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05.05.2014

15:49 Uhr

Geldpolitik

Wie eine Sparkasse gegen den Zinseszins kämpft

VonOliver Stock

Manchmal kommen die größten Ideen aus den kleinsten Gegenden: Die Sparkasse Rosenheim-Bad-Aibling will unser Geldsystem auf den Kopf stellen. Nicht jeder reagiert auf diesen Vorschlag begeistert.

Ein Sparkassenbuch (Sparbuch) der Sparkasse liegt unter Euro-Geldscheinen: „Doch unser Geldsystem ist nicht gottgegeben. Wir Menschen haben es geschaffen und könnten es auch wieder verändern.“ dpa

Ein Sparkassenbuch (Sparbuch) der Sparkasse liegt unter Euro-Geldscheinen: „Doch unser Geldsystem ist nicht gottgegeben. Wir Menschen haben es geschaffen und könnten es auch wieder verändern.“

Man kennt das ja: Die größten Philosophen kommen oft aus überschaubarer Umgebung. Das war so bei Kant und seinem Königsberg, das war auch so bei Kierkegaard und seinem Kopenhagen. Beides keine Städte, die im vorletzten Jahrhundert der Nabel der Welt waren, und dennoch entsprangen hier Gedanken, die die Weltgeschichte veränderten. In diese Tradition stellt sich jetzt auch die Sparkasse Rosenheim-Bad Aibling.

Vier Milliarden Bilanzsumme, 1.000 Mitarbeiter, 200 Geldautomaten - keine Frage, die Sparkasse ist keine kleine Nummer, und sie gönnt sich deswegen regelmäßig ein Thema des Monats, in dem sie Stoff zum Nachdenken für alle liefert. Diesmal geht es um den Zins.

Das, was die Sparkasse dort in Form einer kleinen Sonntagspredigt ohne Namensnennung des geistigen Vaters oder der Mutter dieser Gedanken aufgeschrieben hat, lässt Blogger bloggen, es wird geliked, gepostet und getweetet.

Die größten Sparkassen Deutschlands

Die Sparkasse Bremen AG

Mit einer Bilanzsumme von 10,7 Milliarden Euro (2011) ist die Sparkasse Bremen die zehntgrößte Sparkasse in Deutschland. In dem kleinen Bundesland arbeiten 1.558 Menschen bei der Sparkasse.

Ostsächsische Sparkasse Dresden

Die Sparkasse in der sächsischen Landeshauptstadt kam im Jahr 2011 auf eine Bilanzsumme von 11,8 Milliarden Euro. Bei der Ostsächsischen Sparkasse Dresden arbeiten 1.708 Angestellte in 142 Filialen.

Nassauische Sparkasse

2011 kam die Nassauische Sparkasse mit Sitz in Wiesbaden auf eine Bilanzsumme von 11,9 Milliarden Euro. Sie kommt auf 225 Filialen - so viele wie keine andere Sparkasse.

Stadtsparkasse Düsseldorf

Mit einer Bilanzsumme von 12,1 Milliarden Euro liegt die Stadtsparkasse Düsseldorf auf Rang 7.

Sparkasse Hannover

Die Sparkasse Hannover ist die sechstgrößte Sparkasse in Deutschland. Das Geldhaus in der niedersächsischen Landeshauptstadt hat 2011 eine Bilanzsumme von 12,8 Milliarden Euro ausgewiesen.

Stadtsparkasse München

Die Stadtsparkasse München ist – wenig überraschend – das größte Mitglied des Sparkassenverbands Bayern. Deutschlandweit reicht es mit einer Bilanzsumme von 15,7 Milliarden Euro für Rang fünf.

Frankfurter Sparkasse

Die viertgrößte Deutsche Sparkasse liegt in Hessen. Die Frankfurter Sparkasse kommt auf eine Bilanzsumme von rund 17,9 Milliarden Euro - mit 1.718 Mitarbeitern. In München sind es zum Vergleich 3083 Angestellte.

Kreissparkasse Köln

Die Kreissparkasse Köln auf Rang drei knackt als erste die Marke von 20 Milliarden Euro. Im Jahr 2011 hat sie eine Bilanzsumme von rund 25,2 Milliarden Euro ausgewiesen.

Sparkasse KölnBonn

Rang zwei geht nach Köln. Die Sparkasse KölnBonn ist mit 29,6 Milliarden Euro (2011) noch ein bisschen größer als die Kreissparkasse Köln.

Hamburger Sparkasse

Mit Abstand die größte Sparkasse in Deutschland ist die Hamburger Sparkasse. Die Haspa kam im Jahr 2011 auf eine Bilanzsumme von 39,5 Milliarden Euro. Sie hat auch die meisten Angestellten aller Sparkassen - 5724 Mitarbeiter.

Das Erregende an dieser Zinsgeschichte ist, dass sie das, was Banken im Allgemeinen und Sparkassen im Besonderen über Geld so denken, grundsätzlich infrage stellt. „Wir befinden uns“, heißt es da, „in einem soliden Denkgefängnis, in dem wir uns in Bezug auf das Thema Geld eingerichtet haben.“

Kommentare (25)

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Account gelöscht!

05.05.2014, 16:17 Uhr

Das Problem ist nicht der Zins per se sondern seine ökonomisch nicht gerechtfertigten Komponenten. Zinsbestandteile wie Gewinnbeteiligung, Risikoprämie, Zeitpräferenzprämie müssen den ökonomischen Gegebenheiten entsprechen. So ist ein Zins der in Summe mehr verteilt als ökonomisch an Gewinn erwirtschaftet wird, zum Scheitern verurteilt. Die Zinseszinsproblematik greift dieses Dilemma auf und dass dies gerade jetzt passiert, in einer Zeit in der die westliche Wirtschaft weitestgehend gesättigt ist, die Profitraten wie von Marx vorhergesagt entsprechen fallen (zum Teil negativ werden -> Kapitalverzehr), folgerichtig. Andererseits ist gerade in diesen Zeiten viele Investitionen umso riskanter folglich werden höhere Risikoprämien ökonomisch sinnvoll.

Somit ist das eigentliche Dilemma die auseinanderlaufenden "Geld- und Briefkurse" für Geldkapital in gesättigten Märkten, die ohne Manipulation durch Zentralbanken keine ökonomisch sinnvolle Mitte, keinen Kurs mehr finden und somit "kein Handel mehr stattfindet". Das eigentliche Problem liegt aber meiner Meinung nach noch tiefer: Es ist die Fixierung auf vor allem quantitative, in Geldeinheiten messbare Formen des Wachstums und in gewisser Hinsicht eine Beschränkung, Geisteskrankheit oder evolutionäre Herausforderung für das menschliche Bewusstsein auf die uns die Zinseszinsproblematik hinweisen könnte.

Account gelöscht!

05.05.2014, 17:10 Uhr

Ist wohl der Versuch in Einsteins Spuren zu treten. Ob die auch die Relativitätstheorie begreifen? Tsssss.

Account gelöscht!

05.05.2014, 17:46 Uhr

bevor wir eine große Debatte über den Zins führen, sollten wir uns einem viel dringenderen Problem zuwenden. Früher waren die Banken Dienstleister, die Geld einsammelten und an Firmen und Häuslbauer ausliehen (vereinfacht dargestellt). Inzwischen haben wir weltweit zu viel Banken ohne "Geschäftsmodell", die Risiken eingehen, um möglichst hohe Renditen zu erwirtschaften und ihren "Bankern" möglichst hohe Boni zahlen zu können. Volkswirtschaftlich völlig verfehlt. Treten dann Verluste ein, was ja vorprogrammiert ist, werden diese sozialisiert. Nennt man dann systemrelevant. Hier gilt es dringend anzusetzen. Die bisher vorgesehenen "Lösungen" sind keine, da letzt endlich doch wieder der Steuerzahler zur Kasse gebeten wird und marode Banken nicht abgewickelt werden.

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