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18.09.2012

11:05 Uhr

Geldhäuser

Deutsche Banken auf Schrumpfkurs

Der Gewinn der deutschen Groß- und Landesbanken ist im ersten Halbjahr 2012 im Vergleich zum Vorjahr deutlich geschrumpft. In den Zahlen von Ernst & Young zeigt sich außerdem ein einsamer Branchen-Spitzenreiter.

Die Frankfurter Bankenskyline aus Sicht der Baustelle für den Neubau der Europäischen Zentralbank. dapd

Die Frankfurter Bankenskyline aus Sicht der Baustelle für den Neubau der Europäischen Zentralbank.

Frankfurt/Stuttgart/DüsseldorfSchuldenkrise und Konjunkturflaute haben sich negativ in den Bilanzen deutscher Groß- und Landesbanken niedergeschlagen. In den ersten sechs Monaten 2012 erzielten sie 42 Prozent weniger Gewinn als vor einem Jahr, wie die Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young am Dienstag in Frankfurt mitteilte.

Insgesamt sei das Nettoergebnis der 13 analysierten Finanzinstitute von 9,3 Milliarden Euro auf 5,4 Milliarden Euro geschrumpft. 11 Banken machten weniger Gewinn als im Vorjahr, eine Bank schrieb rote Zahlen. Das mit Abstand höchste Konzernergebnis verbuchte die Deutsche Bank, die vor Steuern 2,8 Milliarden Euro verdiente - knapp 2 Milliarden Euro weniger als im Vorjahr.

An zweiter Stelle folgt die Commerzbank, die auf ein Konzernergebnis von 906 Millionen Euro kommt und damit 293 Millionen Euro weniger verdient, als im Jahr zuvor. Auch die DZ Bank muss Federn lassen und verdient 123 Millionen Euro weniger. Unterm Strich bleiben in den ersten sechs Monaten 515 Millionen Euro.

Bei den Landesbanken muss vor allem die HSH Nordbank mit einem Konzernergebnis von 35 Millionen Euro leiden - 453 Millionen Euro weniger als im Vorjahr. Die West LB verbuchte das mit Abstand schlechteste Konzernergebnis von Minus 365 Millionen Euro - 415 Millionen Euro weniger als im Jahr zuvor. Und auch die Nord LB verdient 142 Millionen Euro weniger als im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Es bleiben im ersten Halbjahr 2012 131 Millionen Euro.

Das sind die größten Banken Deutschlands

Platz 12

2011 ist das letzte Jahr, für das die WestLB ihre Jahresbilanz bekannt gab. Die Bank, die zum Großteil dem Land Nordrhein-Westfalen, der NRW.Bank und den Sparkassenverbänden des Rheinlands und Westfalen-Lippe gehörte, ist mittlerweile zerschlagen. Die Zertifikategeschäfte übernahm die Helaba.

Bilanzsumme (2011): 167,90 Milliarden Euro

Platz 11

Die Postbank gehört mittlerweile zur Deutschen Bank und betreut mit rund 19.000 Angestellten fast 14 Millionen Kunden.

Bilanzsumme (2011): 192,00 Milliarden Euro

Platz 10

Die Eurohypo AG ist eine Tochter der Commerzbank  - und ein Milliardengrab. Zehn Jahre nach der Gründung wird die Hypothekenbank nun zerschlagen. Die Eurohypo AG ist nach der WestLB die zweite deutsche Bank, die die Krise nicht überlebt hat. Jedoch ist ihre Bilanzsumme noch um einiges größer als die der Landesbank.

Bilanzsumme (2011): 203,00 Milliarden Euro

Platz 9

Auch die NordLB schaffte es nur mit Staatsmitteln, die Bankenkrise zu überstehen. Die EU-Bankenaufsicht verordnete der Bank der Länder Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern ihr Eigenkapitalpolster gehörig aufzustocken.

Bilanzsumme (2011): 227,60 Milliarden Euro

Platz 8

Die BayernLB machte in den vergangenen Wochen mit einem Streit mit der EU-Kommission Schlagzeilen. Die in der Krise taumelnde Bank muss dem Land Bayern fünf Milliarden Euro an Krisenhilfen zurückzahlen.

Bilanzsumme (2011): 309,10 Milliarden Euro

Platz 7

Auch die Hypo Real Estate überlebte die Krise nur knapp: Die Immobilienbank wurde verstaatlicht und lagerte ihre Altlasten in eine Bad Bank aus. Bis 2015 muss die Hypo Real Estate jedoch wieder privatisiert werden, entschied die EU.

Bilanzsumme (2011): 236,60 Milliarden Euro

Platz 6

Die LBBW ist mit einer Bilanzsumme von über 370 Milliarden Euro die größte deutsche Landesbank. Das Geldinstitut gehört fast vollständig dem Land Baden-Württemberg, dem Sparkassenverband des Landes und der Stadt Stuttgart.

Bilanzsumme (2011): 373,10 Milliarden Euro

Platz 5

Die deutsche Unicredit Bank AG, besser bekannt unter ihrem Markennamen Hypovereinsbank, ist ein Tochterunternehmen der größten italienischen Bank, Unicredit. Die italienische Großbank hat gerade eine Umstrukturierung angekündigt: Die Tochtergesellschaften und damit auch die Hypovereinsbank sollen mehr Autonomie bekommen.

Bilanzsumme (2011): 395,70 Milliarden Euro

Platz 4

Zur DZ Bank AG gehören neben der Volksbanken Raiffeisenbanken auch die Bausparkasse Schwäbisch Hall oder die R+V Versicherung. Die DZ Bank AG ist das Zentralinstitut für insgesamt 900 Genossenschaftsbanken mit rund 30 Millionen Kunden.

Bilanzsumme (2011): 405,90 Milliarden Euro

Platz 3

Die Kreditanstalt für Wideraufbau (KfW) ist die deutsche Förderungsbank unter Aufsicht des Finanzministeriums. Sie gibt Kredite an Existenzgründer und Firmen im Rahmen von Förderprogrammen der Bundesregierung und ist für die Finanzierung von Infrastrukturvorhaben zuständig.

Bilanzsumme(2011): 494,80 Milliarden Euro

Platz 2

Die Commerzbank belegt mit einer Bilanzsumme von über 600 Milliarden Euro Platz zwei unter den größten deutschen Banken. Die Bank ist in 52 Ländern vertreten und betreut nach eigenen Angaben rund 15 Millionen Privat- und eine Millionen Firmenkunden in der ganzen Welt.

Bilanzsumme(2011): 661,80 Milliarden Euro

Platz 1

Die international erfolgreiche Deutsche Bank nimmt unangefochten den ersten Platz der größten deutschen Banken ein. Ihre Bilanzsumme ist rund 3,5 mal so groß wie die der Commerzbank. Die Bank beschäftigt über 100.000 Mitarbeiter – knapp 50.000 davon in Deutschland.

Bilanzsumme (2011): 2164,10 Milliarden Euro

Allein in Spanien und Italien haben die Großbanken 50 Milliarden Euro an Unternehmenskrediten vergeben, hinzu kommen 36,5 Milliarden Euro an Staatsanleihen. "So lange sich die wirtschaftliche Talfahrt im Süden Europas fortsetzt, drohen weitere Verluste aus Kreditengagements vor allem bei Banken und Unternehmen aus den Krisenländern", warnt Müller-Tronnier.

Das sind die größten Banken Europas

Platz 9

Barclays (Großbritannien) - Marktkapitalisierung (2011): 36,1 Milliarden Euro

Platz 9

Deutsche Bank (Deutschland) - Marktkapitalisierung (2011): 36,1 Milliarden Euro

Platz 8

Royal Bank of Scotland (Großbritannien) - Marktkapitalisierung (2011): 36,6 Milliarden Euro

Platz 7

UBS (Schweiz) - Marktkapitalisierung (2011): 41,3 Milliarden Euro

Platz 6

BNP Paribas (Frankreich) - Marktkapitalisierung (2011): 45,4 Milliarden Euro

Platz 5

Standard Chartered (Großbritannien) - Marktkapitalisierung (2011): 45,5 Milliarden Euro

Platz 4

Allied Irish Banks (Irland) - Marktkapitalisierung (2011): 48,8 Milliarden Euro

Platz 3

Banco Santander (Spanien) - Marktkapitalisierung (2011): 54,3 Milliarden Euro

Platz 2

Sberbank (Russland) - Marktkapitalisierung (2011): 55,9 Milliarden Euro

Platz 1

HSBC Holdings (Großbritannien) - Marktkapitalisierung (2011): 120,8 Milliarden Euro

Als Reaktion auf die Risiken träten die Banken auf die Kostenbremse, schreibt Ernst & Young. Ihr Verwaltungsaufwand sank im ersten Halbjahr insgesamt um eine Milliarde Euro. Die Mitarbeiter-Zahl sank um 1,4 Prozent auf 225.000. Müller-Tronnier sieht die Branche auch weiterhin auf Schrumpfkurs: „Vor den Banken liegen magere Jahre. Alle Kostenarten müssen auf den Prüfstand gestellt werden - einschließlich der Personalausgaben.“

Erfolgreicher sind die Institute beim Aufbau von dickeren Kapitalpolstern. Die Eigenkapitalausstattung der 13 untersuchten Banken habe sich im ersten Halbjahr um 4,1 Milliarden auf 150 Milliarden Euro erhöht. Weil zugleich die Risiken in der Bilanz schrumpften, stieg die durchschnittliche Kernkapitalquote auf 12,6 von 11,5 Prozent.

Kommentare (1)

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Gast

18.09.2012, 12:39 Uhr

Zu den Top10 Banken:
Sidney liegt in British Columbia. Damit glaube ich nicht, dass die CBA hier ihren Hauptsitz hat. Sydney in Australien schreibt man nicht Sidney!

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