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28.05.2013

09:50 Uhr

Geldhäuser scheuen Transparenz

Die verschleierten Bankergehälter

VonSebastian Ertinger

Nach den Gehaltsexzessen in der Finanzbranche müssen deutsche Banken die Vergütungspraxis für ihre Mitarbeiter offenlegen. Doch eine Studie zeigt nun: Die Geldhäuser kommen dieser Pflicht nicht ausreichend nach.

Proteste gegen Banker-Boni: Viele Geldhäuser decken die Zahlungen nicht ausreichend transparent auf. AP/dpa

Proteste gegen Banker-Boni: Viele Geldhäuser decken die Zahlungen nicht ausreichend transparent auf.

DüsseldorfDeutschlands Banken informieren nicht umfassend und transparent über die Bezahlung ihrer Mitarbeiter. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Unternehmensberatung Hostettler, Kramarsch & Partner. „Sinn und Ziel der gesetzlich geforderten Veröffentlichung der Bankgehälter ist, dass sich der unbedarfte Beobachter einfach einen Überblick über die Vergütungspraxis einer Bank verschaffen kann. Das Ziel wird in der Summe nicht erreicht“, sagt Werner Klein, Partner und Leiter Banking Practice bei der Beratung, zu Handelsblatt Online.

Klein und seine Kollegen untersuchten die Vergütungsberichte der 50 nach Bilanzsumme wichtigsten Banken Deutschlands für das Jahr 2012. Das Ergebnis ist ernüchternd: Die Informationen zu den Gehältern seien oft sehr schwer zu finden. Selbst die führenden Geldhäuser weisen die Daten zur Entlohnung der Mitarbeiter und den geleisteten Bonuszahlungen sehr unterschiedlich aus. Dies führe zu einer lückenhaften Qualität und einer geringen Vergleichbarkeit der Angaben.

Wo Banker die größten Probleme sehen

Bankenaufsicht und Regulierung

Die größten Probleme sehen die Manager von Finanzhäusern in der verschärften Bankenaufsicht und der Regulierung. 94 Prozent nannten dies als größte Herausforderung der Branche für die Jahre 2013 bis 2015. Die Unternehmensberatung Steria Mummert und Forsa befragten 120 Führungskräfte aus 120 Kreditinstituten. 100 davon aus Deutschland, 20 aus Österreich. Die Studie wurde im November 2012 veröffentlicht.

Kosten

An zweiter Stelle stehen die Kosten: 75 Prozent der Bank-Manager sehen den Renditedruck auf der Branche lasten.

Risikomanagement

Im Zuge der Finanzkrise und der verschärften Regulierung müssen die Banken besser mit ihren Risiken umgehen. Dementsprechend sehen immerhin 74 Prozent der befragten Banker den Umbau des Risikomanagements als Herausforderung.

Vertrieb und Kundenmanagement

Ebenfalls große Probleme sehen die Finanzhäuser im Vertrieb und Kundenmanagement. Hier sehen 71 Prozent der Bank-Lenker Herausforderungen.

Wettbewerb

Neue Anbieter, auch aus fremden Branchen, drängen in das Stammgeschäft der Geldhäuser. 71 Prozent der Finanzmanager sehen dies als Problem.

Finanz- und Schuldenkrise

Die Situation auf den Finanzmärkten belastet natürlich auch die Banken. Dementsprechend beobachten 70 Prozent der Geldhaus-Lenker die Lage in Griechenland und den Kapitalmärkten gespannt.

Demographische Entwicklung

Mit etwas Abstand, aber dennoch mit großer Sorge, betrachten die Banker die Alterung der Bevölkerung. Die demographische Entwicklung betrachten immerhin 68 Prozent der von Steria Mummert und Forsa befragten als Herausforderung.

Optimierung der Geschäftsprozesse

Rund 63 Prozent der Geldhaus-Manager erachten den Umbau von Betriebsabläufen als Herausforderung.

Konjunktur

Weniger Sorge bereitet den Bank-Lenkern offenbar die Entwicklung der Konjunktur. Nur 53 Prozent gaben dies als Problem an.

Kreditrisiko

Kreditrisiken bringen die Banker auch nicht um den Schlaf: Nur 39 Prozent bereitet dieses Thema Sorgen.

Optimierung der Informationstechnik

Die Verbesserung der hauseigenen Computersysteme sehen 38 Prozent der Befragten als Herausforderung.

Liquiditätsmanagement

Die geringsten Sorgen bereitet den Bank-Lenkern das Liquiditätsmanagement. Nur 32 Prozent sehen dies als Problem.

Unter dem Eindruck der Finanzkrise hatte 2010 die Bundesregierung ein Gesetz auf den Weg gebracht, das Regeln für eine transparente Vergütung im Finanzsektor aufstellt. Die Banken müssen nun ihre Vergütungssysteme und die geflossenen Zahlungen regelmäßig offenlegen. Die Bankbranche war wegen zum Teil weit überzogener Einkommen und Boni, vor allem im Investment-Banking, massiv in die Kritik geraten.

Die Institute setzen die Transparenz-Regeln, die Aktionären und der Öffentlichkeit eine eingehende Kontrolle ermöglichen sollen, laut aber nur unzureichend um. „Von Institut zu Institut sind die Angaben unterschiedlich benannt und an verschiedenen Stellen der Internetseiten platziert“, berichtet Klein. Den einzelnen Instituten könne man zwar keinen Vorwurf zu machen. „Doch in der Summe ist das sehr unübersichtlich.“

Kommentare (3)

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manipulation

28.05.2013, 10:08 Uhr

schon immer werden in der bankbranche mit gefingerten spekulationsgeschäften den spitzenmanagern gewinne zugeschoben.ebenso werden die schief liegende deals der herren über die bank sozialisiert

F-ck-u

28.05.2013, 10:57 Uhr

wir sollten hier langsam mal wieder zu einer sachlichen Diskussion zurückfinden. Hier wird ständig völlig undifferenziert über eine gesamte Branche hergezogen um dem Rechhaberei und Nörgelbedürfnis der verblödeten Masse gerecht zu werden. Der 0815 Bankangestellte kriegt einen "Bonus" der bestenfalls einem 13. Gehalt bei VW oder Porsche entspricht. Spitzengehälter ziehen die wenigsten ein. Und wenn man diese Diskussion fair führen will muss man auch mal über die Spitzengehälter in der Industrie sprechen oder über horrende Maklerhonorare in der Wohnungsbrache. Vielleicht kann man auch mal die Nase rümpfen über Fussballbubis, die mit Anfang 20 Millionen mit Volksbelustigung verdienen (aber das finden alle Klasse). Unterm Strich alles fadenscheinig, scheinheilig und dumm...strohdumm

jgra

28.05.2013, 12:27 Uhr

Wenngleich es richtig ist, dass Spitzengehälter sowie Boni nur an wenige Privilegierte in der Branche fließen und dies -zumindest in der Vergangenheit mit Schwerpunkt im Invetmentbanking - so darf man dennoch nicht ausblenden, dass die führenden nationalen und internationalen Institute die Weltwirtschaft mit ihrer ungezügelten Gier in eine lang anhaltende Krise gestürzt haben, die noch lange nicht überwunden ist.
Dass seit längerem auch mal genauer geschaut wird, was da eigentlich so hinter den Kulissen abläuft, ist nur richtig und konsequent. Immerhin büßt im Schadensfall der gemeine Steuerzahler, wenn (noch) etwas schief gehen sollte... Und der hat ein Recht auf Transparenz. Daher ist es ein Skandal, dass es ein Gesetz gibt, sich kaum eine Bank darna hält, dies aber offenkundig ohne jegliche Konsequenz bleibt.
Jeder Temposünder im Straßenverkehr wird da härter herangenommen!

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