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07.11.2014

03:31 Uhr

Geschäftszahlen

Die Bank of America hat sich verrechnet

Mehrere Banken stehen im Verdacht, Devisenkurse abgesprochen zu haben. Ihnen drohen saftige Bußen. Deshalb legt die Bank of America nun viel Geld für Rechtskosten zurück - mit Auswirkungen auf die Bilanz.

Die amerikanische Großbank Bank of America muss ihren Quartalsgewinn korrigieren. dpa

Die amerikanische Großbank Bank of America muss ihren Quartalsgewinn korrigieren.

New YorkDie Bank of America hat sich bei ihrem jüngsten Quartalsbericht massiv verkalkuliert. Das US-Geldhaus musste die erst Mitte Oktober veröffentlichten Geschäftszahlen wegen gestiegener Rechtskosten um 400 Millionen Dollar (323 Mio Euro) nach unten korrigieren, wie es am Donnerstag mitteilte.

Statt des ursprünglich gemeldeten Gewinns von 168 Millionen Dollar ergibt sich nun ein Verlust von 232 Millionen. Das Geldhaus befindet sich nach eigener Darstellung in dieser Angelegenheit in fortgeschrittenen Gesprächen mit US-Aufsichtsbehörden, um eine Lösung im Streit um mutmaßliche Manipulationen an den Währungsmärkten zu finden. Insgesamt gebe es dazu in Nordamerika, Europa und Asien Ermittlungen gegen das Institut.

Was die Banken ihre Rechtsstreitereien kosten

UBS

Die UBS hat für mögliche Strafen mit 3,5 Milliarden Franken (2,9 Milliarden Euro) fast soviel zurückgelegt wie die Deutsche Bank. Umgerechnet mehr als eine Milliarde Euro hat die Zürcher Bank bereits zur Beilegung des Skandals um Manipulationen des Libor-Referenzzinses gezahlt.

Bei den Rechtsstreitigkeiten um die Verwicklung in Manipulationen am Devisenmarkt kommt das größte eidgenössische Geldhaus offenbar einem Vergleich immer näher. Weltweit sollen Händler zahlreicher Banken Kurse am 5,3 Billionen Dollar schweren Devisenmarkt zu ihren Gunsten manipuliert haben.

Barclays

Auch die britische Großbank RBS stellt sich auf eine Strafe im Devisenskandal ein. Wie die Royal Bank of Scotland (RBS) mitteilte, wurden dafür 400 Millionen Pfund (508 Millionen Euro) zurückgelegt. Weitere 100 Millionen Pfund seien bei RBS für Kundenentschädigungen zurückgestellt worden. Viele britische Banken hatten ihren Kunden Versicherungen aufgedrängt, die sie gar nicht brauchten.

Credit Suisse

Die Großbank Credit Suisse hat weniger Geld für Schadenersatz und Bußen beiseitelegen müssen als andere große internationale Banken. Die Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten beliefen sich im dritten Quartal netto auf 390 Millionen Franken (323 Millionen Euro).

Lloyds

Im Skandal um Kreditausfallversicherungen legte Lloyds für Schadenersatzforderungen von Kunden, die sich falsch beraten sehen, weitere 900 Millionen Pfund (rund 1,1 Milliarden Euro) zurück. Die Affäre hat das Institut bereits elf Milliarden Pfund gekostet, mehr als jede andere britische Bank. Neben anderen Altlasten hatte vor allem dieser Skandal Lloyds nach der Finanzkrise immer wieder zurückgeworfen.

Commerzbank

Die New Yorker Finanzaufsichtsbehörde wirft der Commerzbank vor, gegen Iran-Sanktionen verstoßen zu haben, es wird bereits seit längerem über eine Strafe von 650 Millionen Euro spekuliert. Andere Banken, wie die französische BNP Paribas, mussten bereits saftige Beträge zahlen.

Die Commerzbank hat sich nie zur Höhe ihrer Rückstellungen im Zusammenhang mit dem Iran geäußert. Analystenschätzungen zufolge hat sie im ersten Halbjahr noch einmal 250 Millionen Euro zurückgestellt, insgesamt seien dafür nun 550 Millionen reserviert.

Deutsche Bank

Im dritten Quartal musste die Deutsche Bank 894 Millionen Euro zusätzlich für Rechtskosten zurückstellen. Wegen der hohen Belastungen schrumpfte der Gewinn vor Steuern des größten deutsche Geldinstituts im dritten Quartal auf 266 Millionen Euro.

Vor einer Woche hatte bereits Wettbewerber Citigroup mit der gleichen Begründung sein Quartalsergebnis um 600 Millionen Dollar zusammengestrichen. Am Dienstag gab auch JPMorgan einen kräftigen Anstieg der Rückstellungen für juristische Auseinandersetzungen bekannt, um sich für einen teuren Vergleich zu rüsten.

Aufsichtsbehörden ermitteln wegen Kursabsprachen

Aufsichtsbehörden in Großbritannien, den USA und auch in der Schweiz gehen seit rund einem Jahr dem Verdacht nach, dass Devisenhändler mehrerer Banken Kurse abgesprochen haben, um Kunden über den Tisch zu ziehen. Die Institute JPMorgan Chase, HSBC, Royal Bank of Scotland, UBS und Deutsche Bank hatten zuletzt höhere Rückstellungen gemeldet oder ihre Schätzungen für Vergleichszahlungen im Devisenmarkt-Streit angehoben.

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Die Finanzgeschäfte laufen wieder besser, doch nun fressen die Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten die Gewinne der Banken auf. Die Fehler der Vergangenheit holen die Branche ein - mit schlimmen Folgen.

Damit zeichnet sich immer deutlicher ab, dass weitere teure Strafen der US-Behörden unmittelbar bevorstehen könnten. Die Aufseher haben den Banken bereits saftige Bußen wegen dubioser Hypothekendeals und anderer windiger Geldgeschäfte aufgebrummt. Nun haben sie zahlreiche Institute wegen Preisabsprachen am Devisenmarkt im Visier.

Die Aktie von Bank of America gab im nachbörslichen Handel ein Prozent nach.

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