etwa bei der Bereinigung von überschneidenden Marktgebieten – geschlossen wurden, fällt der Rückgang trotz des veränderten Kundenverhaltens und des zunehmenden Kostendrucks im Markt eher moderat aus.

Bisher hat sich die einst von einem Direktbank-Vorstand aufgestellte These: „Bankfilialen sind wie Telefonzellen im Handy-Zeitalter – sie werden immer überflüssiger“ jedenfalls nicht bestätigt. Die Diskussion um die Zukunft der Filiale bedarf daher einer umfassenderen Würdigung und muss zunächst die Frage beantworten: Welche Funktionen hat die Filiale heute und in Zukunft? Für wen sind diese Leistungen wichtig?

Die zehn größten Sparkassen in Deutschland

Die Sparkasse Bremen AG

Mit einer Bilanzsumme von 10,8 Milliarden Euro (2010) ist die Sparkasse Bremen die zehntgrößte Sparkasse in Deutschland. In dem kleinen Bundesland arbeiten 1.580 Menschen bei der Sparkasse.

Ostsächsische Sparkasse Dresden

Die Sparkasse in der sächsischen Landeshauptstadt kam im Jahr 2010 auf eine Bilanzsumme von 11,4 Milliarden Euro. Bei der Ostsächsischen Sparkasse Dresden arbeiten 1.782 Angestellte in 143 Filialen.

Stadtsparkasse Düsseldorf

Mit einer Bilanzsumme von etwas weniger als 11,9 Milliarden Euro liegt die Stadtsparkasse Düsseldorf rund eine halbe Milliarden Euro vor dem Dresdner Sparkassenableger.

Nassauische Sparkasse

2010 kam die Nassauische Sparkasse mit Sitz in Wiesbaden auf eine Bilanzsumme von 11,9 Milliarden Euro. Sie kommt auf 234 Filialen - so viele wie keine andere Sparkasse.

Sparkasse Hannover

Die Sparkasse Hannover ist die sechstgrößte Sparkasse in Deutschland. Das Geldhaus in der niedersächsischen Landeshauptstadt hat in der Bilanz 2010 eine Summe von 12,6 Milliarden Euro ausgewiesen.

Stadtsparkasse München

Die Stadtsparkasse München ist - wenig überraschend - das größte Mitglied des Sparkassenverbands Bayern. Deutschlandweit reicht es mit einer Bilanzsumme von 15,5 Milliarden Euro für Rang fünf.

Frankfurter Sparkasse

Die viertgrößte Deutsche Sparkasse liegt in Hessen. Die Frankfurter Sparkasse kommt auf eine Bilanzsumme von rund 17,3 Milliarden Euro - mit 1.835 Mitarbeitern. In München sind es zum Vergleich 3.170 Angestellte.

Kreissparkasse Köln

Die Kreissparkasse Köln auf Rang drei knackt als erste die Marke von 20 Milliarden Euro. Im Jahr 2010 hat sie eine Bilanzsumme von rund 25 Milliarden Euro ausgewiesen.

Sparkasse KölnBonn

Auch Rang zwei geht nach Köln. Die Sparkasse KölnBonn ist mit 29,7 Milliarden Euro (2010) noch ein bisschen größer als die Kreissparkasse Köln.

Hamburger Sparkasse

Mit Abstand die größte Sparkasse in Deutschland ist die Hamburger Sparkasse. Die Haspa kam im Jahr 2010 auf eine Bilanzsumme von 38,7 Milliarden Euro. Sie hat auch die meisten Angestellten aller Sparkassen - 5.625 Mitarbeiter.

Eins ist klar: Die Mehrheit der Kunden legt auch in Zukunft großen Wert auf die Filiale. Im Jahr 2010 gaben 56 Prozent der befragten Bankkunden an, dass sie selbst für günstigere Preise und Konditionen keinesfalls auf Filialen verzichten wollen. Die Bedeutung der Filiale für Privatkunden hat dennoch in den vergangenen zehn Jahren einen Wandel erfahren. Der Anteil der Kunden, für die die Filiale im Mittelpunkt ihrer Bankbeziehung steht, wird immer kleiner und liegt nach unseren Untersuchungen nur noch bei etwa 26 Prozent. Die Hauptfunktion der Filiale liegt für die meisten Kunden – neben der Bargeldversorgung – in der Beratung und dem Abschluss von Produkten. Für Informationen und Service werden zunehmend auch andere Kanäle, allen voran das Internet, genutzt.

Kommentare (9)

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Account gelöscht!

08.02.2012, 12:10 Uhr

Liebe HB Redaktion. Ich glaube nicht, dass die ind iesem Artikel aufgelisteten Filialen wirklich die kleinsten sein sollen. Alleine hier um die Ecke hat unsere Spaßkassenfiliale nichtmal 15 Mitarbeiter und der Ort fasst kaum 5.500 Einwohner. Oder wurden hier andere Kriterien zu Rate gezogen?

Pr56II

08.02.2012, 12:15 Uhr

Das Vertrauen in die Bankberatung ist einfach verspielt und wird weiter abnehmen. Wer lässt sich schon noch von den Profitgierigen einen Fonds aufschwatzen, ausser alte Leute ohne Internet die sich nicht über Dienste wie www.fonds-etf.de informieren können. Naja selber schuld, man zahlt eben immer umso mehr, je weniger Ahnung man hat.

kannsnichtmehrhoeren

08.02.2012, 12:41 Uhr

Das ewige gerede von der Profitgier ist kaum noch auszuhalten... etwas mehr Sachlichkeit würde hier langsam mal Sinn machen... Ausnahmslos jeder Wirtschaftszweig möchte Geld verdienen, caritativ ist heute niemand mehr unterwegs... Wo wäre das deutsche Bankensystem zu "Lehman-Zeiten" geblieben ohne Sparkassen und Volksbanken... Wie war das noch mit der Schuld und dem ersten Stein ???

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