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17.01.2013

14:51 Uhr

Genossenschaftliches Geldinstitut

DZ Bank stellt sich 2013 auf Kapitalerhöhung ein

Die neuen EU-Eigenkapitalvorschriften für Banken dürften bei der DZ Bank für Zähneknirschen sorgen, denn das Einbehalten von Gewinnen dürfte nicht unbedingt ausreichen, um einen entsprechenden Stresstest zu überstehen.

Bei der DZ Bank stellt man sich für 2013 auf eine Kapitalerhöhung ein. dpa

Bei der DZ Bank stellt man sich für 2013 auf eine Kapitalerhöhung ein.

BerlinDie genossenschaftliche DZ Bank bereitet ihre Eigentümer angesichts der schärferen Regulierung in diesem Jahr auf eine Kapitalerhöhung vor. Man müsse sich frühzeitig darauf einstellen, dass in absehbarer Zeit eine Kapitalstärkung erforderlich sein könnte, heißt es in einem Reuters am Donnerstag vorliegenden Brief von Bankchef Wolfgang Kirsch und Vorstand Hans-Theo Macke an rund 1000 Volks- und Raiffeisenbanken.

Das genossenschaftliche Spitzeninstitut hat sich hierfür bereits 500 Millionen Euro genehmigen lassen. „Inwieweit wir daneben auf weitere kapitalentlastende temporäre Hilfen der Organisation zurückgreifen müssen, bleibt abzuwarten“, schreiben die Top-Manager in dem Brief an die Eigner, aus dem auch das „manager magazin“ vorab zitierte. Die Bank hatte in der Finanzkrise bereits mit Garantien das Eigenkapital entastet und sich zusätzlich eine Milliarde Euro beschafft.

Kernkapitalquoten nach Basel III im Vergleich

Deutsche Bank

Kernkapitalquote

...nach aktuell gültigen Regeln: 10,2 %

...nach Basel III: 7,2 %

Stand: November 2012, Quellen: Institute, eigene Recherchen, DB Securities

Commerzbank

Kernkapitalquote

...nach aktuell gültigen Regeln: 12,2 %

...nach Basel III: 7,7 %

HSBC

Kernkapitalquote

...nach aktuell gültigen Regeln: 11,3 %

...nach Basel III: 9,2 %

Barclays

Kernkapitalquote

...nach aktuell gültigen Regeln: 10,9 %

...nach Basel III: 8,6 %

UBS

Kernkapitalquote

...nach aktuell gültigen Regeln: 17,2 %

...nach Basel III: größer 9,0 %

Credit Suisse

Kernkapitalquote

...nach aktuell gültigen Regeln: 14,2 %

...nach Basel III: 8,6 %

JP Morgan

Kernkapitalquote

...nach aktuell gültigen Regeln: 9,5 %

...nach Basel III: 8,4 %

Bank of America

Kernkapitalquote

...nach aktuell gültigen Regeln: 11,2 %

...nach Basel III: 9,0 %

Goldman Sachs

Kernkapitalquote

...nach aktuell gültigen Regeln: 13,1 %

...nach Basel III: 8,5 %

Morgan Stanley

Kernkapitalquote

...nach aktuell gültigen Regeln: 13,5 %

...nach Basel III: ca. 9,0 %

Wesentlicher Grund für die neuen Kapitalmaßnahmen sind laut Kirsch die schärferen Vorgaben durch das neue Regelwerk Basel III. Danach zählen bestimmte bei der DZ Bank verbreitete Kapitalformen, wie etwa Nachranganleihen, künftig nicht mehr zum relevanten harten Kernkapital. Der Kapitalbedarf kann nach Ansicht der Vorstände voraussichtlich nicht allein durch einbehaltene Gewinne gedeckt werden. Für 2012 ist Finanzkreisen zufolge mit einem Vorsteuergewinn von gut einer Milliarde Euro zu rechnen - mehr als drei Mal soviel wie 2011.

Unter Basel III kommt die DZ Bank nach eigener Einschätzung auf eine harte Kernkapitalquote von voraussichtlich acht bis neun Prozent, was über den geforderten 4,5 Prozent läge. Offen sei aber noch, ob im Rahmen eines Stresstests noch mehr verlangt werde.

Wo Banker die größten Probleme sehen

Bankenaufsicht und Regulierung

Die größten Probleme sehen die Manager von Finanzhäusern in der verschärften Bankenaufsicht und der Regulierung. 94 Prozent nannten dies als größte Herausforderung der Branche für die Jahre 2013 bis 2015. Die Unternehmensberatung Steria Mummert und Forsa befragten 120 Führungskräfte aus 120 Kreditinstituten. 100 davon aus Deutschland, 20 aus Österreich. Die Studie wurde im November 2012 veröffentlicht.

Kosten

An zweiter Stelle stehen die Kosten: 75 Prozent der Bank-Manager sehen den Renditedruck auf der Branche lasten.

Risikomanagement

Im Zuge der Finanzkrise und der verschärften Regulierung müssen die Banken besser mit ihren Risiken umgehen. Dementsprechend sehen immerhin 74 Prozent der befragten Banker den Umbau des Risikomanagements als Herausforderung.

Vertrieb und Kundenmanagement

Ebenfalls große Probleme sehen die Finanzhäuser im Vertrieb und Kundenmanagement. Hier sehen 71 Prozent der Bank-Lenker Herausforderungen.

Wettbewerb

Neue Anbieter, auch aus fremden Branchen, drängen in das Stammgeschäft der Geldhäuser. 71 Prozent der Finanzmanager sehen dies als Problem.

Finanz- und Schuldenkrise

Die Situation auf den Finanzmärkten belastet natürlich auch die Banken. Dementsprechend beobachten 70 Prozent der Geldhaus-Lenker die Lage in Griechenland und den Kapitalmärkten gespannt.

Demographische Entwicklung

Mit etwas Abstand, aber dennoch mit großer Sorge, betrachten die Banker die Alterung der Bevölkerung. Die demographische Entwicklung betrachten immerhin 68 Prozent der von Steria Mummert und Forsa befragten als Herausforderung.

Optimierung der Geschäftsprozesse

Rund 63 Prozent der Geldhaus-Manager erachten den Umbau von Betriebsabläufen als Herausforderung.

Konjunktur

Weniger Sorge bereitet den Bank-Lenkern offenbar die Entwicklung der Konjunktur. Nur 53 Prozent gaben dies als Problem an.

Kreditrisiko

Kreditrisiken bringen die Banker auch nicht um den Schlaf: Nur 39 Prozent bereitet dieses Thema Sorgen.

Optimierung der Informationstechnik

Die Verbesserung der hauseigenen Computersysteme sehen 38 Prozent der Befragten als Herausforderung.

Liquiditätsmanagement

Die geringsten Sorgen bereitet den Bank-Lenkern das Liquiditätsmanagement. Nur 32 Prozent sehen dies als Problem.

Zudem sei noch nicht klar, welche zusätzlichen Kapitalanforderungen die DZ Bank als voraussichtlich national systemrelevantes Institut erfüllen müsse, heißt in dem Brief. Daher ist Finanzkreisen zufolge auch das Volumen der Kapitalmaßnahmen noch offen. „Es ist nur ziemlich sicher, dass 2013 was kommen wird“, betonte ein Insider. Die Bank äußerte sich nicht dazu.

Von

rtr

Kommentare (1)

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Mazi

17.01.2013, 20:09 Uhr

Es sei denn, dass man Kreditgeschäft mit Privaten und Firmenkunden abbaut und mit griechischen Anleihen ersetzt.

Dann ist zwar risikomäßig alles schief, aber aufsichtstechnisch ist alles oK.

Daran erkennt man die Unsinnigkeit der bankenaufsichtsrechtlichen Regelungen.

Man sollte die Bediensteten in der Bankenaufsicht in eine volkswirtschaftlich sinnvolle Beschäftigung überführen und die Finanzaufsicht mit kompetenten Mitarbeitern, statt mit "Staatsdienern", besetzen. Um die gröbsten Auswüchse zu verhindern sollte niemand mehr dort tätig sein, der noch nie in dem von ihm zu überwachenden Aufgabengebiet aktiv gearbeitet hat.

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