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10.10.2012

13:00 Uhr

Gehälter wie vor der Krise

Banker an der Wall Street verdienen immer mehr

VonTobias Döring

Der Jahresverdienst der Wall-Street-Banker ist im vergangenen Jahr angestiegen. Und das, obwohl der Bonus-Topf der Unternehmen kleiner wird. Mit Einbußen müssen die Banker auch für das laufende Jahr kaum rechnen.

Banker an der Wall Street konnten sich 2011 über einen größeren Jahresverdienst freuen. AFP

Banker an der Wall Street konnten sich 2011 über einen größeren Jahresverdienst freuen.

Düsseldorf/New YorkEs werden immer weniger, dafür verdienen sie immer mehr. Zwar haben in den vergangenen Jahren viele Banker an der New Yorker Wall Street ihren Job verloren, doch die verbliebenen erleben momentan goldene Zeiten. Im Jahr 2011 gingen die Wall-Street-Banker mit einem durchschnittlichen Jahresverdienst von 362.950 Dollar inklusive Bonus nach Hause.

Das war ein halbes Prozent mehr als 2010 und mehr, als die Banker vor dem Ausbruch der Finanzkrise 2007 verdienten. Von 2009 auf 2010 war das Einkommen noch stärker um 16 Prozent angestiegen. Das geht aus Zahlen hervor, die der Rechnungsprüfer des US-Bundesstaates New York, Thomas DiNapoli, am späten Dienstagabend vorgelegt hat.

Der durchschnittliche Bonus der Banker im vergangenen Jahr betrug nach Angaben DiNapolis aus dem Februar mehr als 120.000 Dollar. Der Bonus-Pool betrug nach einer Schätzung des Rechnungsprüfers 19,7 Milliarden Dollar, das waren 13,5 Prozent weniger als 2010. Für das laufende Jahr erwartet DiNapoli bei der Entwicklung des Bonus-Pools an der Wall Street einen weiteren leichten Rückgang.

Steinbrücks Vorschläge zur Bändigung der Banken

Risikohaftung

Der Staat soll sich aus der Haftung für die Banken weitgehend zurückziehen. Die Institute sollen europaweit aus eigenen Mitteln einen Rettungsschirm in Höhe von 150 bis 200 Milliarden aufbauen. Dieser „Banken-ESM“ soll auch Großbanken abwickeln oder restrukturieren können. Für kleine und mittelgroße Banken soll ein nationaler Fonds zuständig sein. Auch die Aktionäre und Gläubiger seien neben den Eigentümern an den Verlusten zu beteiligen.

Trennung von Geschäfts- und Investmentbanking

Zunächst soll der Eigenhandel von Banken beschränkt werden. Darunter versteht man Geschäfte, die zur kurzfristigen Gewinnerzielung auf eigene Rechnung getätigt werden. In einem zweiten Schritt ist die Trennung des Einlage- und Kreditgeschäfts vom Investmentteil geplant. Fortführung der Bereiche unter dem Dach einer Holding als rechtlich eigenständige Töchter.

Landesbanken

Ihre Zahl soll von bislang zehn auf zwei bis drei schlagkräftige Institute verringert werden.

Schattenbanken

Für Hedge-Fonds, Private Equity, Zweckgesellschaften oder Geldmarktfonds sollen die gleichen Eigenkapitalregeln gelten wie für Banken. Verbot der Kreditvergabe an solche Finanzgesellschaften und der Beteiligung von Banken an ihnen.

Aufsicht

Plädiert wird für eine europäische Bankenaufsicht nur für systemrelevante Großbanken unter dem Dach der EZB. Deutsche Spar- und Genossenschaftsbanken sollen nicht davon betroffen sein.

Vergütungen und Boni

Alle Top-Verdiener (nicht nur der Vorstand) einer Bank sollen ihr Einkommen veröffentlichen. Die erfolgsabhängigen Zuschläge dürfen das Festgehalt nicht übersteigen.

Die Trends bei Einnahmen und Vergütung zeigten im Vergleich mit Februar „leicht abwärts“, heißt es in DiNapolis Bericht vom Dienstagabend. „Basierend auf diesen Trends wird der Bonus-Pool für in 2012 verrichtete Arbeit wahrscheinlich das zweite Jahr in Folge sinken“, erklärte der Rechnungsprüfer.

Die Banker allerdings rechnen nicht mit Einbußen. Einer aktuellen Umfrage zufolge erwartet fast die Hälfte aller Wall-Street-Beschäftigten am Jahresende einen höheren Bonus als im Vorjahr. In der Umfrage der Internet-Stellenbörse eFinancialcareers gaben 48 Prozent der Teilnehmer an, mit mehr Geld zu rechnen. Im Vorjahr waren es lediglich 41 Prozent. An der Umfrage nahmen 911 Beschäftigte der Finanzindustrie teil, davon waren 82 Prozent aus den USA.

Sie könnten mit ihrer Erwartung nicht ganz Unrecht haben. Denn die Zahl der beschäftigten Banker an der Wall Street geht seit dem Ausbruch der Finanzkrise zurück. Seit Jahresbeginn sind laut DiNapoli weitere 1200 Stellen abgebaut worden. Im August 2012 waren nach Zahlen DiNapolis noch 168.700 Personen in der New Yorker Finanzindustrie beschäftigt.

Der kleinere Bonus-Topf wird also auch auf eine immer kleinere Anzahl Banker verteilt, wie schon der gestiegene durchschnittliche Jahresverdienst 2011 zeigt. Allerdings sind die Gewinne der Branche im laufenden Jahr stark zurückgegangen und die Aktionäre gehen gegen die hohen Verdienste auf die Barrikaden, was wiederum für niedrigere Gehälter spricht.

Steinbrücks Vorschläge zur Bändigung der Finanzmärkte

OTC-Geschäfte

Finanztermingeschäfte (Derivate), die völlig unkontrolliert an der Börse vorbei abgewickelt werden, sollen stark eingeschränkt werden. Solche Over-the-Counter-Geschäfte (OTC - „über den Tresen“) nehmen seit einiger Zeit massiv zu.

Rohstoffe

Begrenzung der absoluten Zahl von Warenterminverträgen zu Spekulationszwecken (sogenannte Positionslimits). Verbot von Geschäften mit Agrar- und Energierohstoffen sowie Nahrungsmitteln für Banken und Finanzgesellschaften.

Leerverkäufe

Das seit 2010 geltende Verbot von ungedeckten Leerverkäufen auf Aktien und Staatsanleihen wird auf Kreditderivate von Banken und Firmen ausgeweitet.

Computer-Hochfrequenzhandel

Nur noch vorher überprüfte Unternehmen dürfen damit an der Börse tätig werden. Notwendig sei eine Mindestverweildauer, bis ein Auftrag ausgeführt wird.

Finanztransaktionssteuer

Dazu sollen auch ausländische Töchter europäischer Banken herangezogen werden. Ebenso der außereuropäische Handel mit Wertpapieren von Emittenten aus Europa.

Immobilien

Zu Vermeidung von Blasen soll in Europa für die Beleihung eine Obergrenze von 80 Prozent zum Preis der Immobilie bzw. zum eingebrachten Eigenkapital vereinbart werden - in Boom-Phasen von 60 Prozent.

Kommentare (4)

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Account gelöscht!

10.10.2012, 14:59 Uhr

Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis einer Ware - auch der Humane Resources. Gibt es mehr IB fällt auch ihr Preis.

Was nur wenige können, wird halt auch Top bezahlt. So einfach ist das !

Account gelöscht!

10.10.2012, 16:06 Uhr

@FlashGordon,
was die Ergebnisse und die Bezahlung im Investmentbanking bei der Deutschen Bank anbelangt klafft ein riesiges Loch meiner Meinung nach. Würde die Deutsche Bank ihre gesamte RWA in CBS mark to market bewerten wäre der Gewinn aus den letzten 10 Jahren aufgebraucht.
Die Aktienkurse der Investmentbanken sagen alles über die Leistungen der Investmentbänker.
Wie ist Ihre aktuelle Meinung zur Deutschen Bank Aktie?
Gruß

Account gelöscht!

10.10.2012, 17:25 Uhr

Meinung ? Gut gelaufen die letzten 3 Monate. Aber oberhalb von 33 € wird die Luft recht dünn. Und an Gewinnmitnahmen ist auch noch nie jemand gestorben.

Generell bin ich aber davon überzeugt, dass Finanztitel keine dauerhaften Portfoliobestandteile sein sollten (wie z.B. eine Apple, Fuchs, BASF, VW oder Gold-Hardware).

Ps: Auch ein überdurchschnittliches Gehalt ist noch keine Garantie für dauerhafte Gewinne. Sonst müsste ja Bayern München immer Meister werden .....

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