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27.03.2014

16:08 Uhr

Geschäftsjahr 2014

Krim-Krise bedroht Raiffeisen Bank International

Die Geschäfte der Raiffeisen Bank International sind derzeit stabil. Aber der Ausblick ist eng an die Entwicklungen in der Ukraine gekoppelt – und die kann niemand vorhersehen. Auch Russland ist ein wichtiger Markt.

RBI-CEO Sevelda: An der defizitären Tochter in Ungarn könnte die RBI anders als geplant festhalten. Reuters

RBI-CEO Sevelda: An der defizitären Tochter in Ungarn könnte die RBI anders als geplant festhalten.

WienDie Krim-Krise hängt wie ein Damoklesschwert über der Raiffeisen Bank International. Derzeit sei das Geschäft der Banktöchter im von Sanktionen bedrohten Russland und der Ukraine zwar stabil, sagte Bankchef Karl Sevelda am Donnerstag. Es sei jedoch schwer, Prognosen über den künftigen Verlauf abzugeben. „Ich möchte die Lage nicht schön färben. Selbstverständlich bestehen Risiken für die Raiffeisen Bank International. Wir haben deshalb den Ausblick für das Geschäftsjahr 2014 unter Vorbehalt gestellt“, sagte Sevelda. Das Russland-Geschäft ist der wichtigste Ertragsbringer des Konzerns.

Im laufenden Jahr erwartet die Bank angesichts der Wirtschaftserholung in einigen Ländern Osteuropas ein leichtes Kreditwachstum. Die Vorsorgen für faule Kredite, die Kunden nicht fristgerecht zurückzahlen können, bleiben voraussichtlich auf dem hohen Vorjahresniveau von 1,15 Milliarden Euro. Mögliche Einbußen durch die Krim-Krise seien dabei aber nicht berücksichtigt.

Die Bank ist der zweitgrößte Kreditgeber in Osteuropa nach der Uni Credit -Tochter Bank Austria. Allein in Russland erwirtschaftete die RBI im vergangenen Jahr rund drei Viertel ihres Vorsteuergewinns, der wegen höherer Kreditrisikokosten und steigender Verwaltungskosten um knapp ein Fünftel auf 835 Millionen Euro schrumpfte. Die Aktionäre sollen daher eine geringere Dividende von 1,02 nach 1,17 Euro erhalten.

Folgen der Ukraine-Krise für die deutsche Wirtschaft

Wie wichtig ist Russland für die deutsche Wirtschaft?

6000 deutsche Unternehmen sind vor Ort tätig. Jahrelang war Russland der am schnellsten wachsende Markt für die hiesigen Exporteure. Damit war es aber schon vor dem Krim-Streit vorbei: Exporte und Importe zusammen brachen 2013 um gut fünf Prozent auf 76,5 Milliarden Euro ein. Damit verlor Russland seinen Status als wichtigster Handelspartner der deutschen Wirtschaft in Osteuropa an Polen. Der Handel mit dem Nachbarn zog um 4,3 Prozent auf 78 Milliarden Euro an. „Die realwirtschaftlichen Folgen für uns halten sich in Grenzen“, sagt deshalb Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. „Für uns ist die Entwicklung in China ungleich wichtiger als das, was in Russland passiert.“ Nach Angaben aus deutschen Regierungskreisen liegt der Anteil der Exporte nach Russland am gesamten Ausfuhrvolumen bei 3,3 Prozent.

Allerdings: Deutschland bezieht knapp 40 Prozent seiner Gasimporte aus Russland. Kommt es zu Lieferausfällen, bekommt dies die deutsche Wirtschaft zu spüren. Auch bei Ölimporten verlässt sich Deutschland zu mehr als einem Drittel auf Russland. Die Gasspeicher im Land seien gut gefüllt, versucht das Bundeswirtschaftsministerium zu beruhigen. Sie seien so groß wie nur in wenigen anderen Ländern. Es gebe zudem keine Anzeichen für irgendwelche Lieferbeschränkungen.

Bezogen auf einzelne Branchen spielt der russische Markt vor allem für den hiesigen Maschinen- und Anlagenbau eine wichtige Rolle. Auch deutsche Autos und Chemie-Produkte stehen bei russischen Kunden ganz oben auf der Hitliste. Rund 300.000 deutsche Arbeitsplätze sind vom Handel mit Russland abhängig, rechnet der Ost-Ausschuss der deutschen Wirtschaft vor. Russland wiederum exportiert nach Deutschland vor allem Rohstoffe und petrochemische Produkte.

Und für Europa?

Russland gehört zu den größten Erdgas- und Erdölproduzenten der Welt. „Wirtschaftliche Sanktionen gegen Russland träfen damit auch die EU sowie über höhere Energiepreise die gesamte Weltwirtschaft“, sagt Analyst Daniel Lenz von der DZ Bank. „Für die sich gerade erholende Weltwirtschaft und vor allem die EU-Wirtschaft wären steigende Energiepreise oder sogar eine Versorgungsknappheit ein Risikofaktor.“ Commerzbank-Chefökonom Krämer glaubt aber nicht, dass die Erholung in der Euro-Zone in Gefahr ist. „Da muss schon einiges passieren, um die doch recht robuste Erholung in der Euro-Zone ins Wanken zu bringen“, sagt er. „Ich glaube nicht, dass der Konflikt in der Ukraine ausreicht. Hinzu kommt: Russland hat zwar schön häufiger das Völkerrecht gebrochen, hält sich aber an privatwirtschaftliche Verträge.“

Macht sich die deutsche Wirtschaft trotzdem Sorgen?

Ja. Allein in der Ukraine sind mehr als 2000 deutsche Unternehmen tätig. „Die deutsche Wirtschaft arbeitet bisher zwar ohne große Unterbrechungen, macht sich aber große Sorgen um die Stabilität des Landes“, sagt der Außenwirtschaftschef des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), Volker Treier. Sollte sich die Lage indes zuspitzen, seien Produktionsausfälle unvermeidlich. „Ganze Wertschöpfungsketten wären betroffen, die Wirtschaften der Nachbarländer Polen, Ungarn und Rumänien würden es als erste spüren“, warnt Treier. Die Bundesregierung gibt sich dagegen noch relativ gelassen. „Es besteht kein Anlass zur Sorge“, sagt eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums.

Kann sich die russische Wirtschaft einen Streit mit dem Westen wirtschaftlich leisten?

Nein, sagt der Ost-Ausschuss der deutschen Wirtschaft. „80 Prozent der russischen Exporte sind Rohstoff-basiert“, betont dessen Geschäftsführer Rainer Lindner. „Damit kann man noch keine moderne Gesellschaft entwickeln.“ Russland müsse seine Wirtschaft modernisieren, um weniger abhängig von Rohstoffen zu werden. „Ohne Technologiepartner wie Deutschland wird es dass nicht schaffen“, sagt Lindner. Und auch an der Energiefront bezweifeln viele Experten, dass es sich Russland leisten kann, den Gashahn zuzudrehen – zumal der Gaspreis an den Weltmärkten wegen Überangebots seit längerem sinkt.

In Russland hat Raiffeisen derzeit Kredite im Umfang von zehn Milliarden Euro vergeben – vor allem an Geschäftskunden. Zwar hätten sich die Wachstumsaussichten dort eingetrübt. „Dennoch sind wir überzeugt, dass das ein attraktiver Bankenmarkt bleibt, wenn die Krise überwunden wird“, sagte Sevelda.

In der Ukraine besitzt Raiffeisen mit der Tochter Aval die fünftgrößte Bank des Landes. Sie hat rund 3,6 Milliarden Euro an Krediten vergeben und verbuchte im Vorjahr einen Gewinn von 101 Millionen Euro. Zwar hätten Privatkunden in der Ukraine zuletzt aus Sorge um ihr Erspartes viel Geld abgehoben und „unter dem Kopfpolster“ gehortet. Allerdings konnte die Bank in der Ukraine auch rund 100.000 neue Kunden gewinnen, weil diese von russischen Instituten wechselten. Ob die RBI die Verkaufspläne für die Tochter vorantreibe, hänge von der weiteren Entwicklung des Landes ab, sagte Sevelda.

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

27.03.2014, 16:48 Uhr

Ich qweiß nicht, was das alles soll?

95% der Bürger der Krim waren für einen anaschluss an RUS. Verdammt noch mal, kann man auch mal akzeptieren, was das Volk will. wenn ich das dieses wild gewordene Blondchen aus der Ukraine höre, die mit einem Sturmgewehr Politik machen will, kann ich jeden verstheen, der in das demokratische RUS will.

wir sind doch nicht die Skalve von diesme kriegswütigen Obama, der uns nur vorschicken will, weil er mit dieser Krise uns schaden will.

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