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26.01.2009

17:26 Uhr

Gespräch mit Münchener-Rück-Finanzvorstand Jörg Schneider

„Wir halten an der Dividende fest“

ExklusivDer weltgrößte Rückversicherer Münchener Rück stemmt sich gegen die Finanzkrise und hat trotz weiterer hoher Abschreibungen im vierten Quartal im vergangenen Jahr den versprochenen Gewinn geschafft. "Angesichts zum Teil schwindelerregender Verluste rings um uns herum können wir mit dem eigenen Gewinn zufrieden sein," sagte Münchener-Rück-Finanzvorstand Jörg Schneider.

Jörg Schneider, Finanzvorstand der Münchener Rück kann trotz Krise ruhig schlafen. Foto: dpa dpa

Jörg Schneider, Finanzvorstand der Münchener Rück kann trotz Krise ruhig schlafen. Foto: dpa

Handelsblatt: Herr Schneider, die Münchener Rück hat ihre Bilanzierung seit dem 1. Januar auf den neuen Rechnungslegungsstandard IFRS 8 umgestellt. Werden Sie die Möglichkeiten nutzen, die operativen Ergebnisse zu glätten und zum Beispiel um Großschäden zu bereinigen ?

Schneider: Nein, das werden wir nicht. Das würde mir zwar die Aufgabe erleichtern, griffige Jahresziele vorzugeben. Wenn man nicht glättet, ist die Gefahr größer, dass man Gewinnprognosen im Lauf des Jahres korrigieren muss, sobald etwas Unvorhergesehenes passiert. Allerdings haben wir gute Erfahrungen damit gemacht, nicht an den Zahlen herumzudoktern. Wir werden weiterhin erläutern, welche Faktoren beim Ergebnis auf ungewöhnliche Ereignisse wie Großschäden oder Kapitalmarktverwerfungen zurückzuführen sind. Sie gehören für uns aber zum operativen Geschäft.

Im vergangenen Jahr mussten sie die Gewinnprognose mehrmals senken. Wie ist das Ergebnis denn nun ausgefallen?

Verglichen mit den Jahren vor der Finanzkrise ist das Ergebnis natürlich nicht gut. Im vierten Quartal haben wir weitere Abschreibungen in erheblichem Umfang vornehmen müssen.

Wie hoch waren die Abschreibungen? Im dritten Quartal waren es ja alleine bei Aktien unter Berücksichtigung von Hedging eine Mrd. Euro.

Das kann ich noch nicht sagen. Wir hatten Ende September noch ein Aktienexposure von sechs bis sieben Mrd. Euro. Seither sind die Indizes noch einmal um 20 Prozent gesunken. Das wären rechnerisch dann etwa 1,3 Mrd. Euro. Allerdings haben wir nicht nur dagesessen, sondern den Bestand massiv abgebaut und noch stärker gehedgt. Daher sind die tatsächlichen Abschreibungen weit niedriger. Wir schreiben aber auch Anleihen in höherem Umfang als bisher ab, denn durch die Rezession dürfte es tendenziell mehr Zahlungsstörungen geben.

Sie hatten angekündigt, zwar nicht wie zuletzt versprochen zwei Mrd., dennoch aber einen "respektablen" Gewinn im Jahr 2008 zu erzielen. Haben Sie das geschafft?

Ja, wir bewegen uns im Rahmen der Erwartungen. Operativ ist es normal gelaufen, allerdings mit relativ hohen Schäden durch Naturkatastrophen. Aber: Angesichts zum Teil Schwindel erregender Verluste rings um uns herum können wir mit dem eigenen Gewinn zufrieden sein. Ich kann das Ergebnis heute noch nicht beziffern, aber es ist, soweit ersichtlich, keine üble Überraschung von uns zu erwarten.

Sie hatten eine stabile Dividende und weitere Aktienrückkäufe angekündigt. Bleibt es dabei und ist das richtig in einer Zeit, in der stark auf die Kapitalisierung geachtet wird?

Die Frage haben wir uns auch gestellt. Wir haben aber die finanzielle Kraft, unsere Dividende aufrechtzuerhalten. Verlässlichkeit ist ein Wert an sich. Auch der Aktienrückkauf bleibt voraussichtlich wie geplant. Die bis zur Hauptversammlung 2009 vorgesehene Tranche haben wir fast schon.

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