Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

15.03.2006

09:43 Uhr

Gespräche mit Euronext

Deutsche Börse denkt eine Fusion weiter

Die Deutsche Börse hat bestätigt, dass sie konkrete Verhandlungen mit der Vierländerbörse Euronext über einen Zusammenschluss der beiden Unternehmen anstrebt. Euronext hat bereits ja gesagt. Ihre Pläne für die Übernahme der London Stock Exchange haben die Deutschen aber noch nicht ganz aufgegeben.

HB FRANKFURT. Die Gespräche machte die Deutsche Börse am Mittwochmorgen in einer Pflichtmitteilung offiziell. Ziel sei es, einen weltweiten Marktführer in der Branche zu schaffen. Die Deutsche Börse reagierte damit auf die Äußerungen von Euronext-Chef Francois Theodore, der am Dienstag Bereitschaft zu Gesprächen über eine Fusion signalisiert hatte. „Die Deutsche Börse begrüßt die Aussage der Euronext, mit der Deutschen Börse konstruktiv auf dieses Ziel hinarbeiten zu wollen“.

Euronext hatte sich am Dienstag erstmals positiv über eine mögliche Fusion mit der Deutschen Börse zu einer europäischen Superbörse geäußert. Man sei erfreut, bevorzugter Partner der Deutschen Börse zu sein, hieß es in einer in Paris veröffentlichten Erklärung. Euronext betreibt die Börsen in Paris, Amsterdam, Brüssel, Lissabon.

Auch von Seiten der Politik stößt ein Zusammenschluss der beiden Börsenbetreiber auf Unterstützung. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der französische Staatspräsident Jacques Chirac hatten sich nach einem deutsch-französischen Ministerrat am Dienstag grundsätzlich positiv zu dem Vorhaben geäußert.

Die Deutsche Börse schielt jedoch weiterhin auch auf den britischen Markt, wo sie beim Buhlen um die London Stock Exchange (LSE) bereits eine schwere Schlappe hatte einstecken müssen. Sie beabsichtige zwar nicht , ein Angebot für die LSE abzugeben, teilten die Frankfurter mit. Man behalte sich aber das Recht vor, „diese Position zu überdenken“. Der Börsenbetreiber deutete auch an, bereit für einen Bieterwettkampf zu sein.

Sowohl die Deutsche Börse als auch die Euronext hatten mehrfach Interesse an der LSE bekundet. Analysten halten es aber für ausgeschlossen, dass einer der beiden Bieter zum Zuge kommt. Denn der US-Börsenbetreiber Nasdaq hatte am Freitag eine Übernahmeofferte für die LSE über 950 Pence je Aktie angekündigt. Nach einem deutlichen Anstieg am Montag legte die Aktie am Dienstag noch einmal 3,6 Prozent auf nun 1 190 Pence zu. Anleger spekulieren offenbar auf eine höhere Übernahmeofferte für die LSE. Nach Angaben des „Wall Street Journal" soll der Nasdaq-Wettbewerber und Betreiber der New York Stock Exchange, NYSE Group Inc, eine Gegenofferte erwägen.

Die britische Wettbewerbsbehörde hat am Mittwoch unter gewissen Bedingungen eine Übernahme der London Stock Exchange durch die Deutsche Börse AG zugelassen. Bereits am Vortag hatte sie eine ähnliche Offerte der Euronext im Prinzip gebilligt. Beide Bieter müssten jedoch einige Zusagen hinsichtlich der Clearing-Dienste der LSE machen.

Erste Gespräche zwischen Deutscher Börse und Euronext über ihren eigenen Zusammenschluss waren im Dezember nach Informationen aus Finanzkreisen unter anderem an der Frage des Sitzes einer fusionierten Börse gescheitert. Der Chef der Deutschen Börse, Reto Francioni, beharrte auf Frankfurt als Hauptsitz. Diese Frage gilt – neben den kartellrechtlichen Bedenken im Zusammenhang mit dem Derivate- und Abwicklungsgeschäft – als Knackpunkt, an dem eine Fusion wegen der unterschiedlichen Interessen der beteiligten Finanzplätze scheitern könnte.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×