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30.01.2011

16:35 Uhr

Gespräche vor Entscheidung

Aufspaltung der WestLB wird wahrscheinlicher

Die Verhandlungen um die Zukunft der angeschlagenen WestLB sind in die entscheidende Phase gegangen. Ein Komplettverkauf gilt als unwahrscheinlich, eine Aufspaltung des einstigen Flaggschiffs der Landesbanken rückt dafür immer näher.

Stopp-Schild vor der WestLB in Düsseldorf: Fällt bald die Entscheidung? Quelle: dpa

Stopp-Schild vor der WestLB in Düsseldorf: Fällt bald die Entscheidung?

HB DÜSSELDORF/BERLIN. Die WestLB könnte Finanzkreisen zufolge ein um ihr internationales Geschäft beraubtes Sparkassen-Institut werden. Wenn die Gespräche über einen Verkauf der Bank wie befürchtet keine greifbaren Ergebnisse brächten, werde von dem einstigen Flaggschiff der Landesbanken wohl nur ein um alle risikobehafteten Aktivitäten verkleinertes Haus bleiben, das für Verbundgeschäfte mit den Sparkassen da sein solle, erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters am Sonntag aus Teilnehmerkreisen nach einer Sitzung des WestLB-Lenkungsausschusses. Offen sei aber noch, wie die aus einer Aufspaltung der WestLB entstehenden Lasten geteilt werden sollten. „Keiner will sich bewegen“, sagte ein Insider.

Der mächtige Lenkungsausschuss war am Nachmittag in Berlin zusammengekommen. Dem Gremium gehören Vertreter des Landes Nordrhein-Westfalen, des Bundes, der Sparkassen sowie der Verkaufsbeauftragte Friedrich Merz an. Gelinge diesem kein Verkauf, sei als Rückfallplan ein um das Investment-Banking und das Auslandsgeschäft beschnittenes Institut in der Sitzung erörtert worden, hieß es in den Kreisen weiter. Am Montag sei nun ein Treffen mit Vertretern der EU-Kommission geplant. In Fragen der Lastenteilung gebe es aber keine Fortschritte. Das Land NRW bewege sich aus politischen Gründen nicht, bei den Sparkassenverbänden seien es haftungsrechtliche Gründe.

Einem Komplett-Verkauf der Bank an einen Investor würden weiter so gut wie keine Chancen eingeräumt, hatten zuvor mehrere mit dem Vorgang vertraute Personen Reuters gesagt. Bund, Sparkassen und Land stehen bei den Gesprächen unter wachsendem Zeitdruck: Bis spätestens 15. Februar muss der EU-Kommission in Brüssel ein neuer Umbauplan vorliegen, bis zum Jahresende müssen neue Eigner gefunden werden.

Merz sucht seit Monaten neue Eigner für die Bank. In Finanzkreisen wird jedoch nicht damit gerechnet, dass er einen Käufer präsentieren wird, der eine Übernahme der gesamten Bank stemmen kann und will - und dafür aus Sicht der Eigner angemessen viel Geld in die Hand nimmt. Merz hatte Mitte Januar erklärt, vier Interessenten hätten ein Auge auf die Bank mit ihren noch knapp 5000 Mitarbeitern geworfen. Ihre Interessensbekundungen sind bislang aber unverbindlich. Bis zum 11. Februar müssen sie konkrete Angebote vorlegen. Wenig später muss dann der Umbauplan in Brüssel sein.

Insider halten es für möglich, dass die Eigner zur Finanzierung des Übergangs und zur Deckung möglicher Risiken erneut zur Kasse gebeten werden. Der Bund, der bereits drei Milliarden Euro über seinen Rettungsfonds SoFFin in die Bank gepumpt hatte, wolle aber keine zusätzlichen Lasten übernehmen, hieß es vor der Sitzung. „Am Ende wird das teuer - egal welche Lösung wir finden“, hatte der nordrhein-westfälische Finanzminister Norbert Walter-Borjans bereits eingeräumt.

Kommentare (1)

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Serious Sam

30.01.2011, 21:40 Uhr

„Am Ende wird das teuer - egal welche Lösung wir finden“ sagt der Finanzminister. Ja, wann sagt er denn, dass die Verantwortung dafür bei ihm und seinesgleichen liegt: im völligen Versagen der politischen Klasse. Egal welche Landesbank, egal welche Partei da wann das sagen hatte: am Ende zahlen die Steurzahler für den Größenwahn der Politzis.

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