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23.09.2015

17:16 Uhr

Geldzähl-Experte im Interview

„Ein sehr gut gefälschter 500-Euro-Schein ist im Umlauf“

VonLeonidas Exuzidis

Kreditkarten-Firmen wollen Bargeld am liebsten abgeschafft wissen. Für Wolfgang Schelle wäre das schlecht. Der Hersteller von Geldzählmaschinen spricht über falsche Fünfhunderter und Kunden, deren Bargeld er nicht nimmt.

Auch die größten Euro-Geldnoten checken Geldprüfmaschinen auf Echtheit. dpa - picture-alliance

500-Euro-Scheine

Auch die größten Euro-Geldnoten checken Geldprüfmaschinen auf Echtheit.

Wolfgang Schelle ist Teil eines Familienunternehmens: Seine Frau Marlies ist Geschäftsführerin und auch Sohn Björn ist im Unternehmen beschäftigt. Die Firma CashConcepts Europe stellt Geldzählmaschinen her – zuletzt bestellte die Bundesbank ihre Notenzähler bei der Firma mit Sitz am Bodensee. Im Interview spricht Schelle über den Auftrag, den neuen 20-Euro-Schein und die Zukunft des Bargelds.

Herr Schelle, das Zählen von Banknoten macht ja in der Regel sehr viel Spaß. Muss das denn zwingend von einer Maschine übernommen werden?
Da kann man ruhig ganz ehrlich sein: Für Privatleute machen Geldzählmaschinen überhaupt keinen Sinn. Deshalb verkaufen wir unsere Produkte auch nur an Banken und Gewerbetreibende. Da ist halt Schnelligkeit meist wichtiger als der Spaß am Zählen. Die Maschinen schaffen etwa 1200 Noten pro Minute – und Zeit ist ja bekanntermaßen auch Geld.

Wolfgang Schelle ist Export Manager bei CashConcepts Europe. PR

Wolfgang Schelle

Wolfgang Schelle ist Export Manager bei CashConcepts Europe.

Viele Geschäfte werden heute per Kartenzahlung abgewickelt. Ist ihre Branche von der Technik überholt worden?
Der Trend mag weltweit vielleicht dorthin gehen, aber er ist in Deutschland nicht so stark wie in anderen europäischen Staaten. Der Deutsche liebt sein Bargeld. Gut 70 Prozent der Transaktionen werden hier noch bar bezahlt. Und ich glaube, dass sich der Deutsche sein Bargeld auch nicht nehmen lässt.

Ist das denn zu befürworten? Zwar nimmt auch der Kreditkartenbetrug immer mehr zu, doch Bargeldfälscher werden auch immer raffinierter.
Im Endeffekt gilt es, den Betrug in all seinen Facetten so weit es geht zu erschweren. Ähnlich wie Betrüger neue Wege finden, um das System zu hintergehen, finden wir auch neue Wege, um die Sicherheit zu erhöhen. Man kann den Menschen allerdings schwer vorschreiben, ob sie bar oder per Kreditkarte zahlen sollen. Mit Bargeld bleibe ich anonym, das gefällt vielen Leuten.

Diese Länder fahren Kampagnen gegen Bargeld

Dänemark

In ein Regierungsprogramm zur Konjunkturankurbelung hat die dänische Regierung den Plan geschrieben, für kleine Geschäfte, Tankstellen und Restaurants den bisherigen gesetzlichen Annahmezwang für Bargeld aufzuheben. Begründet wird das mit den Kosten, die das Zählen und Bearbeiten des Bargelds mit sich bringt. In den nordischen Ländern hat das elektronische Bezahlen das Zahlen mit Bargeld bereits weitgehend verdrängt.

Frankreich

Ab September 2015 wird für Bürger, die in Frankreich leben, die Bargeldzahlungsgrenze auf 1.000 Euro (bis dahin 3.000 Euro) begrenzt. Für ausländische Bürger liegt die Grenze – um den Tourismus nicht zu stark zu beeinträchtigen ‒ bei 10.000 Euro (bisher 15.000 Euro). Quelle: Buch „Bargeldverbot“, S. 27

Belgien

Seit Januar 2014 hat sich die zulässige Bargeldsumme für Waren und Dienstleistungen von 5.000 Euro auf 3.000 Euro verringert.

Spanien

Barzahlungen von über 2.500 Euro sind nach einem Gesetz vom 30. Oktober 2012 verboten, wenn eine der Parteien professionell oder gewerblich tätig ist. Es dient angeblich dem Kampf gegen Steuerbetrug.

Italien

Barzahlungen von mehr als 1.000 Euro sind in Italien seit Anfang 2012 verboten (Direktive zur Nachvollziehbarkeit von Finanzierungen, vor der Barzahlung mit hohen Beträgen wird gewarnt).

Griechenland

Ab Jahresanfang 2011 sind Geschäfte mit einer Barzahlung von 1.500 Euro und mehr illegal, wenn zumindest ein Partner gewerblich aktiv ist.

Schweden

Kampagne zur Bargeldabschaffung „Bargeldfrei jetzt!“ (Kontantfritt Nu), getragen von der Gewerkschaft für Finanzdienstleister „Finansförbundet“ und „Svensk Handel“ mit Sprüchen wie „Bargeld braucht nur noch deine Oma ‒ und der Bankräuber“ oder „Bargeld ist das Blut in den Adern der Kriminalität“.

Ihre Firma hat von der Bundesbank den Auftrag über die Herstellung und Lieferung von 130 Banknotenzählmaschinen erhalten. Warum gerade Sie?
Man kann seine Geräte auf Falschgelderkennung bei der Bundesbank testen lassen. Das haben wir getan, wie viele andere Firmen auch. Bei uns lag die Falschgelderkennungsquote bei 100 Prozent.

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