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11.11.2013

15:21 Uhr

Gerd Häusler

BayernLB-Chef verschiebt seinen Abschied

Eigentlich wollte der Chef der BayernLB, Gerd Häusler, zum Jahresende abtreten. Doch die Suche nach einem Nachfolger gestaltet sich schwierig. Insbesondere das vergleichsweise geringe Gehalt schreckt Bewerber ab.

Gerd Häusler, Vorsitzender des Vorstandes der Bayern LB, bleibt wohl noch länger. dpa

Gerd Häusler, Vorsitzender des Vorstandes der Bayern LB, bleibt wohl noch länger.

MünchenBayernLB-Chef Gerd Häusler bleibt mangels Nachfolger länger als geplant an der Spitze der Landesbank. Häusler sei bereit, seinen Rückzug auf den 31. März 2014 zu verschieben, hieß es am Montag in Finanzkreisen. Ursprünglich hatte er seinen vorzeitigen Rücktritt zum 31. Dezember angekündigt. Die Suche nach einem Nachfolger gestaltete sich aber auch wegen der Deckelung des Jahresgehalts auf 500 000 Euro schwierig - wenig im Vergleich zu den Millionengehältern anderer Bankchefs. Aber mehr darf die BayernLB als staatlich gerettete Bank nicht zahlen. Zudem müssen auch bei dem potenziellen Nachfolger bestehende Vertragslaufzeiten eingehalten werden.

Bei der BayernLB erwartet den neuen Chef viel Arbeit, da der Umbau der Landesbank noch längst nicht abgeschlossen ist und ein Rechtsstreit mit der einstigen Tochter Hypo Alpe Adria viel Arbeit macht. Häusler hatte in den vergangenen Jahren einen harten Sanierungskurs bei der BayernLB umgesetzt, nachdem die Bank vor fünf Jahren mit Milliardenhilfen vor der Pleite gerettet werden musste. Seine Rücktrittsankündigung eine Woche nach der Landtagswahl in Bayern hatte bei der Staatsregierung für Bedauern gesorgt, da insbesondere Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) viel von Häusler hält und ihn gerne weiterhin im Amt gesehen hätte.

Die Baustellen der BayernLB

EU-Verfahren

Bayern hat seine Landesbank nach der Finanzkrise 2008 mit zehn Milliarden Euro stützen müssen. Im Gegenzug machte die EU der Bank und dem Freistaat Auflagen in einem Beihilfeverfahren. Das Verfahren war Ende Juli 2012 abgeschlossen. Die Auflagen, durch die die Bank vor allem kleiner und weniger risikoanfällig gemacht werden soll, sind noch nicht alle erfüllt. Bis 2019 muss die Bank unter anderem noch rund fünf Milliarden Euro an Staatshilfen an Bayern zurückzahlen. Gut 900 Millionen davon hat sie bereits abgestottert.

Streit mit der HGAA

Es war ein milliardenteurer Fehlkauf: Die Übernahme der österreichischen Hypo Group Alpe Adria (HGAA) 2007 entwickelte sich zu einem Alptraum. Ende 2009 musste die HGAA an Wien zurückgegeben werden. Die Banken streiten weiter und verklagen sich gegenseitig.

HGAA-Desaster vor Gericht

Ebenfalls vor Gericht wird um Schadenersatz für das Debakel gerungen. Der Aufsichtsrat der BayernLB verklagte bereits 2011 den früheren Vorstand der Bank auf 200 Millionen Euro. Da die Rolle der Vorstände auch strafrechtlich noch nicht geklärt ist, dürfte das noch eine Weile dauern. Die BayernLB selbst verklagte zwei frühere Aufseher, nämlich Ex-Finanzminister Kurt Faltlhauser (CSU) und den früheren Sparkassenpräsidenten Siegfried Naser auf 200 Millionen Euro Schadenersatz.

Die Staatsanwaltschaft und die HGAA

Auch strafrechtlich soll das Debakel um die HGAA Konsequenzen haben - fordert zumindest die Staatsanwaltschaft München I. Die ermittelte lange gegen die früheren Vorstände der Bank und erhob bereits im Mai 2011 Anklage wegen Untreue. Anfang August dann der Knall: Das Landgericht München ließ die Klage in weiten Teilen nicht zu - und machte klar: eine Pflichtverletzung oder gar Untreue sei bei den Vorständen nicht zu erkennen. Der Ausgang ist offen, das Oberlandesgericht München prüft noch immer die Beschwerde der Staatsanwaltschaft gegen die Nichtzulassung der Anklage.

Der milliardenteure Fehlkauf der österreichischen Hypo Group Alpe Adria (HGAA) 2007 belastet die BayernLB bis heute. Die HGAA weigert sich, Kredite zurückzuzahlen - insgesamt geht es um rund 2,3 Milliarden Euro, die die BayernLB von der HGAA fordert. Am 25. November wird der Fall vor dem Landgericht München verhandelt.

Inzwischen arbeitet die BayernLB, die mehrheitlich dem Freistaat Bayern gehört, wieder profitabel. Im ersten Halbjahr verdiente sie mit 720 Millionen Euro vor Steuern bereits mehr Geld als im gesamten Vorjahr und will auch für das Gesamtjahr schwarze Zahlen erreichen. Wie das dritte Quartal gelaufen ist, gibt Finanzvorstand Stephan Winkelmeier am Mittwoch (13. November) bekannt. Auch er will die Bank Medienberichten zufolge aber bald verlassen. Als Nachfolger ist nach Informationen des „Handelsblattes“ (Montag) Controlling-Chef Markus Wiegelmann im Gespräch. Die BayernLB äußerte sich nicht dazu.

Von

rtr

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