Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

13.10.2016

13:40 Uhr

Geldhaus unterliegt strengen Kapitalregeln

Wie die Deutsche Bank ihre Probleme lösen kann

Einfache Rechnung: Jede Milliarde Euro Strafe, für die es keine Rückstellungen gibt, belastet das Kapital der Deutschen Bank um 25 Basispunkte. Die Gewinne reichen nicht, um die Lücke füllen. Andere Maßnahmen müssen her.

Eine Statue vor dem Logo der Deutschen Banke in Frankfurt: Welcher Weg ist für Deutschlands größtes Geldhaus der richtige, um das Problem des wahrscheinlich hohen Kapitalbedarfs zu lösen. Reuters

Deutsche Bank

Eine Statue vor dem Logo der Deutschen Banke in Frankfurt: Welcher Weg ist für Deutschlands größtes Geldhaus der richtige, um das Problem des wahrscheinlich hohen Kapitalbedarfs zu lösen.

FrankfurtDie Deutsche Bank steht an den Märkten derzeit massiv unter Druck. Hauptgrund ist die Unsicherheit darüber, wie teuer der Streit mit den US-Behörden über faule Hypothekenpapiere wird. Das Justizministerium hat eine Strafe von 14 Milliarden Dollar (12,5 Milliarden Euro) aufgerufen, die die Reserven der Bank deutlich übersteigen würde. Selbst wenn Vorstandschef John Cryan die Summe im derzeit laufenden Verhandlungspoker noch drücken kann, könnte der Kapitalpuffer von Deutschlands größtem Geldhaus bedrohlich schmelzen. Ein Überblick über die Handlungsoptionen:

Ausgangslage
Zur Jahresmitte hatte die Bank für sämtliche Rechtsstreitigkeiten 5,5 Milliarden Euro zur Seite gelegt, weitere 1,7 Milliarden Euro für weniger wahrscheinliche Strafen (Eventualverbindlichkeiten). Für den Hypotheken-Streit sind Insidern zufolge etwa 2,5 bis drei Milliarden Euro reserviert. Fällt die Strafe deutlich höher aus, werden die ohnehin dünnen Kapitalpolster der Bank aus Sicht von Analysten weiter schmelzen. „Jede Milliarde Dollar, für die es keine Rückstellungen gibt, belastet das Kapital der Deutschen Bank mit rund 25 Basispunkten“, rechnet einer der Top-10-Aktionäre vor.

Wo die Deutsche Bank überall Ärger hat

US-Sanktionen

Schon länger steht die Deutsche Bank im Verdacht, gegen Sanktionen verstoßen zu haben, die die USA gegen Länder wie den Iran verhängt haben. Für die Missachtung von Sanktionen zahlte das Geldhaus im November 2015 bereits 260 Millionen US-Dollar. Die Bank hatte betont, sie habe sich bereits 2007 aus Iran-Geschäften zurückgezogen. Auch andere Finanzinstitute mussten für Vergleiche in der Sache bereits tief in die Tasche greifen: Die französische BNP Paribas zahlte knapp neun Milliarden Dollar, die Commerzbank 1,45 Milliarden Dollar.

Zinsskandal

Wegen der Manipulation wichtiger Referenzzinssätze wie Euribor und Libor musste die Deutsche Bank viel Geld abdrücken. Die EU-Kommission verhängte bereits Ende 2013 eine Strafe von 1,7 Milliarden Euro gegen sechs Großbanken, davon entfiel mit 725 Millionen Euro (990 Millionen US-Dollar) der Löwenanteil auf das Frankfurter Geldhaus. Die Behörden in Großbritannien und den USA brummten der Bank eine Rekordstrafe von 2,5 Milliarden Dollar auf, davon 2,175 Milliarden US-Dollar in den USA und 226,8 Millionen in Großbritannien.

Diese Beträge wurden bis auf 150 Millionen US-Dollar vollständig gezahlt, ein Urteil zu dem ausstehenden Betrag wird für den 7. Oktober 2016 erwartet. Die deutsche Finanzaufsicht Bafin hat in ihrem Bericht zur Zinsaffäre eine Reihe von Top-Managern scharf angegriffen und ihnen zu laxe interne Kontrollen beziehungsweise eine mangelnde Aufklärung der Tricksereien vorgeworfen. Darunter war auch Co-Vorstandschef Anshu Jain, der im Frühsommer 2015 sein Amt zur Verfügung stellte. Einen Zusammenhang zwischen dem Rücktritt und dem Bafin-Bericht wies die Bank allerdings zurück.

Mit vier mutmaßlich in den Zinsskandal verwickelten Händlern hat sich die Deutsche Bank in Frankfurt nach langem Hin und Her auf einen Vergleich geeinigt, der ebenfalls Geld kostete. Ob das Zinskapitel wirklich abgeschlossen ist, ist offen. In den USA könnten auch Sammelklagen von Anlegern gegen die Bank zugelassen werden. Sie müssen aber eindeutig nachweisen, dass ihnen durch die Manipulationen Nachteile entstanden sind.

US-Hypotheken

Ende 2013 zahlte die Deutsche Bank 1,4 Milliarden Euro (1,919 Milliarden US-Dollar) für die Beilegung ihres größten Rechtsstreits im Zusammenhang mit fragwürdigen Hypothekengeschäften in den USA. Das Institut soll vor der Finanzkrise beim Verkauf von Wertpapieren, die mit Hypotheken unterlegt sind, falsche Angaben gemacht haben. Andere Verfahren, die die amerikanischen Federal Housing Finance Agency (FHFA) gegen die Deutsche Bank und weitere Häuser angestrengt hatte, sind aus dem Vergleich jedoch ausgeklammert. Auch andere Klagen liegen noch auf dem Tisch und könnten potenziell viel Geld kosten.

CO2

Die Frankfurter Staatsanwaltschaft ermittelte gegen die Bank wegen des Verdachts der Umsatzsteuerhinterziehung im Zusammenhang mit dem Betrug mit CO2-Verschmutzungsrechten. Rund 500 bewaffnete Polizisten und Steuerfahnder hatten deshalb Ende 2012 den Hauptsitz der Bank in Frankfurt und andere Büros durchsucht. Ex-Co-Chef Fitschen und der langjährige Finanzvorstand Stefan Krause gehörten zu ursprünglich 25 Mitarbeitern der Bank, gegen die in der Affäre wegen schwerer Steuerhinterziehung ermittelt wurde. Denn Fitschen und Krause hatten die auf dem CO2-Betrug basierende Steuererklärung unterzeichnet. Im August 2015 erhob die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt schließlich gegen acht beteiligte Kundenbetreuer und Händler der Deutschen Bank Anklage wegen „bandenmäßiger Steuerhinterziehung“. Im Juni 2016 verurteilte das Frankfurter Landgericht sechs ehemalige Beschäftigte der Deutschen Bank, weil sie die millionenschweren Steuerbetrügereien ermöglicht hatten.

Devisen und Derivate

Aufseher, darunter auch die Bafin, gehen dem Verdacht nach, dass Banken am billionenschweren Devisenmarkt ebenfalls getrickst haben. Einige internationale Großbanken haben in der Sache bereits milliardenschwere Vergleiche geschlossen. Die Deutsche Bank als einer der größten Devisenhändler der Welt allerdings noch nicht.

Sie hat Finanzkreisen zufolge aber mehrere Händler vom Dienst suspendiert. Sie stehen offenbar im Verdacht, an Referenzkursen gedreht zu haben. Die Bank ist beklagte in drei Sammelklagen in den USA und zwei kanadischen Sammelklagen, die im September 2015 erhoben wurden. Die Deutsche Bank hat erklärt, dass sie zur Aufklärung des Skandals mit verschiedenen Aufsichtsbehörden zusammenarbeitet und zudem eine interne Untersuchung gestartet hat. Diese Untersuchung ergab nach Angaben aus Finanzkreisen, dass es bislang keinerlei Hinweise auf Tricksereien bei den großen Währungen Euro, Dollar, Pfund und Yen gibt, wohl aber vereinzelt beim russischen Rubel und dem argentinischen Peso.

Vom Haken sind die Frankfurter aber nicht: In der US-Niederlassung der Bank installierte die New Yorker Finanzaufsicht DFS einen Kontrolleur, der sich Finanzkreisen zufolge nun schon seit einigen Monaten das elektronische Devisenhandelssystem genauer anschaut. Demnach sind Algorithmen der Plattform „Autobahn“ Teil der Ermittlungen. Amerikanische und deutsche Aufseher gehen zudem dem Verdacht nach, dass Geldhäuser den viel beachteten Marktindex für Swap-Geschäfte (Isdafix) zu ihren Gunsten beeinflusst haben. Die Deutsche Bank hat für Zinsswap-Manipulationen bereits 50 Millionen US-Dollar zahlen müssen.

Geldwäsche in Russland

Im Juni 2015 war bekannt geworden, dass Ermittler rund um den Globus dem Verdacht nachgehen, russische Kunden könnten über die Deutsche Bank Rubel-Schwarzgeld im Wert von mindestens sechs Milliarden Dollar gewaschen haben. Die Bank hat versprochen, zur Aufarbeitung der Affäre mit den Behörden zusammenzuarbeiten. Mehrere Mitarbeiter in der Moskauer Niederlassung wurden deshalb vor die Tür gesetzt, darunter auch der ehemalige Chef-Händler in Russland, Tim Wiswell.

Inzwischen hat die Affäre eine neue Dimension erreicht: Das US-Justizministerium und die Finanzbehörde von New York (DFS) prüfen laut einem Medienbericht, ob die Bank gegen Sanktionen verstoßen hat. Dabei gehe es auch um die Frage, ob Geschäfte mit Vertrauten von Russlands Präsident Wladimir Putin gemacht wurden und ob die Bank intern geeignete Vorkehrungen getroffen hat, um solche Verstöße zu verhindern.

US-Steuerstreit

Das US-Justizministerium ermittelt seit mehr als fünf Jahren gegen Finanzinstitute in der Schweiz wegen mutmaßlicher Beihilfe zur Steuerhinterziehung. Am Haken haben die Behörden seit 2013 auch die Deutsche Bank. Deren Schweizer Tochter erstatte Selbstanzeige. Finanzkreisen zufolge hat sich die Deutsche Bank bei den US-Behörden gemeldet, weil sie den Verdacht hegte, einige US-Kunden könnten ihr Vermögen in der Schweiz vor dem heimischen Fiskus versteckt haben. Seither würden Daten an die USA geliefert und Anfragen beantwortet. Eine Strafzahlung könne die Bank damit aber wohl nicht abwenden, sondern nur auf einen Rabatt hoffen. Eine Entscheidung steht noch aus. Das Bußgeld kann sich auf bis zu 50 Prozent der versteckten Gelder belaufen. Bereits im Dezember 2010 hatte die Deutsche Bank 550 Millionen US-Dollar Strafzahlungen für Beihilfe zur Steuerhinterziehung zahlen müssen.

Eine Hypothekenstrafe über sieben Milliarden Dollar wäre aus seiner Sicht für die Deutsche Bank „sehr gefährdend“. Das Institut müsse sich dann Gedanken machen, wie es die Kapitalquote erhöhen könne. Sonst rücke das Ziel, bis Ende 2018 eine Kernkapitalquote von 12,5 Prozent zu erreichen, in weite Ferne. LBBW-Analyst Ingo Frommen sieht schon ab einer Strafe von 5,6 Milliarden Dollar Handlungsbedarf. „Investoren wollen nicht, dass die Kapitalquote der Bank zu nahe an den Mindestanforderungen der Regulierer liegt.“

Besonders brisant: Die Deutsche Bank zählt zu jenen Instituten, die als relevant für das weltweite Finanzsystem gelten - entsprechend streng sind die Kapitalauflagen. Dass die Bank die Kapitaldecke mit erwirtschafteten Gewinnen stärkt, ist aus Sicht von Clemens Fuest, dem Präsident des Münchener Ifo-Instituts, unwahrscheinlich. „Die Gewinne der Bank sind derzeit so niedrig, dass sie kaum ausreichen werden, die Lücke zu füllen.“

Der vermeintlich einfachste Weg, um die Kapitalquote zu erhöhen, ist der Abbau von Risiken. Die Deutsche Bank hat das ohnehin vor, besonders im Investmentbanking. Bereits Ende Juli hat Cryan durchblicken lassen, dass der 2015 verkündete Schrumpfkurs womöglich verschärft werden muss. Experte Dieter Hein vom Analysehaus Fairesearch geht davon aus, dass die Deutsche Bank eine Kapitalerhöhung auch bei einer hohen Strafzahlung verhindern will. „Stattdessen erwarte ich, dass sie riskante Wertpapiere losschlägt und größere Einschnitte im Investmentbanking vornimmt.“

Kommentare (5)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Thomas Behrends

13.10.2016, 14:16 Uhr

Schauen Sie sich doch einmal diesen müden John Cryan (ja richtig, der Mann mit den tiefen Tränensäcken) an. Das ist doch kein Macher, Keiner, der einen mitzieht und motivierend auf seine Mitarbeiter wirken kann (ganz im Gegensatz zu Alfred Herrhausen!).

Eher sieht er aus wie ein trauriger Buchhalter, der in der hintersten Ecke des Finance & Accounting Dept. sitzt und sich auf seine Rente freut.

Und dieser Mann soll die Deutsche Bank aus dem Schlamassel reißen? Niemals!

Herr Holger Schmidt

13.10.2016, 14:19 Uhr

Eine weitere Lösung des Problems wäre endlich mal Paul Achleitner in den Ruhestand zu versetzen. Schließlich hat er an dieser verheerenden Strategie festgehalten und sich von den 1000 Bankräubern (Investment Banker - mit Anju Jain als Anführer) schön veräppeln lassen. Übrigens von wegen Kulturwandel: es laufen immernoch 500 Räuber in der Bank herum und kassieren fleißig weiter. Eine Streichung der Boni`s würde denen nicht wehtun, da diese Herren Festgehälter zwischen € 500.000,-- und € 2.000.000,-- bekommen. Es stinkt immernoch gewaltig bei dieser Bank. Aber wie dem auch sei, die Abwicklung naht

Herr Thomas Behrends

13.10.2016, 14:26 Uhr

@ Herr Holger Schmidt

Wenn man erst einmal in solchen hohen Milliardenschweren Sphären bewegt, verliert man leicht den Blick auf das Wesentliche.

Selbst die einfachsten Dinge des kaufmännisch-betriebswirtschaftlichen Lebens beherrschen die "edlen Herren" nicht mehr.

Das A & O der BWL -> arbeiten und wirtschaften mit knappen Ressourcen.

Fehlanzeige! Es ist (oder besser, es war) ja genügend Geld da.

Statt dessen -> Arroganz. O-Ton eines Vorstandsvorsitzenden (ich glaube, dass es Breuer oder Kopper war): Ich verhandele doch nicht mit Unternehmenschefs, die einen Jahresumsatz von unter 1 Milliarde DM aufweisen.

Tja, und heute? Da wären die Herren über das eine oder andere kleinere oder mittel-große Geschäft wohl dankbar.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×