Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

13.01.2017

14:11 Uhr

Gebühr für Privatkunden

Wann ziehen die Sparkassen bei Strafzinsen nach?

VonElisabeth Atzler

Die Münchner Stadtsparkasse will Strafzinsen für Privatkunden vermeiden – und doch könnte sie sich dazu gezwungen sehen, wenn große Wettbewerber damit beginnen. Für Kunden ist das keine gute Nachricht.

Die deutschen Sparkassen wollen Strafzinsen für ihre Kunden möglichst vermeiden. Dass es aber vermögenden Kunden treffen könnte, mag kaum jemand mehr ausschließen. AP

Sparkassen-Logo

Die deutschen Sparkassen wollen Strafzinsen für ihre Kunden möglichst vermeiden. Dass es aber vermögenden Kunden treffen könnte, mag kaum jemand mehr ausschließen.

FrankfurtBislang verlangt keine der rund 400 deutschen Sparkassen Strafzinsen von privaten Kunden, auch nicht von Vermögenden. Doch gänzlich ausschließen will diesen Schritt kaum ein Sparkassenchef mehr. „Sobald der erste große Marktteilnehmer Negativzinsen für Privatkunden erhebt, werden auch wir gezwungen sein, nachzuziehen“, sagte Ralf Fleischer, Chef der Stadtsparkasse München, in dieser Woche. Sonst würden womöglich Kunden von Banken, die Strafzinsen verlangen, ihr Geld zur Stadtsparkasse bringen, die für die Lagerung dieses Geldes wiederum bezahlen müsste, zitiert ihn die „Süddeutsche Zeitung“.

Wie solch ein „Verwahrentgelt“ ausgestaltet wäre, könne man derzeit nicht sagen. Es sei aber stark anzunehmen, dass es genau wie für die Geschäftskunden auch für Privatkunden Freibeträge geben und damit nur „sehr vermögende Kunden betreffen würde“, so ein Sprecher der Stadtsparkasse.

Kostenlose Girokonten

Der Vergleich

Im Folgenden sind die Banken aufgelistet, deren Jahrespreis für ein Girokonto bei null Euro liegen. Weiterhin sind optionale Leistungen aufgelistet, die ein Kunde in Anspruch nehmen kann. Zu den zusätzlichen Leistungen gehören eine beleghafte Überweisung sowie die Jahreskosten für eine Kreditkarte sowie die Höhe des Dispozinses.

Quelle: Stiftung Warentest, September 2016

1822direkt

Konto: GiroSkyline

Beleghafte Überweisung: 1,50 Euro/Überweisung

Kreditkarte: 29,90 Euro/Jahr

Dispozins: 7,43 Prozent/Jahr

Comdirect Bank

Konto: Girokonto

Beleghafte Überweisung: 1,90 Euro/Überweisung

Kreditkarte: kostenlos

Dispozins: 8,95 Prozent/Jahr

Consorsbank

Konto: Girokonto

Beleghafte Überweisung: 2,95 Euro/Überweisung

Kreditkarte: kostenlos

Dispozins: 7,75 Prozent/Jahr

Edekabank

Konto: Edeka-Konto

Beleghafte Überweisung: kostenlos

Kreditkarte: 10,00 Euro/Jahr

Dispozins: 7,34 Prozent/Jahr

ING-Diba

Konto: Girokonto

Beleghafte Überweisung: kostenlos

Kreditkarte: kostenlos

Dispozins: 6,99 Prozent/Jahr

Netbank

Konto: Privatgirokonto

Beleghafte Überweisung: 10,00 Euro/Überweisung

Kreditkarte: 20,00 Euro/Jahr

Dispozins: 8,00 Prozent/Jahr

Norisbank

Konto: Top-Girokonto

Beleghafte Überweisung: keine Angabe

Kreditkarte: kostenlos

Dispozins: 10,85 Prozent/Jahr

PSD Niederbayern-Oberpfalz

Konto: GiroDirekt

Beleghafte Überweisung: kostenlos

Kreditkarte: 20,00 Euro/Jahr

Dispozins: 6,84 Prozent/Jahr

Santander Bank

Konto: 1 2 3 Girokonto

Beleghafte Überweisung: 1,50 Euro/Überweisung

Kreditkarte: kostenlos

Dispozins: 7,49 Prozent/Jahr

Santander Consumer Bank

Konto: Girokonto Kombi

Beleghafte Überweisung: 1,50 Euro/Überweisung

Kreditkarte: kostenlos

Dispozins: 8,05 bis 11,30 Prozent/Jahr

Wüstenrot Bank

Konto: Top Giro

Beleghafte Überweisung: 3,00 Euro/Überweisung

Kreditkarte: 19,00 Euro/Jahr

Dispozins: 10,87 Prozent/Jahr

Ab April wird die Münchner Sparkasse, die zu den zehn größten in Deutschland gehört, von Firmenkunden Strafzinsen verlangen. Dabei geht es um Einlagen von mehr als 250.000 Euro. Unternehmen mit hohen Einlagen müssen bei vielen Sparkassen sowie privaten und genossenschaftlichen Banken bereits mit einer „Guthabengebühr“ rechnen.

Auslöser für die Überlegung ist die Politik der Europäischen Zentralbank (EZB). Dort müssen Geschäftsbanken derzeit 0,4 Prozent Strafzins berappen, wenn sie überschüssige Liquidität über Nacht parken wollen. Das ist teuer für die Banken. Nach einer Analyse der Beratungsfirma Barkow Consulting kostete der EZB-Strafzins die Deutschen Banken im vergangenen Jahr rund 1,1 Milliarden Euro.

Nach Möglichkeit aber will die Stadtsparkasse München Strafzinsen für Private vermeiden – wie auch andere der öffentlich-rechtlichen Institute. Doch hinter vorgehaltener Hand hört man von Sparkassenchefs häufiger das Argument, dass eine Sparkasse nachziehen müsste, sollte der direkte Konkurrent, etwa die Volksbank in der Region, Strafzinsen einführen.

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

G. Nampf

13.01.2017, 14:57 Uhr

„Verwahrentgelt“, „Guthabengebühr“ sind alles verschwurbelte Formulierung des gleichen Sacchverhalts:

Der Gläubiger einer Bank (=Bankkunde) wird dafür bestraft, daß er der Bank (=Schuldner) Liquidität zur Verfügung stellt.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×