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03.01.2007

19:01 Uhr

Gespräch mit Commerzbank-Chef Müller

Banken schrauben Gewinnziel hoch

VonHermann-Josef Knipper

Die deutschen Banken rechnen wegen des Konjunkturaufschwungs in diesem Jahr mit weiter steigenden Gewinnen. Verbandschef Müller setzt auf Wachstum bei den Privatkunden und einer anziehenden Kreditnachfrage der Unternehmen. Auch nach Einschätzung von Analysten werden die Banken in diesem Jahr endgültig die negativen Folgen des Krisenjahrs 2003 bewältigen.

Nachsteuerergebnis der vier großen Banken. Grafik: Handelsblatt

Nachsteuerergebnis der vier großen Banken. Grafik: Handelsblatt

FRANKFURT / DÜSSELDORF. „2006 war gut, und 2007 hat sicher das Zeug, noch ein Stückchen besser zu laufen“, sagte Bankenpräsident und Commerzbank-Chef Klaus-Peter Müller dem Handelsblatt. Angesichts sinkender Arbeitslosenzahlen und der sich verstärkenden Binnennachfrage erwartet Müller „ein leichtes Anziehen der Kreditnachfrage durch die privaten Haushalte“. Erstmals seit Jahren würden sich auch die Unternehmen wieder mehr Geld bei den Banken leihen, sagte Müller voraus.

Auch nach Einschätzung von Analysten werden die Banken in diesem Jahr endgültig die negativen Folgen bewältigen, die das Krisenjahr 2003 nach sich zog. Damals ließ der Crash an den Finanzmärkten sogar Spekulationen aufkommen, die Commerzbank könnte kollabieren. Auch die Hypo-Vereinsbank (HVB) rang damals um frisches Kapital. Inzwischen haben die deutschen Großbanken Tausende Stellen abgebaut und sich durch Übernahmen gestärkt.

Wie Müller gehen auch die Analysten davon aus, dass die deutschen Institute in diesem Jahr ein höheres Ergebnis erzielen werden als 2006. Allerdings betont Andreas Weese, Analyst bei der Hypo-Vereinsbank, wegen der weitgehend abgeschlossenen Restrukturierung der Banken werde das Gewinnwachstum künftig „nicht mehr so rasant“ sein wie zuletzt. Für den WestLB-Bankenexperten Johannes Thormann hat die deutsche Branche nun einen Punkt erreicht, an dem sie in puncto Profitabilität den Abstand zu internationalen Top-Instituten verringern kann. Zum Vergleich: Die Schweizer Großbank UBS erzielte im dritten Quartal 2006 eine Nachsteuerrendite von fast 26 Prozent. Der hiesige Branchenprimus Deutsche Bank erreichte im selben Zeitraum eine Nachsteuerrendite von gut 18 Prozent – liegt damit aber weit vor der Commerzbank, die für das vergangene Jahr einen Wert von gut zehn Prozent anstrebt. Jetzt müssten die deutschen Institute ihre Erträge weiter verbessern und verstetigen, fordert WestLB-Experte Thormann.

Bankenpräsident Müller dämpft allerdings allzu große Erwartungen, weil er die deutschen Institute bei der Aufholjagd für strukturell benachteiligt hält. Bei der Konsolidierung der Bankenlandschaft hänge Deutschland nach wie vor hinterher, kritisierte Müller. Grund sei das starre Drei-Säulen-Modell aus Privatbanken, Genossenschaftsbanken und öffentlichen Instituten, das Wettbewerb verhindere und gegen die Regeln des EU-Binnenmarktes verstoße. Müller forderte deshalb erneut eine Privatisierung der Sparkassen, um den Privatbanken Raum für Expansion zu geben.

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