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26.07.2011

11:14 Uhr

Gastkommentar Manuel Theisen

Ackermanns Wille geschehe

Im Sinne der guten Unternehmensführung ist es ein Skandal, dass Josef Ackermann direkt vom Vorstandschef zum Chefaufseher werden soll, meint Corporate-Governance-Experte Manuel Theisen.

Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, Josef Ackermann, hat sich durchgesetzt. Quelle: dpa

Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, Josef Ackermann, hat sich durchgesetzt.

Das Ergebnis überrascht keinen: Nach einem wochenlangen Königsdrama in ungezählten Akten gibt das Präsidium der Deutschen Bank durch seinen (noch) Aufsichtsratsvorsitzenden Clemens Börsig bekannt, was der Vorstandsvorsitzende Josef Ackermann von Anfang an geplant hat und was allein sein Wille ist: Er bleibt der starke Mann der Deutschen Bank, bis Mai 2012 als Vorstandsvorsitzender und ab diesem Zeitpunkt als deren Aufsichtsratsvorsitzender.

So wenig ihn bisher gekümmert hat, wer unter ihm den Aufsichtsrat leitet, so wenig wird ihn kümmern, wer dereinst unter ihm den Vorstand spielen darf. Die Medien haben seine Gedankenwelt ja schon hinreichend trefflich aufgegriffen, wenn sie von der geplanten Doppelspitze ausnahmslos im Deminutiv sprechen, von "zwei halben Vorstandsvorsitzenden" oder den "Co-Vorsitzenden".

Besser also hätte es für Ackermann nicht laufen können, rechtzeitig hat er selbstlos verlauten lassen, er "lasse sich nochmals in die Pflicht nehmen" - um die ihm angemessene Dankbarkeit bereits im Vorfeld in allein ihm angemessenen Maße zu produzieren. Und hilfreich wie Arbeitnehmervertreter selten in deutschen Dax-Aufsichtsräten sind, hat die stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende, Karin Ruck, die ihr zugewiesene Rolle am Wochenende aufgegriffen und für den "Retter in der Not", the only Josef, öffentlichkeitswirksam Fürbitten vorgetragen. So etwas kommt gut an am Hofe Ackermann, l`Ackermann c`est moi.

Der Plan und seine Umsetzung scheint perfekt: Im angelsächsischen Ausland kennt kaum jemand wirklich das deutsche Vorstands-/Aufsichtsratsmodell und seine systemtragenden Elemente: Namentlich die Trennung zwischen Kontrolle und Führung bleiben bis heute nicht vermittelbar, es gibt immer nur einen starken Mann im Board, den Chief Executive Officer (CEO), der bis vor kurzem zumindest in den USA auch gleichzeitig der Vorsitzende des board (CoB) war und damit der uneingeschränkte "Herrscher aller Reussen" ist.

Auf diese Erfahrungen und Einschätzungen des internationalen Klientels kann Ackermann setzen, er ist und bleibt damit also "Mister Deutsche Bank". Angela und er werden also weiter Deutschland repräsentieren: Er denkt, sie assistiert, wie die staunende Öffentlichkeit zuletzt ja beim EU-Gipfel in Brüssel beobachten durfte. Ein Dreamteam? Ein Glücksfall für Deutschland?

Kommentare (8)

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flyingfridge

26.07.2011, 11:54 Uhr

Danke für diesen erfrischenden Kommentar, der nach der schleimigen Lobhudelei durch Herrn Steingart ("Die Stunde des Josef Ackermann") wirklich notwendig war.

Account gelöscht!

26.07.2011, 12:34 Uhr

DIE PARALLEL-LEGALE WELT DER DEUTSCHEN BANK
Der Artikel, also Prof. Theisen, beschreibt für mich zutreffend das Verhalten dieser deutschen Großbank und seiner Akteure. Und auch wie hierzulande Rechtsbeugung in seiner Kritik als Mißverständnis am Großen und Ganzen diffamiert wird. Diese Duldsamkeit der Politik und ihrer Hauptakteure hat nur einen Grund: Das noch ungemein größere Unrecht, die noch schlimmere Rechtsbeugung und das Unterdrücken der Rechtsstaatlichkeit eingesetzter Organe einer Demokratie.
Die Aufarbeitung der jüngsten Vergangenheit dieser Bank zeigt für alle Bürger die dreiste Verachtung deutscher Rechtsstaatlichkeit.
AKCERMANN GO HOME!

SeriousSam

26.07.2011, 14:06 Uhr

Ackermann und Anstand sind zwei inkompatible Welten.

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