Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

03.06.2012

09:52 Uhr

Gewinnausschüttung

Kommunen könnten Sparkassen schröpfen

VonThomas Bauer

Die Sparkassen erzielen ordentliche Gewinne. Bisher verzichteten die Städte und Gemeinden auf die Gewinnausschüttungen. Durch die angespannte finanzielle Situation der Kommunen könnte sich das schon sehr bald ändern.

Hier der Eingang der Sparkasse Köln Bonn. dpa

Hier der Eingang der Sparkasse Köln Bonn.

FrankfurtDie Sparkassen verdienen prächtig. Sie haben 2011 einen Gewinn von 4,7 Milliarden Euro erzielt. Das sollte Begehrlichkeiten bei ihren Trägern wecken, also den Städten und Gemeinden. Denn diese wälzen Schulden über 130 Milliarden Euro vor sich her. Doch die Kommunen zeigen wenig Interesse, sich vom Gewinn ihrer Sparkassen etwas abzuholen. Sie bitten lieber ihre Landesregierungen um Hilfe. Als der nordrhein-westfälische Innenminister Ralf Jäger dies vor wenigen Wochen bemängelte, wurde er als weltfremd hingestellt.

Nordrhein-Westfalen und Hessen stellen inzwischen 3,5 Milliarden Euro beziehungsweise 3,2 Milliarden Euro bereit, um ihren Kommunen aus der Schuldenfalle zu helfen. Bürgermeister und Kämmerer, die Geld vom Stärkungspakt Stadtfinanzen in NRW oder vom kommunalen Schutzschirm in Hessen haben wollen, müssen nun nachweisen, dass sie auch von ihrer Seite alle Sparregister ziehen. So werden die Sparkassengewinne zumindest in diesen beiden Ländern zum Thema.

Der hessische Finanzminister Thomas Schäfer spricht inzwischen von einem Umdenken: "Den Kommunen wird mehr und mehr bewusst, dass ihre Sparkassen keine isolierten Institutionen sind, die niemandem gehören." Für Schäfer bedeutet dies, "dass man eine Sparkasse wie eine kommunale Unternehmensbeteiligung führen muss".

Bayerns Ex-Finanzminister: Fahrenschon soll die Sparkassen reformieren

Bayerns Ex-Finanzminister

Fahrenschon soll die Sparkassen reformieren

Bayerns Ex-Finanzminister Georg Fahrenschon ist seit heute Sparkassen-Präsident. Vor ihm steht eine Vielzahl drängender Reformen - bisher fehlt es dem CSU-Mann aber noch an Rückhalt im eigenen Kreditinstitut.

Das sieht die Sparkassenlobby anders. Der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV) hat den Kampf gegen die Vorstellung vom Goldesel Sparkasse aufgenommen und wiederholt bei jeder Gelegenheit, dass seine Sparkassen 2011 doch mit 2,7 Milliarden Euro einer der größten Steuerzahler waren.

Die Städte und Gemeinden Nordrhein-Westfalens haben allein 57 Milliarden Euro Schulden. Solingen und Gelsenkirchen stehen knapp unter der Schwelle von einer Milliarde Euro. Werner Haßenkamp ist Präsident der Gemeindeprüfungsanstalt (GPA) in Nordrhein-Westfalen. Die GPA beschäftigt Experten, um Kommunen bei der Entschuldung zu beraten. "Die Sparkassenausschüttungen sind dann natürlich auch auf der Tagesordnung", sagt Haßenkamp.

Die beiden nordrhein-westfälischen Sparkassenverbände zeigen sich dagegen bei Fragen nach den Sparkassengewinnen zugeknöpft. Sie sprechen lieber über 620 Millionen Euro Steuern, die sie zusammen 2011 gezahlt haben. Der Präsident des Rheinischen Sparkassenverbands Michael Breuer rechnet zu den vom ihm gezahlten Steuern von 272 Millionen Euro weitere 132 Millionen an Spenden und Sponsoring hinzu.

Kommentare (5)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

purzel

03.06.2012, 12:07 Uhr

Ausschüttungen vs. Kredite
Ok. die Kommunen bekommen Ausschüttungen, Bilanzgewinn wird nach BGB ermittelt, dafür steigen die Zinssätze.
Die Kreidtvergabe an Mittelstand wird entsprechend reduziert, daraus resultieren geringere Gewinne.
Die Bilanzierungsregeln sind dehnbar wie Kaugummi, auf alle Fälle werden sich die bilanzierten Überschüsse verringern.
Wo jetzt da der wirtschaftliche Sinn/Unsinn liegt überlasse ich dem geneigten Leser.

Suedbadener

03.06.2012, 12:08 Uhr

Lieber Handelsblattredakteur,

das ist ein Bericht an dem so manches richtig ist, aber das Fazit halt doch so ganz daneben liegt. Wie kann ein Journalist Ihrer Zeitung, die sich wirtschaftspolitischen Sachverstand zuschriebt, einen derartigen Artikel verfassen, ohne auch nur ein Wort über die ganz entscheidenden aufsichtsrechtlichen Rahmenbedingungen zu verlieren. Sparkassen haben ein Nähe zu Kommunen - ja ! Und sie sind damit auf der regionalen Ebenen im großen und ganzen gut gefahren. Sparkassen haben - im Unterschied zu allen anderen Banken - nur eine Quelle zur Eiegenkapitalbildung und das ist der Gewinn. Keine Genossen und keine Aktionäre die Kapital zur Verfügung stellen. Die Verwaltungsräte wissen dies und sie spüren den Druck der Aufsicht Kapital zu bilden.
Das ist der Grund, warum - neben der Bürgerdividende die Verwaltungsräte der Gewinnthesaurierung zustimmen und nicht die angeblich so lukrativen Mandate. Haben Sie einmal die Haftungsrisiken zu diesen Mandaten beleuchtet ?
Das ärgerlichste an Ihrem Bericht ist aber die Tatsache, dass das HB das weiß. Es passt nur nicht in die subtile Argumentation die in Ihrer zeitung seit Jahren gegen Sparkassen gefahren wird. Als jahrelanger "Handelsblattleser" ist mir das natürlich bewußt. Ich bin aufgrund dieser Erfahrung seither auch bei Ihren sonstigen Thesen sehr vorsichtig geworden, weil die erforderlich fachliche qualifizierte Neutralität in Ihrer Zeitung - vielleicht wegen des schlechten Gewissen hinsichtlich Ihres völligen journlistischen Versagens im Rahmen der Bankenkrise ? - ist m.E. verdunstet.

ForzaEURO

03.06.2012, 13:30 Uhr

Aber lieber Suedbadener, wie halten Sie es denn mit Meinungsfreiheit? Man wird ja wohl den Sparkassen und ihren Dachorganisationen auch mal Kritik entgegnen dürfen.

Mir zeigen die Empfindlichkeiten, die die Sparkassen immer wieder auf diese Kritik entgegnen, dass auch meine Vermutung eines gewissen Schlendrians in den Sparkassen anzutreffen ist.

In der Führung der Sparkassen findet man wohlgefällige Politiker, die von der Führung von Banken keine Ahnung haben. In der Rechtsabteilung findet man Familienangehörige und andere politische Freunde. Externe Kanzleien wurden noch vor kurzer Zeit gerne mit nahestehenden politschen Freunden bestückt.

Wo andere Banken im Drei-Säulen-Modell längst im Filialnetz sparen müssen, feiern die Sparkassen mit teuersten Glaspalästen noch immer eine Form des Geldausgebens, bei der man sich verwundert die Augen reibt.

In der freien Wirtschaft wäre es in einer Bank ein Compliance-Problem, wenn die Aufsicht und Geschäftsleitung einer Bank gleichzeitig deren größeten Schuldner vertritt.

Ich verspüre keine Lust, dass die Sparkassen unser nächstes Coop-Problem werden. Die schlimmsten Befürchtigen haben sich in dieser Krise bei dem Gedanken an HSE, DEXIA und Depfa realisiert.

Unsere Krise ist ein Compliace-Problem, weil bei allen diesen Instituten die strikte Trennung zwischen Staatsfinanzierung und Bankensystem nicht funktioniert hat.

Wir reden deshalb über die Probleme bei den Sparkassen öffentlich und es ist mir vollkommen egal, ob Ihnen das jetzt passt oder nicht. Stellen Sie sich gefälligst diesem Compliance-Problem.

Vielen Dank an das HB für diesen Artikel.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×