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02.10.2015

15:53 Uhr

Geldwäsche bei der Deutschen Bank

„Die Bank muss die Nadel im Heuhaufen finden“

Die Deutsche Bank muss sich mit Vorwürfen der Geldwäsche in Russland herumschlagen. Jetzt will das Institut sich mit einem eigenen System besser gegen Betrug rüsten. Doch das ist gar nicht so einfach.

Für Banken gestaltet sich die Suche nach Betrügern schwer.

Nadel im Heuhaufen

Für Banken gestaltet sich die Suche nach Betrügern schwer.

FrankfurtDie Deutsche Bank will Millionen für die Abwehr von betrügerischen Geschäften in die Hand nehmen. Investitionen in Kontrollsysteme, um Geldwäsche zu verhindern und um die Herkunft von Geldern noch besser nachzuvollziehen, hätten derzeit oberste Priorität, sagte Deutsche-Bank-Manager Werner Steinmüller in einem am Freitag veröffentlichten Reuters-Interview.

„Die Anforderungen in diesem Bereich nehmen weltweit zu – das ist für alle Banken eine große Herausforderung.“ Die Bank steht derzeit wegen einer Geldwäsche-Affäre in Russland im Visier der Behörden. Steinmüller leitet bei Deutschlands größtem Geldhaus das Global Transaction Banking (GTB), das für den Zahlungsverkehr und die Handelsfinanzierung zuständig ist.

Wenn es Wirtschaftssanktionen gegen Länder, Unternehmen oder Personen gebe, könnten Banken diese in ihren Systemen eintragen und Verstöße relativ einfach verhindern, sagte der 61-jährige Unterfranke. „Bei Betrügereien ist es schwieriger. Die Institute müssten Algorithmen programmieren, um verdächtige Geschäfte erkennen. Ein bekanntes Betrugs-Schema lässt sich relativ schnell identifizieren, bei neuen Betrugsmethoden über Länder- und Währungsgrenzen hinweg ist das deutlich schwieriger.“

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Ein Brief macht die Runde im Web: Darin beklagt eine Bank einen als Jux gemeinten Verwendungszweck bei einer Überweisung. Überweisungsspäße sind weit verbreitet – doch Angst vor Geldwäsche lässt nicht alle Banker lachen.

Die Deutsche Bank wickle im Zahlungsverkehr pro Tag 200.000 bis 300.000 Transaktionen ab, betonte Steinmüller. „Sie müssen die Nadel im Heuhaufen finden.“ Behörden rund um den Globus gehen derzeit dem Verdacht nach, dass russische Kunden über die Deutsche Bank Schwarzgeld im Wert von mindestens sechs Milliarden Dollar gewaschen haben. Das Institut gab kürzlich bekannt, das Investmentbanking in Russland aufzugeben. GTB bleibt in dem Land dagegen aktiv. Die Kunden sollen Insidern zufolge aber strenger ausgesiebt werden, um keine weiteren Rückschläge einzustecken.

Die Devisentricks der Banken – und was sie nun kosten

Der Hintergrund

Im weltweiten Skandal um manipulierte Devisenkurse wollen die Regulierer erneut einige Großbanken zur Kasse bitten. Als erstes traf es am Mittwoch wieder einmal die Schweizer UBS, im Tagesverlauf dürften weitere Institute aus Großbritannien und den USA folgen. Die Ermittler sehen es als erwiesen an, dass Händler der Institute versucht haben, an wichtigen Wechselkursen zu schrauben, um Gewinne einzustreichen. Der Devisenmarkt ist billionenschwer und wurde in der Vergangenheit kaum überwacht.

Welche Banken sind aktuell betroffen?

Insidern zufolge wird in Kürze ein milliardenschwerer Vergleich bekanntgegeben, den an vorderster Front das US-Justizministerium eingefädelt hat. Betroffen sind demnach neben der UBS auch Barclays, Royal Bank of Scotland, JP Morgan und Citigroup. Die UBS gab ihren Teil der Strafe bereits am Morgen bekannt: Sie muss wegen Tricksereien am Devisenmarkt weitere 342 Millionen Dollar abdrücken. Das ist vergleichsweise wenig, was daran liegt, dass die Schweizer quasi als Kronzeuge in dem Fall auftraten.

Gab es bereits Vergleiche in der Affäre?

Ja. Im vergangenen November hatte es einen ersten Gruppenvergleich gegeben: Aufseher in Großbritannien, den USA und der Schweiz brummten sechs Geldhäusern eine Strafe von insgesamt 4,3 Milliarden Dollar auf. Einige Banken, die jetzt zahlen müssen, waren schon damals Teil des Vergleichs - der allerdings mit anderen Behörden geschlossen wurde: UBS (die auch hier als erste auspackte), RBS, JP Morgan und Citigroup. Zudem wurden HSBC und Bank of America zur Kasse gebeten. Barclays scherte damals auf den letzten Metern aus - die britische Großbank wollte eine umfangreiche Einigung mit mehr US-Behörden, insbesondere der New Yorker Finanzaufsicht DFS von „Bankenschreck“ Benjamin Lawsky.

Warum ist die Deutsche Bank nicht dabei?

Die Deutsche Bank ist einer der größten Devisenhändler der Welt. Dennoch war sie bislang an keinem Vergleich beteiligt. Nach offiziellem Bekunden sieht sich Deutschlands größtes Geldhaus bei den Tricksereien nicht an vorderster Front. Die Bank startete zur Aufklärung der Affäre aber eine interne Untersuchung. Laut Aufsichtsratskreisen gab es bislang keine Hinweise auf Tricksereien bei den wichtigsten Währungen Euro, Dollar, Pfund und Yen, wohl aber beim russischen Rubel und dem argentinischen Peso. Einige Händler wurden deshalb entlassen oder beurlaubt. Auch Credit Suisse, die Nummer zwei in der Schweiz, sieht sich höchstens am Rande in den Devisenskandal verwickelt.

Sind auch andere deutsche Banken beteiligt?

Die deutsche Finanzaufsicht BaFin erklärte vor einem Jahr, bei mehreren deutschen Geldhäusern liefen interne Devisen-Untersuchungen. Die Ermittlungen sind noch nicht abgeschlossen. Schlagzeilen machte die Commerzbank, die zwei Devisenhändler vor die Tür setzte, die versucht haben sollen den Wechselkurs des polnischen Zloty zu manipulieren.

An welchen Fronten droht weiter ärger?

Unberührt von den bisherigen Vergleichen sind mögliche strafrechtliche Ermittlungen gegen Einzelpersonen. Außerdem drohen im äußersten Fall Schadenersatzklagen von Investoren, wenn sie sich durch die Banken getäuscht sehen. Frühere Schuldeingeständnisse könnten hier eine Rolle spielen. Auch die EU-Kommission kann eigene Bußgelder in der Sache verhängen. Die Behörde in Brüssel ermittelt noch.

„Ein großes Netzwerk ist im Zahlungsverkehr und in der Handelsfinanzierung essenziell“, erklärte Steinmüller. „Ich bin bestrebt, dass weltweite Angebot von GTB beizubehalten. In den vergangenen Monaten haben wir stark davon profitiert, dass Wettbewerber ihr Netzwerk eingedampft und sich aus bestimmten Märkten zurückgezogen haben.“

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