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06.03.2013

19:41 Uhr

Gewinnbeteiligung

Citigroup-Chef erhält Millionen trotz Nein der Aktionäre

Durch eine Gewinnbeteiligung von 7,6 Millionen Dollar verdoppelt sich die Vergütung des neuen Citigroup-Chefs Michael Corbat für 2010 im Nachhinein. Doch das Geld soll fließen – gegen den Widerstand der Aktionäre.

Citigroup-Zentrale in New York: Die Bank beteiligt Führungspersonal am Gewinn, obwohl die Aktionäre dagegen sind. AP

Citigroup-Zentrale in New York: Die Bank beteiligt Führungspersonal am Gewinn, obwohl die Aktionäre dagegen sind.

New YorkWas schert uns die Meinung der Aktionäre! Ganz so handelt die Spitze der Citigroup jetzt. Leitende Angestellte der US-Großbank können sich darauf freuen, im Rahmen eines zusätzlichen Gewinnbeteiligungsplans der Bank 579 Millionen Dollar (444 Millionen Euro) einstreichen zu können. Dabei hatten die Anteilseigner der Citigroup im vergangenen Jahr gegen diesen Plan gestimmt.

Das Kreditinstitut verbuchte 2012 rund 246 Millionen Dollar für die Pläne, nachdem in den beiden Jahren zuvor bereits 333 Millionen Dollar zurückgestellt worden waren, wie aus Pflichtmitteilungen hervorgeht. Die Konkurrenten an der Wall Street verzichten nach eigener Aussagen dagegen auf vergleichbare Zuteilungen, die zusätzlich zu Jahresgehalt und Bonus erfolgen.

Gehälter der Wall-Street-Größen

John Stumpf

Streng genommen ist John Stumpf kein Wall-Street-Banker. Doch mit einer Jahresvergütung von 19,3 Millionen Dollar hat Wells Fargo mit Hauptsitz an der Westküste der USA ihren Chef an die Spitze der Finanzindustrie katapultiert. Während Branchengrößen wie JP-Morgan-Chef Jamie Dimon Einbußen hinnehmen mussten, stieg das Einkommen von Stumpf 2012 um acht Prozent. Nach Rekordgewinnen im vergangenen Jahr stockte Wells Fargo Stumpfs Grundgehalt von 2,8 Millionen Dollar mit einem Bonus von vier Millionen Dollar und Aktien im Wert von 12,5 Millionen Dollar auf.

Brian Moynihan

Der Chef der Bank of America hat im Jahr 2012 stolze 12,1 Millionen Dollar verdient. Damit rückt er in die Liga der bestbezahlten Manager der US-Bankenwelt ein. Die Vergütung von Brian Moynihan stieg gegenüber dem Vorjahr um 73 Prozent. Doch die Spitzenverdiener, Loyd Blankfein von Goldman Sachs und John Stumpf von Wells Fargo, überholt er nicht überholen.

James Gorman

Morgan-Stanley-Chef James Gorman verdiente 2012 mit 9,75 Millionen Dollar sieben Prozent weniger als im Vorjahr.

Jamie Dimon

Jamie Dimon, Chef von JP Morgan, nimmt eine Halbierung seines Bonus für 2012 hin. Er kassiert 11,5 Millionen Dollar. Das Institut wurde von einem Händlerskandal erschüttert. Ein Mitarbeiter mit dem Spitznamen „Londoner Wal“ hatte mehr als sechs Milliarden Dollar verzockt.

Michael Corbat

Der neue Citigroup-Vorstandschef Michael Corbat streicht für 2012 ein sattes Gehalt von 11,5 Millionen US-Dollar ein. Corbat übernahm den Spitzenposten erst im Oktober vergangenen Jahres und stellte die Weichen für den Abbau von 11.000 Stellen.

Die Citigroup belasten die Schatten der Vergangenheit. Wegen Stellenstreichungen und Rechtsstreitigkeiten musste die US-Großbank zuletzt 2,3 Milliarden Dollar abschreiben. Der Nettogewinn stieg im abgelaufenen Quartal dennoch auf 1,2 Milliarden Dollar, nach 956 Millionen Dollar im Vorjahresquartal.

Der Plan zur Gewinnbeteiligung wird seit vergangenem April kritisiert, als die Aktionäre der Citigroup gegen die Vergütungspakete für leitende Manager stimmten – darunter auch gegen eben jene Gewinnbeteiligung. Die Abstimmung war jedoch nicht bindend.

Offenbar hat die Bank bereits eine Ahnung, dass die Auszahlung hohe Wellen schlagen könnte: Direktoriumschef Michael O'Neill, der auch Mitglied des Vergütungskomitees der Bank ist, erklärte im Februar, dass künftige Auszahlungen stärker an die Entwicklung gekoppelt werden sollen. „Es ist kein wirklich gut ausgearbeiteter Plan, und es ist wahrscheinlich besser, wenn sie ihn auslaufen lassen”, sagt auch Paul Hodgson, ein unabhängiger Vergütungsanalyst.

Soviel Bonus Zahlen die größten US-Banken

Goldman Sachs

Die Banker von Goldman Sachs erhielten im Gesamtjahr 2012 pro Kopf 399.506 Dollar. Der Bonustopf wuchs im Vergleich zum Vorjahr um sechs Prozent auf 12,9 Milliarden Dollar. Die Bank zählt 32.400 Angestellte.

Quelle: Bloomberg

JP Morgan

Die Großbank verteilte 11,3 Milliarden Dollar an 52.151 Mitarbeiter. Dafür ergibt sich für das Jahr 2012 Monate ein Bonus von 216.928 Dollar pro Kopf. Der Bonustopf ist um drei Prozent kleiner als im Vorjahr. JP Morgan betreibt neben dem Investment-Banking aber auch andere Bankgeschäfte.

Morgan Stanley

Die Investmentbank Morgan Stanley hat für das Jahr 2012 für die Bezahlung der Investmentbanker 6,65 Milliarden Dollar aufgewendet. Das sind 7,6 Prozent weniger als im Vorjahr. Wie viele Mitarbeiter im Investment-Banking tätig sind, teilt die Bank nicht mit. Der Gehaltsaufwand der gesamten Bank belief sich 2012 insgesamt auf 15,6 Milliarden Dollar, das sind 4,4 Prozent weniger als im Vorjahr. Die Zahl der Beschäftigten liegt bei insgesamt 55.358 – zehn Prozent weniger als Ende 2011.

Die sogenannten Key Employee Profit Sharing Plans (KEPSPs) richten sich nach der Entwicklung der Bank von 2010 bis 2012. Zwei Drittel der Gelder sollen bis zum 15. März ausgezahlt werden, auf den Rest müssen die Top-Manager bis 2014 warten.

Manuel Medina-Mora, der Chef der Verbraucherbank, wird nach dem Plan etwa 8,8 Millionen Dollar erhalten, wie Bloomberg errechnet hat. Er hat für das Jahr bereits elf Millionen Dollar an Jahresgehalt und Bonus ausgezahlt bekommen. Finanzvorstand John Gerspach kann sich über rund 5,7 Millionen Dollar freuen, zusätzlich zu 6 Millionen Dollar an Gehalt und Bonus. Und Alberto Verme, der Chef des Europageschäfts, dem Nahen Osten und Afrika, erhält dem Plan zufolge zusätzlich 7,5 Millionen Dollar.

Kommentare (4)

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Gast

06.03.2013, 19:48 Uhr

Oh-oh. Alles ist vertretbar, aber nicht wenn es gegen den Willen der Aktionäre geht.

Gast123

06.03.2013, 21:00 Uhr

Sehe da kein größeres Problem. Verträge und Beschlüsse von den von Aktionären eingesetzten Entscheidungsträgern sind bindend. Ist ein einer repräsentativen Demokratie ja nicht anders. Demokratisch gewählte Repräsentanten entscheiden auch oft gegen den Mehrheitswillen des Volkes der bspw. durch Umfragen abgebildet wird. Und damit hat auch kein Mensch ein Problem.

Generation-Untertan

06.03.2013, 22:38 Uhr

Es ist genau dieser Untertanengeist, den Gast 123 hier offenbart, der es den politischen Parteien erlaubt, das Volksvermögen zu verschwenden.
Gast 123 würde auch tatenlos zuschauen, wenn ein Vormund sein Mandat missbraucht, um das Mündel auszuplündern:
"Hauptsache Vollmacht" ... Sehe da kein Problem ...

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