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17.03.2016

16:01 Uhr

Gewinnrückgang

Krisenmärkte setzen Helaba zu

Marktkrisen könnten den Gewinn der Landesbank Hessen-Thüringen in diesem Jahr schrumpfen lassen, warnt Vorstandschef Herbert-Hans Grüntker. Die Rentabilität der einzelnen Geschäftsfelder müsse hinterfragt werden.

2015 hat die Frankfurter Landesbank den Gewinn vor Steuern mit 596 Millionen Euro fast auf dem Rekordniveau des Vorjahres gehalten. Für dieses Jahr befürchtet sie einen Rückgang. dpa

Landesbank Helaba

2015 hat die Frankfurter Landesbank den Gewinn vor Steuern mit 596 Millionen Euro fast auf dem Rekordniveau des Vorjahres gehalten. Für dieses Jahr befürchtet sie einen Rückgang.

Frankfurt am MainDer neue Vorstandschef der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) schraubt die Ziele für die nächsten Jahre angesichts der niedrigen Zinsen nach unten. Statt der bisher anvisierten Eigenkapitalrendite von rund acht Prozent peilt die Frankfurter Landesbank nur noch 6,5 bis acht Prozent vor Steuern an. „Das ist eine Art von Realismus“, sagte Herbert-Hans Grüntker am Donnerstag auf der Bilanzpressekonferenz. Große Privatbanken peilen noch bis zu zehn Prozent an. Schon in diesem Jahr müsse die Helaba mit „spürbaren Abstrichen“ beim Ergebnis rechnen, sagte Grüntker. Die ersten zwei Monate deuteten darauf hin. Die Einbußen auf der Zinsseite ließen sich nicht durch die Vergabe von mehr Krediten oder durch mehr Provisionen wettmachen.

Im vergangenen Jahr hat die Helaba das Rekordergebnis von 2014 mit einem Gewinn vor Steuern von 596 (2014: 607) Millionen Euro nur knapp verfehlt. Die Rendite lag damit bei 8,1 Prozent. Die Bank könne aber nicht damit rechnen, „den Ergebnispfad der letzten Jahre in die Zukunft fortzuschreiben“, warnte Grüntker, der von der Tochter Frankfurter Sparkasse zur Helaba gekommen war. „Das Gegenteil ist vermutlich der Fall.“ Die Zinsen dürften auf lange Zeit niedrig bleiben, und die politischen und wirtschaftlichen Krisen in aller Welt verunsicherten die Märkte. Das Neugeschäft werde schwieriger, 2016 dürfte es leicht auf 19 (19,2) Milliarden Euro sinken. Schon 2015 sei es nicht gelungen, das Volumen auslaufender und vorzeitig getilgter Kredite durch neue Abschlüsse stabil zu halten.

Die größten Banken Deutschlands

Platz 10

Helaba

Bilanzsumme: 151 Milliarden Euro

(Stand, wenn nicht anders angegeben: 31.12.2014)

Platz 9

Postbank

Bilanzsumme: 155 Milliarden Euro

Platz 8

NordLB

Bilanzsumme: 198 Milliarden Euro

Platz 7

BayernLB

Bilanzsumme: 232 Milliarden Euro

Platz 6

Landesbank Baden-Württemberg (LBBW)

Bilanzsumme: 266 Milliarden Euro

Platz 5

Hypovereinsbank

Bilanzsumme: 300 Milliarden Euro

Platz 4

KfW-Bankengruppe

Bilanzsumme: 489 Milliarden Euro

Platz 3

DZ- und WGZ-Bank

Bilanzsumme: rund 500 Milliarden Euro

Davon entfallen etwa 400 Milliarden auf die DZ-Bank und ungefähr 95 Milliarden auf die WGZ-Bank. Am 19. November 2015 wurde bekannt, dass die beiden Genossenschaftsbanken fusionieren werden.

Platz 2

Commerzbank

Bilanzsumme: 564 Milliarden Euro

Platz 1

Deutsche Bank

Bilanzsumme: 1.700 Milliarden Euro

Grüntker kündigte eine „Schärfung des Geschäftsmodells“ der Landesbank an. Jedes Geschäftsfeld werde darauf überprüft, ob es unter dem Strich profitabel sei. Der neue Chef setzt vor allem auf das Geschäft mit Firmenkunden und den Sparkassen im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen, für die die Helaba seit dem Aus der WestLB als Partner fungiert. „Hier haben wir große Wachstumschancen, die wir künftig noch besser nutzen wollen“, sagte er. Auch die anderen Landesbanken buhlen dort massiv um Kunden.

Weitere Zusammenschlüsse unter den Landesbanken sieht der neue Helaba-Chef skeptisch. Schon heute gebe es mit der LBBW, der BayernLB, der Helaba und der NordLB nur noch vier große Landesbanken. „Das ist nicht weit von dem entfernt, was sich die Protagonisten als Zielbild vorgestellt haben“, sagte Grüntker. Sein Vorgänger hatte kurz vor seinem Abschied eine Fusion der Helaba mit dem Fondsdienstleister der Sparkassen, der Dekabank, angeregt. Das sei Sache der Träger, gab sich Grüntker zu dieser Idee zurückhaltend.

Erstmals räumte Grüntker ein, dass auch die Helaba von der Affäre um umstrittene Geschäfte mit Aktien rund um den Dividendenstichtag („Cum-Ex“) betroffen sei. Sie habe 2007 „eine überschaubare Zahl“ solcher Geschäfte getätigt und die zu Unrecht erhaltene Kapitalertragsteuer vor drei Jahren zurückgezahlt.

Von

rtr

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