Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

20.01.2011

07:59 Uhr

Gewinneinbruch

Goldmans Glanz ermattet

VonRolf Benders

Eine härtere Regulierung und die Euro-Krise lassen den Gewinn und die Gehälter beim bislang vom Erfolg verwöhnten Wall-Street-Haus einbrechen. Und auch in Hinblick auf 2011 zeigen sich einige Analysten skeptisch.

Lloyd Blankfein: Der Goldman-Sachs-Chef ist derzeit vor allem damit beschäftigt, den Ruf seiner Bank zu verbessern. Reuters

Lloyd Blankfein: Der Goldman-Sachs-Chef ist derzeit vor allem damit beschäftigt, den Ruf seiner Bank zu verbessern.

NEW YORK. Die Flaute im Kapitalmarktgeschäft und strengere Auflagen haben die weltweit führende Investmentbank Goldman Sachs 2010 mit voller Wucht getroffen. Der Gewinn brach im Gesamtjahr um 37 Prozent auf 7,7 Milliarden Dollar ein. Im vierten Quartal sank das Ergebnis sogar um 53 Prozent. „Die Marktbedingungen waren fast im ganzen Jahr 2010 schwierig, aber die Entwicklung der Firma profitierte von der Stärke seiner Marke“, erklärte Goldman-Chef Lloyd Blankfein am Mittwoch bei Vorlage der Zahlen. Goldman-Aktien gaben am Mittwoch deutlich nach, während sich der übrige US-Aktienmarkt stabil hielt.

Mit seinem Gewinneinbruch hinkt Goldman deutlich hinter dem großen US-Konkurrenten JP Morgan her, der vergangene Woche eine satte Gewinnsteigerung auswies. Anders als Goldman ist JP Morgan aber keine reine Investmentbank. Das klassische Bankgeschäft lief bei dem derzeit am besten dastehenden US-Institut so gut, dass die Schwäche im Kapitalmarktgeschäft mehr als ausgeglichen werden konnte. Erst wenn am Donnerstag die andere US-Investmentbank, Morgan Stanley, ihre Zahlen vorlegt, wird man die Goldman-Zahlen vollständig einordnen können.

Starke Eigeninvestments verhindern heftigeren Gewinneinbruch

Verhagelt wurde das Goldman-Ergebnis 2010 vor allem durch einen Einbruch im Geschäft mit festverzinslichen Wertpapieren und Devisen, das traditionell einen großen Teil der Goldman-Gewinne stellt. Weil Kunden im Zuge der Euro-Krise und den damit verbundenen Marktturbulenzen weniger handelten, gaben die Einnahmen hier um 37 Prozent auf 13,7 Milliarden Dollar nach. Allerdings wurde Goldman erneut seinem Ruf gerecht, in schwierigen Zeiten neue Erlösquellen zu finden. So konnte die Bank ihre Einnahmen aus eigenen Investitionen an den Märkten auf 7,5 Milliarden mehr als verdoppeln. Der Zuwachs erklärt sich jedoch auch aus der Schwäche dieses Geschäfts im vergangenen Jahr. Möglicherweise wären die Gewinne 2010 in diesem Bereich aber noch stärker gestiegen, hätten härtere Regulierungsvorgaben das Institut nicht gebremst. Goldman fuhr das Risiko 2010 deutlich zurück. So fiel die Summe, die das Institut bewusst an einem Geschäftstag riskierte (Value at Risk) um fast 40 Prozent auf 134 Millionen Dollar. Die Goldman-Banker spüren den Ergebniseinbruch 2010 auch im eigenen Portemonnaie. So fiel das durchschnittliche Einkommen um 14 Prozent auf 431 000 Dollar. Zum Vergleich: Die Investmentbanker bei JP Morgan verloren im Schnitt 2,4 Prozent auf 370 00 Dollar.

Analysten erwarten schwieriges Jahr 2011

Auch wenn sich – etwa beim Geschäft mit Börsengängen – im vierten Quartal ein paar Silberstreifen am Horizont zeigten, blieben Analysten wegen der weiter schwierigen Anleihemärkte und der sich verschärfenden Regulierung für 2011 skeptisch. Die Rückgänge bei Platzierungen und im Kundenhandel seien ein Zeichen dafür, dass der zu verteilende Kuchen an der Wall Street kleiner werde, sagte Chris Wahlen, Geschäftsführer bei Institutional Risk Analystics. Auffällig sei, dass die Eigeninvestments 2010 gut gelaufen seien. „Aber deren Beitrag könnte in dem Maße deutlich geringer werden, in dem der Eigenhandel nach der sogenannten Volcker-Regel gesetzlich beschränkt wird“, fügte er hinzu.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×