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06.06.2014

11:12 Uhr

Geringere Löhne

Commerzbank senkt Kosten mit Servicetöchtern

Um Kosten zu senken, verlagert die Commerzbank Tätigkeiten wie den Zahlungsverkehr zu Servicetöchtern. Diese sitzen außerhalb von Frankfurt, zählen aber zum Konzern. Für den Personalvorstand ist das ein großer Vorteil.

Commerzbank profitiert von Übernahmegerüchten

Video: Commerzbank profitiert von Übernahmegerüchten

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DüsseldorfWährend in den Filialen und der Zentrale mehrere tausend Jobs verschwinden, setzt die Commerzbank auf billigere Servicetöchter. Das berichtet die Wirtschaftswoche vorab. „Mittlerweile arbeiten dort über 2000 Mitarbeiter und noch im laufenden Jahr planen wir einen weiteren Ausbau um circa 300 neue Mitarbeiter“, sagte Commerzbank-Personalvorstand Frank Annuscheit im Interview mit dem Magazin. Die Commerzbank verlagere zunehmend Aufgaben in konzerneigene Servicegesellschaften, sodass diese laut Annuscheit immer mehr Geschäft abwickelten.

Die Standorte lägen meist in Regionen mit niedrigerem Lohnniveau als der Hauptsitz Frankfurt und zunächst seien dort vorwiegend standardisierte Tätigkeiten wie Zahlungsverkehr oder einfache Kontoführung bearbeitet worden, schreibt die Wirtschaftswoche weiter. „Die Servicetöchter übernehmen nun aber immer anspruchsvollere Aufgaben wie Softwaretests, Teile der Wertpapierabwicklung oder Aufgaben aus der Kreditsachbearbeitung“, sagte Annuscheit dem Magazin.

Chronik der Commerzbank seit der Krise 2008

August 2008

Die Commerzbank kündigt an, die Dresdner Bank für rund zehn Milliarden Euro von der Allianz zu übernehmen.

September 2008

Die Insolvenz der US-Investmentbank Lehman Brothers verschärft die Finanzkrise dramatisch und bringt Banken rund um den Globus ins Wanken.

November 2008

Die Commerzbank verhandelt den Preis für die Dresdner Bank auf knapp sechs Milliarden Euro herunter und zieht die Übernahme vom zweiten Halbjahr 2009 auf Januar 2009 vor. Die Allianz schießt der Commerzbank 750 Millionen Euro in Form einer Stillen Einlage zu.

Dezember 2008

Die Commerzbank entdeckt höhere Kreditrisiken bei der verlustreichen Dresdner Bank. Um die Übernahme trotzdem stemmen zu können, zapft die Commerzbank den staatlichen Bankenrettungsfonds (Soffin) an. Die Bank erhält 8,2 Milliarden Euro an stillen Einlagen, die jährlich mit neun Prozent verzinst werden sollen, und staatliche Garantien über 15 Milliarden Euro.

Januar 2009

Der Soffin übernimmt für 1,8 Milliarden Euro - sechs Euro je Papier - 25 Prozent plus eine Aktie an der Commerzbank (Teilverstaatlichung) und pumpt zusätzlich weitere 8,2 Milliarden Euro an stillen Einlagen in die Bank.

April 2011

Die Commerzbank kündigt an, von den stillen Einlagen des Soffin über 16,4 Milliarden Euro bis Juni rund 14,3 Milliarden zurückzugeben. Das gilt als erster Befreiungsschlag. Das Geld kommt aus der Platzierung von Pflichtumtauschanleihen und einer Kapitalerhöhung über 5,3 Milliarden Euro. Weitere gut drei Milliarden Euro kann die Bank so zurückgeben, weil sie das Kapital nach damaliger Einschätzung nicht braucht.

Oktober 2011

Commerzbank-Chef Martin Blessing schließt weitere Staatshilfen kategorisch aus, nachdem die EU-Bankenaufsicht EBA bei dem Institut im Zuge der Euro-Schuldenkrise ein Kapitalloch von gut fünf Milliarden Euro ausgemacht hat. Da geh ich nicht nochmal hin, sagt er und meint den Soffin. Er hält Wort - die Bank stopft das Loch in den Folgemonaten aus eigener Kraft: Hybridpapiere werden in echtes Eigenkapital getauscht, Führungskräfte erhalten ihre Boni in Aktien statt in bar, Risiken im Kreditbuch werden neu bewertet und toxische Wertpapiere ausgemistet.

Juni 2012

Für die Bonusaktien startet die Bank eine kleine Kapitalerhöhung und wirft 128 Millionen Papiere auf den Markt. Der Großteil der Mitarbeiter verkauft die Aktien aber anschließend gleich wieder. Der Soffin wandelt zeitgleich zur Kapitalerhöhung weitere stille Einlagen in Aktien um, um seine Beteiligungsquote von 25 Prozent an der Bank zu halten.

März 2013

Der Soffin lässt die Beteiligung an der Commerzbank im Juni erstmals unter 25 Prozent fallen. Mit einer Kapitalerhöhung um 2,5 Milliarden Euro will die Bank bis Anfang Juni nicht nur die restlichen stillen Einlagen des Soffin von 1,6 Milliarden Euro zurückzahlen, sondern auch die 750 Millionen Euro schwere Finanzspritze der Allianz.

Mai 2013

Die Commerzbank gibt am 14. Mai die Details für die Kapitalerhöhung bekannt. Am 30. Mai wird sie erfolgreich abgeschlossen. Die Frankfurter Großbank sammelte 2,5 Milliarden Euro ein. Der Rettungsfonds Soffin hält damit noch rund 17 Prozent an der Bank.

Die Commerzbank hatte im vergangenen Jahr angekündigt, 5200 Stellen bis 2016 streichen zu wollen. Davon sei ein gutes Drittel bereits geschafft, sagte Annuscheit.

Der Personalvorstand bevorzugt das Konzept der Commerzbank mit konzerneigenen Servicetöchtern gegenüber dem Auslagern an externe Dienstleister. So müsse sich die Bank die Kostenersparnis mit keinem Fremdanbieter teilen und behalte zudem die Kontrolle über die Prozesse.

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

06.06.2014, 19:01 Uhr

..
der bund wird seine Anteile bis 2016 nicht verkaufen..!!
..

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