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11.11.2015

17:05 Uhr

Gesprengte Geldautomaten

Der verzweifelte Hilferuf der Banker

VonLeonidas Exuzidis

Die Angst vor Bankräubern klingt nach Wildem Westen. Doch in Nordrhein-Westfalen geht sie um. Die Sprengungen von Geldautomaten nehmen kein Ende – und der Innenminister sieht bei den Banken eine Mitschuld.

Tatort am 30. Oktober: Bei diesem Angriff gelang es den Täter nicht an Beute zu kommen. Es war eine von 60 Sprengungen in diesem Jahr im Bundesgebiet. dpa

Gesprengter Geldautomat in Kleve

Tatort am 30. Oktober: Bei diesem Angriff gelang es den Täter nicht an Beute zu kommen. Es war eine von 60 Sprengungen in diesem Jahr im Bundesgebiet.

DüsseldorfDie Verantwortlichen vieler Banken sind ratlos. Und sie sind es leid, nahezu täglich eine Reihe von Geldautomaten entsorgen zu müssen. Zumindest die Einzelteile, die davon noch übrig sind. Kriminelle Banden jagen nachts in Nordrhein-Westfalen und anderen Bundesländern einen Geldautomaten nach dem anderen in die Luft.

Zwölf waren es allein im Oktober, in Ahaus explodierte Anfang der Woche der 43. Automat im Kalenderjahr 2015. Im gesamten Bundesgebiet gab es schon 63 Fälle. Die Polizeibehörden sind zwar schnell vor Ort, die Täter allerdings schon meist mit der Beute auf der Autobahn in Richtung Grenze. Ein Ende der traurigen Serie ist bislang nicht in Sicht.

Oft sind Sparkassen betroffen – Lösungen haben sie nur bedingt parat. Kurzfristig reagieren viele Sparkassen mit einer vorübergehenden Schließung der SB-Center, in denen die Automaten stehen. In Leverkusen bleiben alle Foyers der Sparkasse fortan zwischen Mitternacht und 5.30 Uhr geschlossen. Auch in Köln stehen Kunden größtenteils vor verschlossenen Türen. „Als Konsequenz aus dieser Entwicklung“ und „als zusätzliche Sicherheitsmaßnahme“, wie die Geldhäuser schreiben. Zukunftsträchtig ist dieser Weg keinesfalls – eher der verzweifelte Wunsch nach Aufklärung.

Die teuersten Banken zum Geldabheben

Gebühren für fremde Kunden

Wer bei einer fremden Bank Geld abheben möchte, muss in der Regel zahlen. Allerdings unterscheiden sich die Gebühren von Bank zu Bank enorm. Die Übersicht zeigt die für Fremdkunden teuersten Banken zum Stichtag 15. Juli. Quelle: FMH

Platz 1

Stadtsparkasse Düsseldorf

Gebühren: 4,75-5,75 Euro

Platz 2

Volksbank Weingarten, Sparkasse Uelzen Lüchow-Dannenberg, Sparkasse Uckermark, Sparkasse Mecklenburg-Nordwest, Kreissparkasse St. Wendel

Gebühren: 5 Euro

Platz 3

Bordesholmer Sparkasse

Gebühren: 4,98 Euro

Platz 4

Kreissparkasse Anhalt-Bitterfeld, Kreissparkasse Börde, Kyffhäusersparkasse, Ostsee-Sparkasse Rostock, Sparkasse Bamberg, Sparkasse Benheim, Sparkasse Elbe-Elster, Sparkasse Kulmbach-Kronach, Sparkasse Köln-Bonn, Sparkasse Mittelsachsen, Sparkasse Rhein-Nahe

Gebühren: 4,95 Euro

Platz 5

Kreissparkasse Heidenheim, Sparkasse Regensburg

Gebühren: 4,90 Euro

Platz 6

Sparkasse Südwestpfalz

Gebühren: 4,85 Euro

Platz 7

Mittelbrandenburgische Sparkasse in Potsdam, Sparkasse Amberg-Sulzbach, Sparkasse Saarbrücken

Gebühren: 4,80 Euro

Platz 8

Hamburger Sparkasse, Kreissparkasse Birkenfeld, Kreissparkasse Weilburg, Sparkasse Mittelholstein

Gebühren: 4,75 Euro

Platz 9

BW-Bank

Gebühren: 4,55 Euro

Platz 10

Wiesbadener Volksbank, Sparkasse Meißen, Sparkasse Landshut, Sparkasse Hochrhein, Sparkasse Hennestadt-Wesselburen, Sparkasse Bodensee, Frankfurter Volksbank, Kreis- und Stadtsparkasse Erding-Dorfen, Kreissparkasse Herzogtum-Lauenburg, Nord-Ostsee Sparkasse

Gebühren: 4,50 Euro

Gegen den Schaden ist ein Großteil der betroffenen Filialen versichert. Da die Täter oft im Rheinland und am Niederrhein zuschlagen, trifft es die Provinzial Rheinland besonders hart: Die Düsseldorfer Versicherungsgesellschaft muss allein für elf Sprengungen aufkommen, die seit Juli in NRW stattgefunden haben.

Wie das Handelsblatt erfuhr, liegt der Schadendurchschnitt bei rund 140.000 Euro – etwa die Hälfte des Schadens entfällt auf das entwendete Bargeld, die andere Hälfte auf die Sachschäden an Gebäuden, Betriebseinrichtungen und Automaten. „Diese Serie bewerten wir natürlich sehr kritisch“, so ein Sprecher der Provinzial. Rechnet man den Schaden auf 63 Fälle hoch, ergibt sich eine Gesamtsumme von 8,8 Millionen Euro – davon 4,4 Millionen Euro entwendetes Bargeld.

Die Ermittler haben in NRW zwar konkrete Hinweise auf die Tätergruppen, stellen konnten sie die Täter aber noch nicht. „Es handelt sich um Intensivtäter aus den Niederlanden. Das können wir nach Auswertung der ersten Erkenntnisse und der Spurenlage sagen“, erklärt Dietmar Kneib, Leiter der speziell eingerichteten Ermittlergruppe beim LKA.

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Die Täter gehen stets nach dem gleichen Muster vor: Sie kleben die Geldautomaten ab, sodass keine Luft mehr hindurchkommt. Anschließend leiten sie Gas hinein und bringen das Gerät letztlich zur Explosion. In Windeseile laden sie die Beute ein, dann geht es oft schnell über die niederländische Grenze. Da viele Taten im Grenzgebiet verübt wurden, hatte Kneib bereits in der vergangenen Woche niederländische Täter vermutet. Das hat sich nun bestätigt. „Wir gehen den Spuren in enger Abstimmung mit den niederländischen Behörden nach.“

Kommentare (26)

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Lothar dM

11.11.2015, 17:13 Uhr

 
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Herr Tom Schmidt

11.11.2015, 17:14 Uhr

Die Reaktion der Politik ist mal wieder unterirdisch.

Es gibt ein Sicherheitsproblem, sie bekommen es nicht in den Griff, und dann wird über andere Möglichkeiten schwadroniert und eigentlich ist der Geschädigte ja selbst schuld...

Naja, wenigstens erzählen sie uns hier nicht, dass wir das schon irgendwie schaffen! ;-)

Lothar dM

11.11.2015, 17:15 Uhr

 
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