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18.04.2006

06:46 Uhr

Gewinnhausse

Goldene Zeiten für Banken

VonChristian Potthoff

Europas Banken erleben gerade die Sonnenseite ihres Geschäfts. Sämtliche der 30 größten Institute des Kontinents haben ihre Gewinne im vergangenen Jahr gesteigert – und schon die Vorjahreszahlen konnten sich sehen lassen.

HB FRANKFURT. Europas Banken erleben gerade die Sonnenseite ihres Geschäfts. Sämtliche der 30 größten Institute des Kontinents haben ihre Gewinne im vergangenen Jahr gesteigert – und schon die Vorjahreszahlen konnten sich sehen lassen. „2005 war ein phänomenales Jahr für die europäische Bankenbranche“, schrieben kürzlich Analysten von Standard & Poor’s.

Nach Meinung der Investmentbank Merrill Lynch ist das Umfeld sogar noch günstiger als während des Börsenbooms der Jahre 1999 und 2000, als sich die Branche mit Aktiengeschäften eine goldene Nase verdiente. Die derzeitige Gewinnhausse hat viele Gründe. Die Zinsen liegen seit langem auf extrem niedrigem Niveau. Dies motiviert Firmen und Privatpersonen in vielen Ländern zur Aufnahme von Krediten. Spaniens Banken beispielsweise profitieren von einem gewaltigen Boom im Hypothekengeschäft. Die robuste Konjunktur und die niedrigen Zinsen halten zudem die Zahl der Firmenpleiten in Grenzen – und damit die Kreditausfälle der Banken. Und schließlich profitiert die Branche vom Auftrieb an den Aktienbörsen, der die Provisionseinnahmen kräftig sprudeln lässt.

Auch die deutschen Institute stehen weitaus besser da als in den trüben Jahren zu Anfang des Jahrhunderts: Alle fünf privaten deutschen Großbanken konnten ihre operativen Gewinne und Jahresüberschüsse markant verbessern. Dank der massiven Sparrunden der letzten Jahre hat die Branche die Kosten im Griff, und mit Ausnahme der Dresdner Bank steigerten alle Institute ihre Einnahmen. Dennoch liegt das Quintett mit Ausnahme der Deutschen Bank bei Gewinn und Rendite weiter hinter dem Ausland zurück.

Außerhalb von Deutschland plagt die Banker derzeit vor allem eine Sorge: Wohin mit dem Geld? Die Antwort liegt auf der Hand: Gesucht sind Wachstumsfelder, und damit rücken Übernahmen immer stärker ins Blickfeld. Der Kauf der HVB durch Unicredit im vergangenen Jahr war die größte europäische Bankenfusion aller Zeiten. Und anders als bei Großfusionen häufig der Fall, kam der Deal an der Börse gut an. Trotz des Manager-Exodus bei der HVB und des erst vor wenigen Tagen beigelegten Streits mit den polnischen Behörden hat die Unicredit-Aktie kräftig an Wert gewonnen: Mit einem Börsenwert von gut 60 Mrd. Euro liegt die Bank mittlerweile auf Platz acht in Europa. Angeführt wird die Rangliste von der britischen HSBC, der schweizerischen UBS und der britischen Royal Bank of Scotland (RBS). Die größte Bank aus dem Euro-Raum, die spanische Santander, folgt erst auf Platz vier.

Entgegen manchen Erwartungen war die HVB-Übernahme aber nicht der Startschuss zu einer großen Welle von Megafusionen. Zwar gibt es immer wieder Spekulationen um Großfusionen wie etwa die, dass die spanische BBVA die britische Lloyds TSB kaufe. Doch in der Praxis bevorzugen die Bankchefs kleinere Übernahmen, die daher auch recht häufig passieren. Die holländische ABN Amro und die französische BNP Paribas verleibten sich kleinere italienische Banken ein. Hoch im Kurs stehen aber vor allem die Schwellenländer in Osteuropa und Asien. Dort locken hohe Margen und die Aussicht auf Wirtschaftswachstum. Neben den bekannten Größen schlagen mittlerweile auch Häuser aus der zweiten und dritten Reihe zu. So stieg die griechische National Bank für 2,8 Mrd. Dollar bei der türkischen Finansbank ein. Die Jagd auf die wenigen Osteuropa-Banken, die noch zu haben sind, treibt die Preise in Schwindel erregende Höhen: Die österreichische Erste Bank legte für die rumänische Banca Commerciala Romana (BCR) stolze 3,8 Mrd. Dollar hin – das war anderen Interessenten wie der portugiesischen BCP und der Deutschen Bank denn doch zu viel.

Zweites Modethema neben Osteuropa ist Asien. RBS etwa kaufte sich für 3,1 Mrd. Dollar bei der Bank of China ein, amerikanische Häuser haben ebenfalls massiv in China investiert. Mit dabei ist auch die Deutsche Bank, die bei der Regionalbank Huaxia einstieg. Allerdings sind Investments in Schwellenländer alles als andere als risikolos. Erst kürzlich warnte der Großbankenverband Institute of International Finance (IIF) vor der Gefahr von Finanzmarktturbulenzen in den aufstrebenden Volkswirtschaften. Doch diese Probleme werden bisher noch verdrängt. Stattdessen dürfte die Einkaufstour munter weitergehen, denn in ihren Heimatmärkten werden die Banken auch in diesem Jahr wieder fette Gewinne einfahren, die investiert werden wollen. „Es ist eine tolle Zeit, um Banker zu sein“, fasste Merrill Lynch die Goldgräberstimmung der Branche zusammen.

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