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03.01.2007

16:01 Uhr

Geschäftsmodelle

Landesbanken unter Druck

VonPeter Köhler

Die Schönwetterperiode der Landesbanken dürfte bald vorbei sein. Bis jetzt hatte der Wegfall der staatlichen Ausfallgarantien für die Landesbanken seit Mitte 2005 wie erwartet keinen oder nur geringen Einfluss auf die einzelnen Institute gehabt. Denn die öffentlich-rechtlichen Banken profitierten im vergangenen Jahr von einem ungewöhnlich günstigen Kapitalmarktumfeld und dem Ausbleiben großer Unternehmensinsolvenzen. Doch schon im neuen Jahr 2007 könnten erste Wolken am Horizont aufziehen, glauben Analysten.

FRANKFURT. Noch hat die Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P) alle Bonitätsnoten in diesem Sektor mit „stabilem Ausblick“ bestätigt. Doch dabei mahnen die Analysten auch an, dass die Landesbanken beim Übergang in die Welt ohne Staat im Rücken noch nicht alle Hausaufgaben erledigt haben. „Die Transformation ist noch nicht abgeschlossen, da die Geschäftsmodelle oft zu kreditlastig und zu wenig diversifiziert und kundenorientiert sind“, kritisiert Stefan Best, Director Financial Institutions bei S&P. Daher seien die Landesbanken nach wie vor die am wenigsten profitablen und kapitalisierten Großbanken in Europa und blieben somit anfälliger gegenüber unerwarteten negativen Marktentwicklungen.

Verabschieden muss man sich auch von der Vorstellung einer homogenen Gruppe. Die Landesbanken werden zukünftig ganz unterschiedliche Geschäftsmodelle verfolgen. „Für die nächsten Jahre erwarten wir, dass die Unterschiede zwischen erfolgreichen und weniger erfolgreichen Landesbanken deutlicher hervortreten werden“, sagt Thomas von Lüpke, Head of German Banking bei der Rating-agentur Fitch.

Besonders aufmerksam verfolgt wird die HSH Nordbank, bei der ein privater Finanzinvestor eingestiegen ist. „Wir erwarten, dass J.C. Flowers trotz seiner Minderheitsposition bei der HSH Nordbank ein aktiver Investor sein wird“, so Sabine Bauer, Analystin bei Fitch. „Wenn es ihm gelingt, zur Verbesserung des Marktauftritts der HSH beizutragen, würde das Individualrating der Bank gestärkt“, ergänzt die Ratingexpertin. Wenn die HSH Nordbank mit dem privaten Investor besser vorankommt als die anderen Institute, könnte dies laut Branchenbeobachtern auch Signalwirkung entfalten, den Sektor stärker für Private zu öffnen.

Dies wäre vor allem dann eine Option, wenn die Konsolidierungsbemühungen nicht vorankommen. Noch gibt es acht selbstständige Landesbanken. Die Sparkassen, die zu den wichtigsten Eigentümern der Landesbanken gehören, drängen aber auf eine Verdichtung in Richtung zwei bis drei großer Landesbanken. Favorisiert werden dabei Mutter-Tochter-Modelle, wie sie bei der Übernahme der Landesbank Rheinland-Pfalz durch die größere Landesbank Baden-Württemberg schon erfolgreich umgesetzt wurden. Eine weitere Verdichtung deutet sich an. So ist es das erklärte Ziel der WestLB, im laufenden Jahr eine Beteiligung an der SachsenLB einzugehen. Diese soll kräftig über die ursprünglich angedachten 25,1 Prozent hinausgehen.

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