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10.09.2012

10:51 Uhr

Gerd Häusler im Interview

„Banken können nicht in der Cowboy-Manier weitermachen“

VonSven Afhüppe, Frank Matthias Drost

Die Bankenbranche hat sich verändert, meint Gerd Häusler. Die Aufsicht kontrolliere jetzt auch viel strenger. Der Chef der BayernLB über Finanzskandale, radikale Personalentscheidungen und den Kulturwandel von innen.

Der Vorstandsvorsitzende der Bayerischen Landesbank, Gerd Häusler. dapd

Der Vorstandsvorsitzende der Bayerischen Landesbank, Gerd Häusler.

MünchenHerr Häusler, Bankmanager haben mittlerweile einen Ruf wie Politiker. Sie versprechen viel und halten kaum etwas. Sind Sie noch gerne Banker?
Die Herausforderungen sind beträchtlich; Bankmanager haben eine gesellschaftspolitische „Bringschuld“, Freude an der Arbeit ist auch dabei. Der Vorwurf, dass sich in den Banken nichts verändert hat, stimmt übrigens nicht.

Es ist aber doch erst wenige Wochen her, dass bekannt wurde, wie der wichtigste Zinssatz im Interbankengeschäft, der Libor, über Jahre systematisch manipuliert worden ist.
Die Libor-Affäre ist ein schlimmer Fall, der das Vertrauen in die Bankenbranche einmal mehr erschüttert. Wichtig ist aber auch, dass sowohl der Libor-Skandal wie all die Geschäfte mit faulen Immobilienkrediten oder undurchsichtige Zinsspekulationen einige  Jahre zurück liegen und in der Zwischenzeit sehr viel passiert ist. Die Kulturwende bei den Banken in Kontinentaleuropa ist unwiderruflich und nachhaltig. Die Banken, die in der Finanzkrise am tiefsten gefallen sind und wie die BayernLB Staatshilfe zum Überleben in Anspruch nehmen mussten, haben am schnellsten und am deutlichsten für alle sichtbar aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt.

Vita

Der Banker

Gerd Häusler gehört zu den profiliertesten deutschen Bankern: Er war Vorstand der Bundesbank, Vorstand der Dresdner Bank und Leiter der Kapitalmarktabteilung beim Internationalen Währungsfonds. Zusammen mit Ex-Bundesbank-Chef Axel Weber gehört er zum renommierten Think-Tank "Group of 30". Häusler ist überzeugter Liberaler, von der FDP wünscht er sich ein klares Profil.

Die Bank

Zehn Milliarden Euro pumpte der Freistaat in die BayernLB, um die Bank vor der Pleite zu retten. Allmählich schält sich ein neues Geschäftsmodell heraus, bei dem die Finanzierung des Mittelstands im Vordergrund steht.

Verstehen Sie Manager, die wie MunichRe-Chef von Bomhardt sagen, die Banken hätten mit dem Libor-Skandal den letzten Rest Vertrauen verspielt?
Ich verstehe jeden, der die Skandale kritisiert. Ich gehörte selbst zu den schärfsten Kritikern, als sich die Banken 2008 nicht gleich zu einem klaren mea culpa haben durchringen können. Aber: Die Skandale über die wir heute reden, gehen auf Fehlverhalten vor Jahren zurück. Mittlerweile hat nicht nur ein konsequentes Umdenken in den meisten Bankhäusern eingesetzt, siehe zuletzt bei Barclays. Die Bankenaufsicht kontrolliert die Finanzinstitute auch viel strenger als früher.

Wie macht sich das bemerkbar?
Die Finanzaufseher kümmern sich mittlerweile intensiv um viele Details und nehmen regelmäßig an Sitzungen von Aufsichts- und Verwaltungsräten teil. Schon allein dieses Vorgehen ließe es nicht zu, in der alten Cowboy-Manier weiterzumachen. Unterm Strich sind die Entscheidungen in den Führungsebenen von Banken aus meiner Sicht viel risikoaverser als noch vor einigen Jahren. Auch  dies zeigt sich besonders deutlich am Beispiel der BayernLB.

Die Fehler der Vergangenheit gingen vor allem auf Gier und Maßlosigkeit in den Banketagen zurück. Mit welchen Werten lässt sich der aktuelle Kulturwandel am besten beschreiben?
Die Banken sind Dienstleister am Kunden. Andere Ziele verfolgen sie in der großen Mehrheit nicht mehr. Die Gewinne, die wir mit diesem Kundengeschäft machen, sollen nachhaltig sein. Dazu gehört dann auch eine größere Bescheidenheit bei den Gewinnzielen.

Kommentare (6)

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allemeineentchen

10.09.2012, 11:06 Uhr

Doch, das können sie und machen es auch !
Warum sollen sie sich denn auch ändern ? Alte Rezepte
und deren Anpassung an die aktuelle Lage funktionieren
nach wie vor bestens. Es gibt nur ein Mittel, um wenigstens die überbordenden Risiken zu minimieren : Alle Banken, Finanzinstitute, Versicherungen u. ä. auf ein unkritisches Maß verkleinern.

r-tiroch@t-online.de

10.09.2012, 11:24 Uhr

aus fehlern gelernt? warum handeln die Banken wieder mit den Giftpapieren? entweder wird der Bürger verarscht, oder mit dem nachhaltigen gesülze stimmt was nicht.

Brasil

10.09.2012, 13:15 Uhr

„Banken können nicht in der Cowboy-Manier weitermachen“!
Natürlich können sie, weil sie niemand stoppt. Nicht die Banken sind das Problem, sie erfüllen nur ihre Aufgabe im Auftrag ihrer Eigner!
Es ist ausschließlich Aufgabe der Regierungen, die Auswüchse durch geeignete Maßnahmen zu überwachen und zu regulieren!
Aber diese Tölpel von Regierungsmitgliedern sind absolut unfähig für ihre gesamten Aufgaben und nur deshalb haben wir nun die unaufhaltsame Katastrophe. Hoffentlich eskaliert sie bald, damit wir die Chance zu einem Neubeginn haben. Auf der anderen Seite, wird uns ein Reset aber nicht viel nützen, denn das Geldsystem ist die Ursache und das istseit jahrhunderten von Rothschild & Co extrem sicher etabliert und niemand ändert es, außer dass es im Sinne dieser Maffia immer weiter verfeinert wird!
Wenn nicht dieses mal das GESAMTE Weltvermögen dieser Gangsterbrut zufällt, dann eben beim nächsten mal ganz sicher!
Vielleicht spricht aus meiner Äußerung auch der Neid, nicht zum Kreis der 13 Familien zu gehören, die die Welt ausraubt!

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