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27.01.2010

08:22 Uhr

Gewinnrückgang

Faule Kredite verhageln BBVA das Ergebnis

VonAnne Grüttner

Das zweitgrößte spanische Kreditinstitut BBVA hat im vierten Quartal ihre Bilanzen gründlich aufgeräumt und sich damit das Jahresergebnis und die Gunst der meisten Analysten verhagelt. Der Grund: faule Kredite.

BBVA-Chef von Angel Cano. Reuters

BBVA-Chef von Angel Cano.

MADRID. Das zweitgrößte spanische Kreditinstitut BBVA hat im vierten Quartal ihre Bilanzen gründlich aufgeräumt und sich damit das Jahresergebnis und die Gunst der meisten Analysten verhagelt. Wegen außerordentlicher Rückstellungen in Spanien und in den USA schrumpfte das Nettoergebnis im vierten Quartal um 94 Prozent auf klägliche 31 Mio. Euro. Das Gesamtjahresergebnis ging um 16 Prozent auf 4,2 Mrd. Euro zurück.

Die meisten Analysten hatten mit einer leichten Gewinnsteigerung gerechnet. Die international breit aufgestellte Großbanken BBVA und Santander schienen bisher praktisch unberührt von der Finanzkrise, da sie nicht in US-Subprime-Papiere investiert hatten und sie die Krise auf dem Heimatmarkt bisher durch hohes Wachstum auf ihren anderen Märkten ausgleichen konnten. Doch bei BBVA war das zumindest im letzten Quartal nicht möglich – vor allem wegen außerordentlich hoher Rückstellungen im Hinblick auf die spanische Immobilienkrise.

Rückstellungen verdoppelt

Die Bank nahm 2009 insgesamt Rückstellungen in Höhe von 5,2 Mrd. Euro vor, fast doppelt so viel wie im Vorjahr. Man habe „eine sehr detaillierte Analyse jedes einzelnen Risikos“ vor allem im Immobilienportfolio in Spanien sowie in den USA vorgenommen, erklärte BBVA-Vorstandschef Angel Cano. Anstatt Quartal für Quartal die Rückstellungen anzupassen, habe man sich entschieden „präventive Sanierungsmaßnahmen“ durchzuführen.

In Spanien wurden so im vierten Quartal neben knapp zwei Mrd. Euro neuen faulen Krediten nach den bisherigen Kriterien, noch 1,8 Mrd. Euro zusätzliche Kredite als notleidend gekennzeichnet, obwohl diese bisher noch bedient werden. Es handele sich dabei größtenteils um Darlehen an Bauträger, erklärte Cano. Doch auch ohne diese zusätzlich abgeschriebenen Kredite kletterte die Ausfallrate auf 4,3 Prozent, ein Prozentpunkt mehr als im September und fast doppelt so hoch wie im Vorjahr. „Die Deckungsrate sank um elf Prozentpunkte auf 48 Prozent, was unserer Meinung nach nur noch wenig Puffer lässt“, kommentieren die Bankexperten von UBS.

Auch bei der 2007 erworbenen US-Tochter Compass nahm BBVA zusätzliche Rückstellungen in Höhe von 346 Mio. Euro vor. Zudem musste die Bank eine kräftige Abschreibung von mehr als 700 Mio. Euro auf den Goodwill des damaligen Kaufpreises von Compass vornehmen. „Die Bank hat ganz klar versucht, einige der für die nächsten Jahre erwarteten Verluste bereits jetzt zu schultern, wobei die zusätzlichen Rückstellungen in den USA vom Markt nicht erwartet wurden und daher nicht gut aufgenommen werden“, kommentiert Ignacio Cerezo von JP Morgan.

Rosigere Perspektiven in Mexiko

Die negativen Aussichten für die Kreditqualität in Spanien und den USA konnte auch die rosigere Perspektive in Mexiko nicht ausgeglichen, nach Spanien und Portugal das zweite wichtige Standbein von BBVA. Bisher können die Reserven in Mexiko nicht aufgelöst werden, das wird eher im ersten Quartal 2010 stattfinden“; meint Cerezo von JP Morgan. Fast unter ging, dass das operative Ergebnis ein starkes Wachstum zeigte und die Erwartungen der Analysten sogar übertraf.

Bei der Banco Santander, die nächste Woche ihre Jahresergebnisse vorstellt, lauern vermutlich nicht so böse Überraschungen. Zwar hat auch Santander mit den weiterhin rasant steigenden Kreditausfällen in der Heimat zu kämpfen, doch dürfte dies durch die Töchter in Großbritannien und in Brasilien ausgeglichen werden.

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