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06.01.2004

08:34 Uhr

Gewerkschaft Verdi kritisiert Vorgehen scharf

Commerzbank kündigt Betriebsrenten auf

VonPhilipp Otto (Handelsblatt)

Die Commerzbank verschärft ihre Sparmaßnahmen überraschend noch einmal deutlich. Mit Wirkung zum 31. Dezember 2004 werden alle Betriebsrenten für Mitarbeiter und leitende Angestellte gekündigt. Ausgenommen davon ist die Betriebsrente des Vorstands. Das wurde den Beschäftigten gestern mitgeteilt. Ein Entwurf des Schreibens liegt dem Handelsblatt vor.

Bei der Commerzbank wird weiter an der Sparschraube gedreht. Foto: dpa

Bei der Commerzbank wird weiter an der Sparschraube gedreht. Foto: dpa

FRANKFURT/M. Die Einsparungen durch die Kündigung der Betriebsrenten bewegen sich im mittleren zweistelligen Millionenbereich jährlich, hieß es in Frankfurter Bankenkreisen. Die Commerzbank ist die erste deutsche Großbank, die zu dieser Maßnahme greift. „Das ist eine Bombe“, sagt der Bankenexperte der Gewerkschaft Verdi, Uwe Foullong, dem Handelsblatt. Die Gewerkschaft prüft derzeit, ob die Kündigung rechtlich zulässig ist.

Für die Mitarbeiter heißt dies, dass die bis zum 31. Dezember 2004 erworbenen Ansprüche zwar nicht verfallen, sondern auf dem jeweiligen Versorgungskonto des Mitarbeiters festgeschrieben werden. Ab dem 1. Januar 2005 stockt die Commerzbank die Konten aber nicht weiter auf. Besonders betroffen von dieser Regelung sind Mitarbeiter, die erst im nächsten Jahr bei der Commerzbank anfangen zu arbeiten, sowie jüngere Mitarbeiter.

Die Commerzbank begründet diesen drastischen Schnitt in die Altersvorsorge ihrer Angestellten mit der „schwierigen wirtschaftlichen Lage der Bank“. Das habe allerdings rein formaljuristische Gründe, sagte ein Sprecher der Commerzbank. „Um die Betriebsrenten kündigen zu können, müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein, unter anderem darf im Jahr zuvor kein Weihnachtsgeld gezahlt worden sein“, sagte er. Neue wirtschaftliche Schwierigkeiten gebe es bei der Frankfurter Großbank nicht. „Dies ist keine losgelöste Einzelaktion, sondern im Gesamtpaket der Einsparungen im Personalbereich zu sehen,“ sagte der Sprecher.

Analysten sehen die Lage allerdings nicht ganz so rosig: „Die Commerzbank bleibt ein Übernahmekandidat. Es ist immer noch einiges zu tun, die Bereiche Firmenkundengeschäft und Investment-Banking enger zu verzahnen, damit unter dem Strich mehr herausspringt“, sagt Stefan Scharff von SRC-Research. Knackpunkt seien nach wie vor der Zinsüberschuss und die Risikovorsorge. „Hier ist man noch ein gutes Stück davon entfernt, den eigenen Renditeansprüchen von rund 20 Prozent vor Steuern gerecht zu werden“, sagt Scharff.

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