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16.02.2016

13:45 Uhr

Geldautomaten in Frankfurt

Kein Bargeld in der Bankenmetropole

VonJohannes Steger

Die Debatte um die Zukunft des Bargelds tobt. Die geplante Bezahlobergrenze von 5.000 Euro erhitzt die Gemüter, doch oft scheitert das Leben mit dem Cash an ganz praktischen Problemen. Etwa im Frankfurter Gutleutviertel.

Bargeld-Debatte: Große Banknoten bald Geschichte?

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FrankfurtDas Brötchen beim Bäcker, die Spende in der Kirche oder das Ticket für den Bus – in Schweden kann das alles bargeldlos bezahlt werden. In Deutschland ist dies anders: Als bekannt wurde, dass die Bundesregierung eine Bargeldobergrenze für Zahlungen ab 5.000 Euro einführen wolle, gab es heftigen Widerspruch. Die Deutschen hängen an ihrem Bargeld und zahlen lieber mit Münzen und Scheinen, weshalb sie für Engpässe bei der Versorgung mit Barem ziemlich wenig Verständnis zeigen. Erst recht, wenn das Problem mitten in der Bankenstadt Frankfurt auftaucht.

Was für das Bargeld spricht

Die Anonymität des Bargelds...

...ermöglicht es den Bürgern, auch den gesetzestreuen, einen Rest Privatsphäre zu bewahren, der nicht der vollständigen Überwachung oder Überwachbarkeit unterliegt.

Die Zinslosigkeit des Bargelds...

...ist der wichtigste Grund, warum die Notenbanken mit ihren Leitzinsen nicht beliebig weit in den negativen Bereich gehen können. Wer die jetzigen Niedrigzinsen der Notenbanken schon als gefährlich oder als eine Form der kalten Enteignung ansieht, wird froh sein, dass das Vorhandensein von Bargeld eine Zinsuntergrenze setzt.

Die gesellschaftlichen Kosten von Bargeld...

....als Zahlungsmittel, also die Kosten bei allen Beteiligten zusammengerechnet, sind nach einer Untersuchung der Europäischen Zentralbank in den meisten Ländern niedriger als die unbarer Bezahlformen.

Der Insolvenzschutz...

...den Bargeld genießt, weil die Notenbank, die es emittiert, nicht Pleite gehen kann, hebt es vom Buchgeld der Geschäftsbanken ab. Wenn eine Geschäftsbank  insolvent wird, können Buchgeld-Guthaben verloren gehen, oder sie werden, wie im Fall Zypern geschehen, im Zuge der Rettung der Banken zusammengestrichen.

Ausgerechnet im Gutleutviertel westlich des Bankenviertels sind Bankautomaten Mangelware. SPD-Politiker und Fraktionsvorsitzender Oliver Strank sagte der „Frankfurter Neuen Presse“: „Das Gutleutviertel ist in diesem Punkt ein weißer Fleck im Ortsbezirk 1“. Die nächsten Automaten seien mehr als einen Kilometer entfernt.

Gerade für die Senioren in dem Stadtteil sei das ein Problem, berichtet die Zeitung. Das möchte die SPD jetzt ändern: Am Dienstag will sie einen Antrag an den Magistrat verabschieden, der dann Kontakt zu Sparkassen und Banken aufnehmen soll, um bis zu drei Geldautomaten aufzustellen.

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Der Bankenverband hält wenig von der Debatte über Beschränkungen des Bargeldeinsatzes. Eine Umfrage des Verbandes zeigt jedoch: Die Deutschen sehen die Bargeld-Debatte nicht ganz so kritisch.

Das Gutleutviertel ist mit seiner Automatenunterversorgung nicht allein. Überall in Deutschland schließen viele Sparkassen und Banken ihre Filialen – gerade auf dem Land. Niedrige Leitzinsen machen die Margen im Kreditgeschäft kaputt und belasten besonders die kleineren Häuser. Zudem bleiben in vielen Geschäftsstellen die Kunden aus. Die DZ Bank prognostizierte 2015: Bis 2030 dürfte die Zahl der Filialen insgesamt unter 20.000 sinken – ein Minus von 40 Prozent.

Dafür gibt es schon genug Beispiele: So schließt die Sparkasse Vogtland 27 Filialen. Auch die Sparkasse Wetzlar kommt bei ihren Plänen auf einen Anteil von 40 Prozent am bisherigen Filialnetz. Und nicht nur das Filialnetz wird kleiner. Zwar gab es laut Bundesbank rund 2014 rund 56.790 Bankautomaten in Deutschland, doch nicht immer sind die gut zu erreichen.

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