Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

01.09.2014

17:12 Uhr

Goldman finanzierte Espirito Santo

Geld für den Heiligen Geist

Als der portugiesischen Banco Espirito Santo das Geld ausging und der Kapitalmarkt nichts mehr geben wollte, soll die US-Großbank Goldman Sachs bei der Finanzierung geholfen haben. Ein verlustreiches Geschäft.

Interne Unterlagen werfen ein Schlaglicht auf die dunklen Geschäfte der Banco Espirito Santo. AFP

Interne Unterlagen werfen ein Schlaglicht auf die dunklen Geschäfte der Banco Espirito Santo.

LissabonManchmal reicht ein himmlischer Name alleine nicht. Als der portugiesischen Großbank Espirito Santo (zu deutsch: Heiliger Geist) Anfang des Jahres das Geld ausging, suchte sie dringend nach irdischer Hilfe – und fand Sie wohl auch bei der US-Großbank Goldman Sachs. Über ein luxemburgisches Finanzkonstrukt halfen die Goldmänner der Banco Espirito Santo (BES) damals, rund 835 Millionen Dollar einzusammeln, berichtet das Wall Street Journal unter Berufung auf interne Berichte. Und das zu einem Zeitpunkt, zu dem es für die Portugiesen am Kapitalmarkt nahezu unmöglich war, frisches Geld zu bekommen.

Eigentlich sollte das Geld für die Finanzierung eines Raffinerie-Bauprojekts verwendet werden , das eine angeschlagene, chinesische Firma für Venezuelas staatlichen Ölkonzern PDVSA betrieben hatte. Dieser Ölkonzern gehörte zu den größten Gläubigern von Unternehmen der Espirito Santo Gruppe. Am Ende entpuppte sich der vermeintlich lukrative Deal als Verlustgeschäft. Goldman habe versucht, die Schuld der Portugiesen an einen weiteren Investor abzutreten. Es sei der US-Großbank aber nicht gelungen, einen Käufer zu finden, berichtet das Wall Street Journal weiter.

Medienbericht: Credit Suisse in Espirito-Santo-Chaos verwickelt

Medienbericht

Credit Suisse in Espirito-Santo-Chaos verwickelt

Im Debakel um die kriselnde portugiesische Bank Espirito Santo steht nun die Credit Suisse im Fokus. Sie soll geholfen haben, die Schulden der Espirito-Santo-Gruppe in Form von Wertpapieren an BES-Kunden zu verkaufen.

Die Goldmänner sind nicht die einzige Großbank, die mit den Geschäften der Portugiesen zu tun haben. Bereits vor zwei Wochen hatte das Wall Street Journal berichtet, dass die Schweizer Großbank Credit Suisse geholfen habe, Anteile an BES-Anlage-Vehikeln in Milliardenhöhe an Kleinkunden zu verkaufen. Den Kunden sei dabei nicht bewusst gewesen, dass die Wertpapiere auch Schulden von Espirito-Santo-Unternehmen enthielten, hieß es in dem Bericht, der sich auf Firmendokumente und Insider berief.

Die Banco Espírito Santo war vom portugiesischen Staat gerettet worden. Sie wurde in zwei Teile zerschlagen: Faule Kredite wurden in eine „Bad Bank“ ausgelagert, deren Eigentümer nun die bisherigen Aktionäre der BES sind – darunter auch die Crédit Agricole aus Frankreich. Aus dem gesunden Teil wurde mit einer Kapitalspritze von fast fünf Milliarden Euro eine neue Bank. Damit kamen erstmals die neuen EU-Regeln zur Bankenrettung zur Anwendung.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×